Licht am Ende des griechischen Tunnels? Zweifelhaft. © ap
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Licht am Ende des griechischen Tunnels? Zweifelhaft.
Griechenland
Comeback oder Dauerkrise?
Im Juli muss Griechenland Schulden in Milliardenhöhe zurückzahlen. Wie üblich ist es ein Gezerre mit den Geldgebern. Und am Horizont dräut bereits das Jahr 2018. Dann läuft das Hilfspaket aus.
Gibt es kein frisches Geld, es geht immerhin um rund 7 Milliarden Euro, steht Griechenland erneut vor dem Bankrott. Bislang hat die griechische Regierung aber nur einen Teil der vereinbarten Reformen umgesetzt. Zwar haben sich die Geldgeber ("Institutionen") mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras vorläufig geeinigt. Dieser Einigung müssen aber die Euro-Finanzminister und auch das Parlament in Athen noch zustimmen. Es wird also wieder eng.

Noch immer hinterzieht jeder zweite Haushalt und jedes zweite Unternehmen Steuern. Hinzu kommt, dass die griechische Wirtschaft weiter lahmt. Ende 2016 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 1,2%. Deutlich stärker als angenommen. Grund dafür waren geringere Staatsausgaben und sinkende Exporte. Die Arbeitslosigkeit ist, obwohl fallend, immer noch doppelt so hoch wie in der restlichen Eurozone.

Der kürzlich während der Verhandlungen mit den Geldgebern von der Regierung in Athen veröffentlichte Primärüberschuss für 2016 - das ist der Haushaltsüberschuss ohne Zinszahlungen - fiel mit dreieinhalb Prozent der Wirtschaftsleistung überraschend positiv aus. Der IWF ist skeptisch ob der Zahlen und spricht von Einmaleffekten. Die EU-Kommission immerhin glaubt an ein Comeback der griechischen Wirtschaft in diesem Jahr.

Bei den Griechen selbst geht die Angst um. Seit Jahresbeginn haben sie rund 3 Milliarden Euro von ihren Bankkonten abgehoben. Immer mehr Griechen schlagen ihr Erbe aus, weil sie die damit verbundenen Kosten nicht tragen können. Das lässt auch wieder die Debatte, um einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone aufflammen. Insbesondere mit Blick auf das Jahr 2018, wenn das dritte Hilfsprogramm ausläuft.

Die gute Nachricht: Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Und gemessen an der Kaufkraft steigen die Löhne leicht an.

<b>Wirtschaftsleistung pro Kopf</b><br /> Das BIP pro Kopf wird hier von Euro in Kaufkraftstandards (KKS) umgerechnet - somit werden die verschiedenen Länder trotz Unterschieden in Preisniveau bzw. Kaufkraft vergleichbar. <br /><br /> Der Einbruch in Griechenland ist der heftigste von allen (-22%). In Euro, also ohne Kaufkraftanpassung, ist der Einbruch noch stärker (-25%). Die einst kreditfinanziert völlig überblähte griechische Wirtschaft (Löhne, Preise, Renten, Lebensstandard) schrumpft auf ihr reales Maß zusammen. In den letzten Jahren ist das BIP kaum noch gefallen, die Kosten aber schon, weshalb das kaufkraftbereinigte BIP seit 2012 langsam wieder anzieht. <br /><br /> In Spanien waren die Fehlentwicklungen nicht annähernd so dramatisch und es ist beherzter reformiert worden, weshalb die Wirtschaft heute wieder das Vorkrisenniveau erreicht habt. Wirtschaftsleistung pro Kopf (mehr...)
<b>Arbeitslosigkeit</b><br /> Die Arbeitslosigkiet in Griechenland und Spanien ist mit der Finanz- uns Eurokrise stark angestiegen und erreichte 2013 ihren Höhepunkt (Spanien: 26,3%, Griechenland: 27,9%), seit 2013 sinkt sie. In Spanien lag sie zuletzt bei 18,2%, in Griechenland bei 23,4%. <br /><br /> Dramatisch ist die Lage bei den unter 25jährigen. Selbst in der Boomphase der Nullerjahre lag sie erschreckend hoch. Hier zeigen sich zwei Großbaustellen: Das Bildungssystem beider Länder ist zu wenig auf das praktische Berufsleben ausgerichtet und die Arbeitsgesetzgebung schottet den Arbeitsmarkt gegen junge Menschen ab. Arbeitslosigkeit
<b>Rentenausgaben</b><br /> Gemessen an der Wirtschaftsleistung gibt Griechenland in Europa am meisten für Rentenzahlungen aus. Auch in anderen reformaversen Ländern wie Italien und Frankreich sind Rentenausgaben sehr hoch. Es ist kein Zufall, dass just in diesen Ländern die Perspektive für junge Menschen ziemlich schlecht ist, auch Frankreich z.B. hat eine Jugendarbeitslosigkeit von 25%. Je höher die Rentenausgaben, desto weniger bleibt für Investitionen in die Zukunft. <br /><br /> In Griechenland sind die Rentenausgaben gemessen am BIP - trotz zahlreicher Rentenkürzungen - natürlich auch deshalb so hoch, weil die Wirtschaftsleistung selbst dramatisch eingebrochen ist. Rentenausgaben
<b>Hauptgläubiger</b><br /> Die Gesamtverschuldung des griechischen Staates summiert sich auf 317 Mrd. Euro. Da sind 178% der Wirtschaftsleistung. Für den größten Teil haftet der europäische Steuerzahler. Hauptgläubiger

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Freitag, 12. Mai 2017, 21.00 Uhr
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Matthias Fifka ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg. Zu den Schwerpunkten seiner wissenschaftlichen Arbeit zählen internationale Wirtschaftsbeziehungen.
Schwerpunkt
Die Akte Griechenland
Seit 2010 beschäftigt sich makro immer wieder mit den Hellenen und ihrer nicht enden wollenden Schuldenkrise.