In den Bankentürmen Frankfurts herrscht Unruhe. Und nicht nur dort. © dpa
Sendung ansehenSendung ansehen
In den Bankentürmen Frankfurts herrscht Unruhe. Und nicht nur dort.
Banken in der Krise
Wie steht es um Europas Geldhäuser?
Europas Banken stehen unter Druck: Faule Kredite, hohe Kosten und geringe Profite quälen die Geldinstitute, zukunftsfähige Geschäftsmodelle fehlen. Wiederholt sich die Bankenkrise von 2008 in Zeitlupe?
Die Deutsche Bank konnte für das dritte Quartal 2016 mit einem kleinen Gewinn überraschen, bleibt aber weiter auf der Intensivstation. Nach Ansicht unseres makro-Studiogastes Dieter Hein (siehe Vorabinterview unten) ist sie mit dem Festhalten am Investmentbanking grundsätzlich auf dem falschen Weg. Sie wurde vom IWF sogar zur gefährlichsten Bank der Welt gekürt. Bei italienischen Banken sieht es besonders finster aus. Eine Bank musste schon durch einen Privatfonds gerettet werden. Weitere ächzen unter einem Berg fauler Kredite.

Europaweit gibt es zu viele Banken mit zu viel Personal (siehe Interview mit Georg von Wallwitz: "Es gibt viel zu viele Banken"). Unter ihnen Kolosse, die in fetten Zeiten entstanden sind und sich nun herunterhungern müssen. Das ist nicht einfach: Die Nullzinspolitik der EZB macht den Geldhäusern einst lukrative Geschäftsfelder kaputt, festverzinsliche Anleihen und Derivatehandel werfen kaum noch etwas ab. Fintechs, Internet-Banken, werben mit immer breiter gefächerten Produkten und Dienstleistungen den traditionellen Instituten die Kunden ab. Die suchen verzweifelt nach neuen Geschäftsmodellen und belasten immer stärker ihre Kunden mit Zusatzgebühren.

Hinzu kommt ein immer aufwendigeres Regularienwerk, das nach 2008 entstand und einen neuen Banken-Crash verhindern helfen soll. Doch tut es das? Die Sorgen vor der nächsten Bankenkrise in Deutschland und Europa wachsen. Droht uns eine Neuauflage der Finanzkrise 2008? Muss der Steuerzahler wieder für milliardenschwere staatliche Rettungsmanöver gerade stehen?

Die Deutsche Bank hat seit 1990 ein immer größeres Rad gedreht. Dies spiegelt sich in der Bilanzsumme wider. Das ist die Summe aller Vermögenswerte. Sie hat sich in den letzten 25 Jahren grob verzehnfacht und lag zwischenzeitlich bei über 2 Billionen Euro. Dies vergleicht sich zum Beispiel mit der gesamten Wirtschaftsleistung (BIP) der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2015 von gut 3 Billionen Euro. <br /><br /> Den Wert des Unternehmens hat die Bank nicht steigern können. Im Gegenteil: Die Aktie steht heute niedriger als vor 25 Jahren. Das hat vor allem drei Gründe: Erstens haben die Investmentbanker über Boni Milliarden aus der Bank abgezogen. Zweitens ist die Deutsche Bank mit einer selbst im Branchenvergleich schwachen Eigenkapitalausstattung, also einem hohen Risiko, unterwegs. Und drittens haben die Anleger das Vertrauen in die Geschäftspolitik der Bank verloren. Vermögensvernichtung: Die Deutsche Bank hat seit 1990 ein immer größeres Rad gedreht. Dies spiegelt sich in der Bilanzsumme wider, die sich grob verzehnfacht hat. Einen Mehrwert hat die Bank damit nicht geschaffen: Der Aktienkurs ist stark gefallen.
Amerikanische Banken wurden von US-Regierung und Notenbank in der Finanzkrise gezwungen, sich zu rekapitalisieren, um handlungsfähig zu bleiben. Das gab eine Menge Ärger, erwies sich aber im Nachhinein als völlig richtig. Amerikas Banken sind heute wieder handlungsfähig. <br /><br /> In Europa sieht es anders aus. Ernsthafte Stresstests hat es jahrelang nicht gegeben. Protegiert von nationalen Regierungen haben die Banken sich einfach durchgewurschtelt. Noch heute sitzen sie auf faulen Krediten in Milliardenhöhe und haben zu wenig Eigenkapital. Die neu etablierte europäische Bankenaufsicht durch die EZB greift nur langsam. Daher können auch 8 Jahre nach der Finanzkrise Europas Geldhäuser ihre wichtige volkswirtschaftliche Funktion nicht erfüllen. Europas Krankheit: Während sich amerikanische Banken durch Zwangskapitalisierung in den vergangenen 5 Jahren von der Finanzkrise erholen konnten, kränkeln Europas Geldhäuser wohlbehütet vor sich hin. Und mit ihnen die Wirtschaft.

Interviews

Live-Interview: "Individuelle Managementfehler"
VideoVideo
Zu Gast bei makro ist der Bankanalyst Dieter Hein. Er sagt, Deutsche Bank und Commerzbank seien an ihrer desolaten Lage im Großen und Ganzen selbst schuld.
Interview ansehen

Vorabinterview zur Deutschen Bank: "Wirklich unglaublich"
"Die Lage der Deutschen Bank ist sehr ernst", sagt Bankanalyst Dieter Hein. © dpa
Es ist ein Niedergang mit Ansage: Die Investmentbanker "werden dafür bezahlt, dass sie die Deutsche Bank ruinieren", sagt der Bankanalyst Dieter Hein im Vorabinterview mit makro.
Interview lesen

Wallwitz: "Es gibt viel zu viele Banken"
VideoVideo
Nicht nur die Deutsche Bank hat zu kämpfen, fast alle europäischen Banken stehen mit dem Rücken zur Wand. Warum das so ist? Der Vermögensverwalter Georg von Wallwitz nennt im Interview mit makro einen ganz einfachen Grund.
Interview ansehen

Berichte aus der Sendung

makroskop Banken
© ap
VideoVideo
Düster blickt der Internationale Währungsfonds auf die Zukunft der europäischen Banken: 30% der Finanzinstitute werden nicht überleben: zu viele Banken und zu viele faule Kredite.
Bericht ansehen

Banken: Katerstimmung
© dpa
VideoVideo
Der Rausch ist vorbei und das Banker-Dasein heute eine ziemlich nüchterne Angelegenheit. Überall lauert die Regulierung und die meisten sind schon froh, wenn sie ihren Job behalten.
Bericht ansehen

Deutsche Bank: Tiefer Fall
© ap
VideoVideo
Die Deutsche Bank war einst der Stolz der deutschen Wirtschaft. Heute ist sie nur noch ein Schatten ihrer Selbst, ausgesaugt von den eigenen Leuten. John Cryan, der Chef, steht vor einem Scherbenhaufen.
Bericht ansehen

London: City in der Sinnkrise
© dpa
VideoVideo
Für London, den wichtigsten Finanzplatz der Welt, läuft es gerade echt mies: Europas Banken unter künstlicher Beatmung, Investmentbanking unter Beschuss - und der Brexit gibt der City den Rest.
Bericht ansehen

Bankenaufsicht

Bringt's was? - Ein Jahr Bankenaufsicht durch die EZB
© dpa
Seit November 2014 ist die EZB als europäische Bankenaufsicht in Aktion. Sie soll den europäischen Finanzsektor unter Kontrolle bringen. Es scheint zu funktionieren. Was nicht allen gefällt.
Artikel lesen


Sendedaten
makro
Banken in der Krise
Freitag, 28. Oktober 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Mediathek
© dpa[>> Alle Videos auf einen Blick]
Banken: Reden Sie mit!
© dpaDen Banken geht es schlecht, besonders in Europa. Zu Gast bei makro ist der Bankanalyst Dieter Hein. Er sagt, die Banken seien an ihren Problemen im Wesentlichen selbst schuld. Diskutieren Sie mit!
Studiogast
© fairesearchDieter Hein
Dieter Hein gilt als einer der renommiertesten unabhängigen Bankenanalysten in Deutschland. Er analysiert seit 25 Jahren deutsche Banken u. a. für die Commerzbank und Credit Lyonnais. Anfang 2003 gründete er zusammen mit vier weiteren Aktienanalysten das unabhängige Research-Unternehmen "fairesearch".
mehr zum Thema
Archiv
Banken ohne Regeln?
Seit der Finanzkrise gibt es jede Menge neuer Regulierung, um den Banken das Zocken zu verleiden. Einerseits. Andererseits drängt sich der Verdacht auf, dass sich das Geschäftsmodell des too big to fail fest etabliert hat.
(makro, 28.02.2014)
Schwerpunkt
Banken