Mexikos Flagge auf bröckelnder Fassade. Nach jahrelangem Aufschwung droht Ungemach vom großen Nachbarn im Norden. © colourbox
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Mexikos Flagge auf bröckelnder Fassade. Nach jahrelangem Aufschwung droht Ungemach vom großen Nachbarn im Norden.
Mexikos Misere
Ein Land im Trump-Schock
Nach dem Wahlsieg von Donald Trump fürchtet Mexiko den ökonomischen und sozialen Kollaps. Der neue US-Präsident hat eine Zeitenwende im Umgang mit dem Nachbarland angekündigt.
Migranten abschieben, Strafzölle auf mexikanische Produkte und eine Mauer entlang der Grenze. Das sind Trumps Pläne. Sie könnten die mexikanische Wirtschaft bis ins Mark treffen, denn die USA sind der wichtigste Handelspartner des Landes.

Vor allem viele Exportgeschäfte würden massiv darunter leiden. Allen voran die Autoindustrie. Gerade im Norden Mexikos, wo viele ausländische Unternehmen das niedrige Lohnniveau in Mexiko ausnutzen, ist eine Art verlängerte Werkbank der US-Industrie entstanden. Wenn Trump seine Drohungen wahr macht und Strafzölle erhebt auf Produkte, die in Mexiko hergestellt werden, hätte das verheerende Folgen. Fabriken müssten schließen, Lieferketten würden zerrissen.

Und nicht auszudenken wäre es für viele Mexikaner, wenn Trump wie angekündigt eine mehr als 3000 Kilometer lange Grenzmauer hochziehen würde. Sie soll der Abwehr illegaler Einwanderung dienen und verhindern, dass die mexikanischen Drogenkartelle Amerika weiterhin mit Rauschgift jeder Art überschwemmen. Eine Mauer, für die Mexiko zahlen soll. Hinzu kommt, dass die mexikanischen Einwanderer in den USA zu den wichtigsten Devisenbringern des Landes gehören. Genug Gründe für Mexikos Regierung sich gegen Trumps Pläne zu wehren.

<b>NAFTA</b><br />Seit dem Inkrafttreten der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta 1993 hat sich das US-amerikanisch-mexikanische Handelsvolumen etwa verfünffacht. Dabei wird in Mexiko längst nicht mehr nur billig produziert und in die USA exportiert. Es sind umfassend integrierte Produktions-, Handels- und Entwicklungs-Cluster beidseits der Grenze entstanden. NAFTA
Handelsvolumen etwa verfünffacht (mehr...)
<b>Handel</b><br />Im Jahr 2015 importierte Mexiko Güter im Wert von 395 Mrd. USD. Die Exporte betrugen  380 Mrd. USD, mithin ein Importüberschuss von 15 Mrd. USD. Augenfällig ist die extreme Abhängigkeit vom Handelspartner USA. Der steht für 47% aller mexikanischen Importe und 81% aller Exporte. <br /><br /> Der Exportüberschuss (Waren, keine Dienstleistungen) mit den USA betrug 122 Mrd. USD, ein großes Ärgernis für Donald Trump. Im Ranking der Importländer folgen den USA noch China und mit weitem Abstand eine Reihe von Hightech-Ländern. Dies lässt auf die Produkte schließen, die Mexiko nicht selbst herstellen kann. Exportiert wird nach den USA, NAFTA-Partner Kanada und Handelsriese China viel in den lateinamerikanischen Raum. Handel
Extreme Abhängigkeit von den USA (mehr...)
<b>Arbeitslosigkeit</b><br />Die Arbeitslosigkeit in Mexiko liegt deutlich unter dem Niveau der meisten Industrieländer. Dies mag auch daran liegen, dass in dem Schwellenland die Absicherung durch Sozialsysteme eher schwach ist und verdeckte Arbeitslosigkeit durch familiäre Strukturen aufgefangen wird. <br /><br /> Auffällig ist der massive Anstieg 1995. In der sogenannten "Tequila-Krise" brach der Peso um 80% ein und politisches Chaos aus. Daraufhin zogen ausländische Investoren massiv Kapital aus Mexiko ab, was das Land in eine Wirtschaftskrise stürzte. Der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit 2008 war Folge der globalen Finanzkrise, fiel aber moderater aus als in den USA. Arbeitslosigkeit
Niedrig aber stark schwankend (mehr...)

Interviews mit Wolfgang Muno

Live-Interview: "In Schockstarre"
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Lateinamerikaexperte Wolfgang Muno, gegenwärtig zu Forschungszwecken in Washington, erwartet, dass Präsident Trump seine Drohungen gegen Mexiko wahrmachen wird.
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Vorabinterview: Macht und Ohnmacht
Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto. Nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump ist guter Rat teuer. © reuters
Wie kein anderes Land spürt Mexiko die Folgen der Trump-Wahl. Im Interview mit makro-Moderatorin Eva Schmidt spricht der Lateinamerika-Kenner Wolfgang Muno über die humanitären und wirtschaftlichen Folgen.
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Highlights

Ciudad Juárez: Werkbank der USA
© Markus Böhnisch
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Ciudad Juarez direkt an der Grenze zur USA ist Frontstadt. Hier bekriegen sich Mexikos Kartelle. Hier produziert Mexikos Industrie für den US-Markt. Hier konzentriert sich der Zorn von Donald Trump. Markus Böhnisch war vor Ort.
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Am kürzeren Hebel: Mexikos extreme Abhängigkeit
Am kürzeren Hebel: Mexikos extreme Abhängigkeit von den USA © reuters
Die Abhängigkeit der mexikanischen Wirtschaft vom amerikanischen Nachbarn wird unter Trump zu einem immer größeren Risiko. Mexiko sucht vorsichtshalber schon mal nach Alternativen - und neuen Verbündeten.
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Autoindustrie

El Dorado auf Abruf
© reuters
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Die Automobilindustrie ist einer der wichtigsten Exportzweige Mexikos. Donald Trump versucht nun, mittels Importzöllen und Steuern Arbeitsplätze in die USA zurückzuholen. Dies hätte für Mexiko drastische Folgen.
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"Eine gewaltige Veränderung"
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Gebannt blickt Mexikos Autoindustrie auf die von Washington angedrohten Importzölle. Doch wie darauf reagieren? Autoanalyst Jürgen Pieper vermutet, dass die Firmen die Strafmaßnahmen aussitzen.
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Weitere Beiträge aus der Sendung

makroskop Mexiko
© colourbox
Seit 1994 sind Mexiko und die USA Partner im nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA. Trotz enorm gestiegener Handelsvolumina leben immer noch viele Mexikaner in Armut.

NAFTA: Zweischneidiges Schwert
© volkswagen
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Das Freihandelsabkommen NAFTA hat Mexikos Wirtschaft einen Modernisierungsschub gegeben. Doch während eine global wettbewerbsfähige Industrie entsteht, werden Teile der Landwirtschaft von US-Agrarmultis plattgemacht.
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Mexiko: "Rübermachen" solange es geht
© reuters
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Jährlich überqueren 400.000 Lateinamerikaner illegal die Grenze zur USA. Elf Millionen, so schätzt man, haben es geschafft. Doch die Abschiebungen nehmen zu, schon unter Obama. Unter Trump erst recht.
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Sendedaten
makro
Mexikos Misere
Freitag, 17. März 2017, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Mediathek
© reuters[>> Alle Videos auf einen Blick]
Studiogast
PD Dr. Wolfgang Muno
Wolfgang Muno ist Vertretungsprofessor für Internationale Politik und Vergleich Politischer Systeme an der Uni Landau. Sein Schwerpunkt ist die Erforschung von Entwicklung und Unterentwicklung. Hauptsächlich beschäftigt sich Wolfgang Muno dabei mit Ländern Lateinamerikas. Derzeit ist er als Research Fellow an der Johns Hopkins University in Washington DC.
Daten zu Mexiko
Die Industrieländer-Organisation OECD hat einen sehr umfangreichen Datensatz wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Kennzahlen Mexikos grafisch aufbereitet.
Mexikanischer Peso
© xe.comLupeSeit 2013 hat sich der mexikanische Peso (MXN) in einem kontinuierlichen Wertverlust fast halbiert. Allerdings reflektiert diese Entwicklung auch die generelle Stärke des US-Dollar in dieser Zeit. Die Wahl Donald Trumps hat dem Verlust des Peso mit einem veritablen Absturz über Nacht weitere Dynamik verliehen.

Seit der Amtseinführung des US-Präsidenten jedoch zeichnet sich an den Devisenmärkten eine Erholung ab. Heute notiert der Peso fast wieder dort, wo er vor dem Wahltag stand. Betrachtet man die Währung als die Aktie eines Landes, könnte man dies als Erwartung interpretieren, dass Trump seine Drohungen nicht wahr macht oder Mexiko sich als ökonomisch resilienter erweist als angenommen.
Archiv
Was will Trump?
"America first" heißt Donald Trumps Devise. Doch wohin der neue US-Präsident die amerikanische Wirtschaft tatsächlich steuert, wird erst mit dem Amtsantritt klar. Wenn überhaupt.
(makro, 20.01.2017)
Schwerpunkt
Lateinamerika