Strom aus Windkraft kostet in den USA heute gegenüber 2009 nur noch ein Drittel und ist vielerorts die billigste Form der Energieerzeugung. © colourbox.de
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Strom aus Windkraft kostet in den USA heute gegenüber 2009 nur noch ein Drittel und ist vielerorts die billigste Form der Energieerzeugung.
Energiewende am Scheideweg
Das Neue gegen das Alte
Weltweit nimmt die Energiewende Fahrt auf. In Deutschland hingegen hängt sie fest: Der selbsterklärte Vorreiter hat längst seine Klimaziele kassiert. Dabei wäre die Zukunft zum Greifen nah.
Eine Vielzahl von Unternehmen entwickelt Lösungen für die Zukunft der Energieversorgung. Batteriespeicher spielen eine Schlüsselrolle, aber auch Technologien, die dezentrale Stromerzeugung vernetzen, Spannungsspitzen bedienen und Konsumenten zu Produzenten machen.

Damit will man eines der Kernprobleme der Energiewende in den Griff bekommen: die Netzstabilität. Vorurteile halten sich gleichwohl hartnäckig: Sauber erzeugter Strom aus Windkraft oder Photovoltaik gehöre gewiss die Zukunft, sei aber zu unzuverlässig und teuer. Ein Industrieland wie Deutschland, das von seiner Wettbewerbsfähigkeit lebt, könne sich diese Abenteuer nicht leisten.

Der Anteil <b>regenerativen Stroms</b> hat sich in Deutschland seit 2002 mehr als <b>vervierfacht</b>. Der kontinuiertliche Zubau neuer Anlagen hält an, obwohl die staatliche Förderung immer weiter fällt - d.h. die Wirtschaftlichkeit steigt. Der Anteil regenerativen Stroms hat sich in Deutschland seit 2002 mehr als vervierfacht. Der kontinuierliche Zubau hält an, obwohl die staatliche Förderung immer weiter fällt - d.h. die Wirtschaftlichkeit steigt.
2017 haben <b>regenerative Energien</b> in Deutschland gut <b>38%</b> zur öffentlichen Nettostromerzeugung beigetragen. Davon sind allerdings nur Wasserkraft und Biomasse grundlastfähig. Sonne und Wind sind es nicht. 2017 haben Erneuerbare in Deutschland gut 38% zur öffentlichen Nettostromerzeugung beigetragen. Davon sind allerdings nur Wasserkraft und Biomasse grundlastfähig. Sonne und Wind sind es nicht.
<b>Investitionen</b> bestimmen den Energiemix von morgen. Bereits seit einigen Jahren wird <b>weltweit</b> mehr Geld in sauberen Strom investiert als in konventionelle Kraftwerke. Laut dieser Prognose wird sich der Trend fortsetzen. Investitionen bestimmen den Energiemix von morgen. Bereits seit einigen Jahren wird weltweit mehr Geld in sauberen Strom investiert als in konventionelle Kraftwerke. Laut dieser Prognose wird sich der Trend fortsetzen.

Tatsächlich fallen die Preise für sauberen Strom immer weiter: Windstrom kostet heute zwei Drittel weniger als noch 2009, Solarstrom ist fast 90 Prozent billiger als vor acht Jahren. Ein Windkraftwerk in Marokko oder eine Solaranlage in den Emiraten können Strom für weniger als drei Cent pro Kilowattstunde verkaufen - ohne Subventionen. In Deutschland zahlt der Endverbraucher knapp 30 Cent.

Hierzulande tragen erneuerbare Energien heute ein gutes Drittel zur Stromerzeugung bei. Damit liegt Strom aus Solar- und Windenergieanlagen (zusammen 26%) erstmals vor Braunkohle (24%), Steinkohle (15%) und Kernkraft (13%). Trotzdem stößt die Energiewende an eine unsichtbare Wand. Neue Speichertechnologien und intelligente Netze könnten der Durchbruch zur Energiewelt von morgen sein.

Stromgestehungskosten
Die hier zugrunde gelegten "Stromgestehungskosten" (engl. "Levelized Cost of Electricity" - LCOE) sind All-inclusive-Preise. Sie umfassen alle Ausgaben über die gesamte Laufzeit der Anlage, d.h. Genehmigungen, Entwurf, Bau, Ausrüstung, ggf. Nachrüstung, Betrieb, Wartung, Finanzierungskosten (Zinsen) und - bei fossilen Kraftwerken - Brennstoff.

Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme berechnet regelmäßig die "All-inclusive"-Kosten zur Stromerzeugung. Waren fossile Kraftwerke bei diesen <b>"Stromgestehungskosten" 2013</b> noch klar im Vorteil ... © Fraunhofer ISE Das Fraunhofer ISE berechnet regelmäßig die "All-inclusive"-Kosten zur Stromerzeugung. Waren fossile Kraftwerke bei diesen "Stromgestehungskosten" 2013 noch klar im Vorteil ...
... sieht es <b>2018</b> ganz anders aus. Wind und Photovoltaik machen heute das Rennen. Dieser Trend wird sich bis 2035 noch verstärken, wie die Experten in ihrer aktuellen Studie (s. Infokasten rechts) darlegen. © Fraunhofer ISE ... sieht es 2018 ganz anders aus. Wind und Photovoltaik machen heute das Rennen. Dieser Trend wird sich bis 2035 noch verstärken, wie die Experten darlegen (s. Studie rechts) .

Interviews

Live-Interview: "Kohleausstieg geht schneller als gedacht"
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Der Energieexperte Prof. Wolfgang Irrek wünscht sich für die Energiewende bessere wettbewerbliche Rahmenbedingungen. Außerdem müsse man mehr an das Energiesparen denken.
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Vorabinterview: Gelingt die Energiewende?
Im Zuge der Energiewende stellt sich die Frage, inwieweit die Leitungsnetze ausgebaut werden müssen. © ap
Die Energiewende nimmt weltweit Fahrt auf, ist aber kein Selbstläufer. Schon gar nicht in Deutschland. Das Wirtschaftsmagazin makro sprach mit Prof. Wolfgang Irrek über die Knackpunkte.
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Kemfert: "Gigantische Überkapazitäten"
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Energie-Expertin Claudia Kemfert fordert, sich in der Stromerzeugung vom alten System zu verabschieden und konsequent ins Neue zu gehen. Außerdem erläutert sie die Analogie zwischen Strom und Gemüse.
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"Politik hat in großem Stile versagt"
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Wie ist der Stand der Energiewende? Prof. Ralf-Michael Marquart sagt, beim Ausbau der Erneuerbaren lägen wir deutlich über Plan, bei Energie-Einsparungen hingegen gebe es erhebliche Defizite.
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Zahlen, Daten, Fakten

makroskop Energiewende
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2017 kamen 61,8% des deutschen Stroms aus fossilen Energiequellen und Atomkraft 38,2% aus Erneuerbaren. An 8215 Stunden war Deutschland Strom-Exporteur, an 545 Stunden wurde importiert.
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5 Facts zur Energiewende: Was Sie garantiert noch nicht wissen
Solare Großkraftwerke wie hier in Chile liefern Strom zu ausgesprochen günstigen Konditionen. © reuters
Deutschland ist Exportmeister, auch beim Strom. Der billigste Strom kommt aus einem Solarkraftwerk in den Emiraten. Überhaupt: Energiewende-Rekorde entstehen vor allem im Ausland.
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Die <b>Investitionen in saubere Energie</b> sind heute höher als bei jeder anderen Energieform. Zwar stagniert der Dollar-Betrag seit etlichen Jahren, doch aufgrund der niedrigeren Kosten gibt es mehr Gutes fürs gleiche Geld. Die Investitionen in saubere Energie sind heute höher als bei jeder anderen Energieform. Zwar stagniert der Dollar-Betrag seit etlichen Jahren, doch aufgrund der niedrigeren Kosten gibt es mehr Gutes fürs gleiche Geld.
Der <b>Anteil grünen Stroms</b> könnte bis 2040 auf fast 40% am Energiemix steigen - zulasten fossiler Brennstoffe. Doch Vorsicht: Da der Strombedarf insgesamt zunimmt, sinkt der Kohlestrom absolut nur um 4%. Der Anteil grünen Stroms könnte bis 2040 auf fast 40% am Energiemix steigen - zulasten fossiler Brennstoffe. Doch Vorsicht: Da der Strombedarf insgesamt zunimmt, sinkt der Kohlestrom absolut nur um 4%.
Die Verstromung von <b>Kohle</b> und <b>Gas</b> könnte ihren <b>Maximum</b> bereits 2026 erreichen. Elektrizität aus Wind und Sonne steigt rasant und deckt den Anstieg des globalen Strombedarfs fast komplett ab. Die Verstromung von Kohle und Gas könnte ihren Maximum bereits 2026 erreichen. Elektrizität aus Wind und Sonne steigt rasant und deckt den Anstieg des globalen Strombedarfs fast komplett ab.

Speichertechnologie

Das Sonnen-Netz
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Die Firma Sonnen aus Wildpoldsried kombiniert Solarzellen mit Batteriespeichern. Das tun andere auch, doch die Bayern gehen weiter, viel weiter: Sie erschaffen eine Art Internet der Energie.
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Batterien: Potente Lückenbüßer
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Je weiter die Energiewende voranschreitet, desto wichtiger werden Speichertechnologien. Weil Batterien immer billiger werden, erobern sie sich ihre Nische. Energieversorgern bieten sie handfeste Vorteile.
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Kohle: Zeitenwende für RWE
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Nirgends ist die Energiewende ferner als im Braunkohletagebau, dem Revier des Energieriesen RWE. Dort spricht man zwar heute von einer "Brückentechnologie", doch es klingt nach einer sehr langen Brücke.
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Ökostrom-Kosten: Purzelnde Preise
© www.siemens
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Grüner Strom gilt als nett aber teuer. Das stimmt nur nicht mehr. Überall auf der Welt verdrängen große Solar- und Windparks zusehends konventionelle Kraftwerke. Weil sie billiger sind.
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In den USA fielen die <b>Erzeugerpreise für Windstrom</b> seit 2009 um fast 67% auf 3,0 bis 6,0 $c/kWh. Noch deutlicher sind die Kosten für Solarstrom gesunken: um 86% auf rund 5,0 $c/kWh. In den USA fielen die Erzeugerpreise für Windstrom seit 2009 um fast 67% auf 3,0 bis 6,0 $c/kWh. Noch deutlicher sind die Kosten für Solarstrom gesunken: um 86% auf rund 5,0 $c/kWh.
Etwa im Jahr 2030 wird es für <b>Kohlekraftwerke in Europa</b> eng. Dann könnte es nach dieser Prognose günstiger sein, neue Wind- oder Solarkraftwerke zu bauen als alte Kohlekraftwerke weiterzubetreiben. Etwa im Jahr 2030 wird es für Kohlekraftwerke in Europa eng. Dann könnte es nach dieser Prognose günstiger sein, neue Wind- oder Solarkraftwerke zu bauen als alte Kohlekraftwerke weiterzubetreiben.

Sendedaten
makro
Energiewende am Scheideweg
Freitag, 18. Mai 2018, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Mediathek
© dpa[>> Alle Videos auf einen Blick]
Energiewende: Reden Sie mit!
© colourbox.deWie kann die Energiewende gelingen, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen oder wir plötzlich im Dunkeln sitzen? Was tut die Politik und was hilft die Solarzelle auf dem eigenen Dach? Diskutieren Sie mit!
Studiogast
© HRWProf. Dr. Wolfgang Irrek
Der Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Irrek lehrt als Professor für Energiemanagement und Energiedienstleistungen an der Hochschule Ruhr West in Bottrop. Dort leitet er das Institut Energiesysteme und Energiewirtschaft. Zuvor forschte er am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.
Ausschreibungen
Auch Deutschland hat 2017 mit dem Ausschreibungsverfahren begonnen. Es kommt zum Beispiel bei Photovoltaik-Anlagen ab einer Größe von 0,75 Megawatt zur Anwendung. Für Wind (Onshore und Offshore) gibt es entsprechende Regelungen. Das Bundeswirtschaftsministerium fasst die bisherigen Ergebnisse auf einer eigens eingerichteten Seite zusammen.
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Globale Energiewende
Eine viel beachtete Studie zur Entwicklung der weltweiten Stromerzeugung kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: Sonne sticht, Kohle wird begraben - und alles geht viel schneller als gedacht. Leider nicht schnell genug.
(makro, 22.06.2017)
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Stromerzeugung in Deutschland
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Wirtschaftswachstum versus Klima
Die Fixierung auf permanentes Wachstum sei schuld, dass wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern. Das sagen die Vertreter der "Postwachstumsökonomie". Und sie suchen nach Alternativen.
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Stromkonzerne in Not
Deutschlands Stromkonzerne haben schon bessere Zeiten erlebt. Sie stecken tief in den Miesen und haben auf der Ausgabenseite einen großen Posten stehen: den Atomausstieg.
(makro, 20.05.2016)
Schwerpunkt
Umwelt - Nachhaltigkeit - Greentech