Moderne Kreuzfahrtschiffe sind aufgrund ihrer Größe nicht in jedem Hafen beliebt. © dpa
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Sonne, Meer und jeden Tag einen neuen Hafen ansteuern. Kreuzfahrten sind beliebter denn je.
Kreuzfahrt-Fieber
Zwischen Traum und Albtraum
Die Kreuzfahrtbranche wächst weiter stürmisch. Jedes Jahr kommen neue Schiffe auf den Markt. Jedes Jahr steigt die Zahl der Passagiere.
Diese Art des Urlaubmachens ist längst nicht mehr nur ein Oberschichtsvergnügen, sondern inzwischen auch für Normalverdiener durchaus erschwinglich. Nutznießer sind vor allem die Veranstalter und die Werften, die immer mehr Luxusliner bauen. Auf der anderen Seite produzieren die Schiffe jede Menge Schadstoffe und Müll.

Ökonomisch gesehen haben die bereisten Länder fast nichts davon, dass die Pötte anlegen. Das Essen für die All-Inklusvie-Buffets an Bord wird in der Regel von Deutschland aus in die Karibik geflogen. Die meisten Schiffe fahren zudem nicht mehr unter deutscher Flagge, um Sozialabgaben und Steuern zu sparen. Die Arbeitszeiten für Bedienstete sind lang, die Löhne niedrig. Hinzu kommen Subventionen für den Bau riesiger Hafenterminals, die es für die schwimmenden Megahotels braucht.

Fünf Fakten über Kreuzfahrt-Reisen

Neue Schiffe
Die stark wachsende Passagierzahl im Kreuzfahrtenmarkt sorgt für volle Auftragsbücher bei den Werften. Allein in diesem Jahr kommen 17 neue Schiffe auf den weltweiten Markt - so viele wie nie zuvor.Die Schiffe werden immer gigantischer. Das größte ist zurzeit die "Symphony of the Seas" von der Reederei "Royal Caribbean". Sie hat Platz für 9.000 Menschen: 6.680 Passagiere und mehr als 2.000 Mitarbeiter an Bord.

Boombranche Kreuzfahrt
Kreuzfahrten sind beliebter denn je. Und der Boom hält weiter an. Der internationale Kreuzfahrtverband CLIA rechnet 2018 mit 27,2 Millionen Passagieren weltweit. Nach Amerikanern und Chinesen gehen die Deutschen am häufigsten an Bord.Die Zahl der europäischen Kreuzfahrtpassagiere ist im Vorjahresvergleich um 2,5 Prozent auf mehr als 6,9 Millionen gestiegen. Der europäische Kreuzfahrtmarkt ist in den vergangenen zehn Jahren stetig gewachsen. Verantwortlich für den Anstieg sind vor allem die Märkte Deutschland sowie Großbritannien und Irland.

"Kreuzfahrerland" Deutschland
Laut dem Deutschen Reiseverband wächst der deutsche Kreuzfahrtenmarkt das zwölfte Jahr in Folge. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Gäste fast verdreifacht. 2017 wurde erneut ein Passagier-Rekord aufgestellt. Insgesamt 2,19 Millionen Deutsche reisten im letzten Jahr auf einem Kreuzfahrtschiff. Das entspricht einem Passagierwachstum von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch für dieses Jahr rechnet der DRV mit steigenden Buchungszahlen.

Wohin geht die Reise?
Am beliebtesten sind die europäischen Routen. Mehr als die Hälfte aller deutschen Passagiere machte eine Kreuzfahrt nach Nordeuropa oder durch das Mittelmeer. Rund jeder zehnte Passagier bereiste die Karibik und die Kanaren. Weitere beliebte Reiseziele sind Destinationen in Afrika und im Mittleren Osten sowie Asien. Die durchschnittliche Reisedauer auf dem Schiff liegt bei neun Tagen.

Umweltsünder Kreuzfahrtschiffe
Nur wenige Schiffe sind mit Rußpartikelfilter ausgestattet. Ohne Filter stößt ein Kreuzfahrtschiff laut Nabu pro Kilometer so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw. Im Gegensatz zur Straße gibt es auf See keine gesetzlichen Regelungen für die Filter. Hinzu kommt: viele Kreuzfahrtschiffe fahren noch mit Schweröl. Auch in den Häfen brauchen die Schiffe viel Energie. Um zum Beispiel Klimaanlagen, Licht, Gastronomie, am Laufen zu halten, läuft ein Kreuzfahrtschiff im Liegebetrieb mit Schiffsdiesel.

Meinungen von Experten

"Schweröl sollte längst verboten sein"
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Frank Herrmann, Experte für faires Reisen appeliert im Interview an die Schiffahrtindustrie: Die Branche solle als Vorreiter auf Schweröl verzichten. Und alle Schiffe, die in Zukunft neu gebaut werden, sollten ausschließlich mit Flüssigas betrieben werden.
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Die Schattenseiten der Luxusdampfer
© ap
Kreuzfahrten sind beliebter denn je, auch bei deutschen Urlaubern. Doch das sonnige Vergnügen ist nicht ganz ungetrübt. Das Wirtschaftsmagazin makro sprach mit Frank Hermann über die Schattenseiten, wie etwa die massive Umweltverschmutzung.
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Vorreiter beim Umweltschutz
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Urlaubsschiffe seien Vorreiter beim Umweltschutz auf See, erklärt Helge Grammerstorf vom Verband der Kreuzfahrtindustrie (CLIA Deutschland).
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Berichte aus der Sendung

makroskop Kreuzfahrt
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Der Kreuzfahrtboom hält weiter an. Geschätzt mehr als 27 Millionen Menschen weltweit buchen dieses Jahr eine Kreuzfahrt. Nach Amerikanern und Chinesen gehen die Deutschen am häufigsten an Bord.
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Kreuzfahrtriese aus Wismar
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Die MV Werft in Wismar baut das größte Kreuzfahrschiff, dass jemals in Deutschland geplant wurde. 12000 Menschen soll das rund eine Milliarde Euro teure Schiff der Global-Klasse einmal beherbergen. Ein Segen für die Werft, die vor zwei Jahren noch kurz vor der Pleite stand.
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Dicke Luft im Hamburger Hafen
© dpa
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Wenn die Hauptsaison für Kreuzfahrtschiffe beginnt, lassen besonders viele Schiffe in Hamburgs Hafen ihre Dieselmotoren laufen. Sie verpesten mit Abgasen die Luft obwohl sie Landstrom nutzen könnten.
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Sendedaten
makro
Kreuzfahrt
Freitag, 25. Mai 2018, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Kreuzfahrt: Reden Sie mit!
© dpaFrank Hermann, Experte für faires Reisen kritisiert die hohe Umweltbelastung bei Kreuzfahrten. Aber gibt es einen Weg hin zu "grüner Kreuzfahrt"? Diskutieren Sie mit ihm in unserem Blog.
Studiogast
© 3satLupeFrank Herrmann
Frank Herrmann ist Experte für verantwortungsvollen Tourismus und fairen Handel. Der Betriebswirt hat eine Reihe von Sachbüchern und Reiseführern veröffentlicht. Zuletzt erschien "FAIRreisen - Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen".
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Schifffahrt: Dem Untergang nah
Die Containerschifffahrt gilt als Blutbahn der Weltwirtschaft. Seit bald zehn Jahren steuert sie durch die schwerste Krise ihrer Existenz. Der abflauende Welthandel lähmt. Vor allem aber ein selbstgeschaffenes Problem.
(makro, 09.06.2017)
Schwerpunkt
Schifffahrt