Sendung ansehen: Die Nullzinsfalle © 123rf
VideoVideo
[>> Sendung ansehen: Die Nullzinsfalle]
Die Nullzinsfalle
Wie kommen wir da wieder raus?
Die Sparer in Europa leben seit Jahren mit einem Mini-Zins und zukünftig ganz ohne. Denn erstmals überhaupt hat die EZB in Frankfurt den Leitzins auf null gesenkt.
Seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman im Jahr 2008 haben die Notenbanken der führenden Industrienationen in einer Tour die Zinsen gesenkt und Geld über Geld gedruckt. Davon kauften die Notenbanker vor allem Staatsanleihen im Wert von fünf Billionen US-Dollar.

Staatspleiten und der Zusammenbruch des Finanzsystems wurden zwar abgewendet. Aber die internationale Schuldenkrise bremst immer mehr das globale Wachstum. Der Plan von EZB-Präsident Mario Draghi und seinen Zentralbankkollegen in Washington, Tokio und London, mit billigem Geld die Konjunktur anzukurbeln, scheint fehlzuschlagen.

Immerhin: Die Zinslast sinkt. Obwohl die Staatsverschuldung weltweit seit 2000 von 23 Billionen US-Dollar auf heute 58 Billionen USD gestiegen ist, ist der jährliche Zinsdienst im gleichen Zeitraum von 800 Mrd. USD auf heute 240 Mrd. USD gefallen.

Durch die Nullzinspolitik der EZB können auch hochverschuldete EU-Staaten Milliarden an Zinsen einsparen. Nach einer Bankenstudie profieren bis 2022 Spanien mit geschätzten 300 Milliarden und Italien mit 670 Milliarden Euro am meisten. Deutschland musste 2008 für Bundesschulden von 950 Mrd. Euro noch 40 Mrd. Euro Zinsen zahlen. 2016 werden es für knapp 1100 Mrd. Schulden nur 21 Mrd. Euro Zinsen sein.

Die Quittung erhalten die Sparer, die am Ende die Zeche zahlen. Allein deutsche Sparer verloren im vergangenen Jahr mehr als 70 Milliarden Euro an Zinserträgen. Und bei Lebensversicherungen, Betriebsrenten und privater Altersvorsorge ist in Zukunft mit bösen Überraschungen zu rechen.

Interviews mit Jürgen Stark

Live-Interview: "Draghi ist zu aktionistisch"
VideoVideo
Zu Gast bei makro ist der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, der 2012 aus Protest zurücktrat. Er fürchtet, dass die lockere Geldpolitik zur neuen Normalität werden könnte.
Interview ansehen

Vorabinterview: "Grenzen der Geldpolitik"
Der Euro hat schon bessere Zeiten erlebt. In Nordeuropa ist man über die neue EZB-Politik empört, im Süden erleichtert. © reuters
Jürgen Stark sagt im Vorabinterview mit makro-Moderatorin Eva Schmidt, eine abrupte Umkehr der EZB-Politik sei überhaupt nicht mehr möglich.
Interview lesen

Highlights

Economy 0.0
Economy 0.0: Die verschlungenen Pfade der Nullzinswelt © reuters
Notenbanken fluten die Welt mit einem geldpolitischen Breitbandantibiotikum. Es verändert die Regeln der Ökonomie und die Anreizsysteme für alle Beteiligten - Privatleute, Firmen, Staaten. Mit überraschenden Effekten.
Interview lesen

makroskop Nullzinspolitik
© reuters
VideoVideo
Private Haushalte, Unternehmen oder Regierungen. Europa, Asien oder Amerika. Die Welt versinkt in Schulden. Niedrige Zinsen sind ihr Nährboden und gelten jetzt als Medizin.
Bericht ansehen

Japan: Geholfen hat alles nichts
10.000-Yen-Note. Japans Geldpolitik dreht durch - und kommt doch nicht vom Fleck. © reuters
Japan kann Krise. Was Japan nicht kann, ist Krise beenden. Stagnation seit 25 Jahren. Dafür ist Nippon heute das größte wirtschaftspolitische Freilichtmuseum unserer Zeit. Warum das für Europa wichtig ist.
Artikel lesen

EZB

Abgewatscht: "Geldpolitik der EZB ist am Ende"
Trotz aller Kritik: EZB-Chef Mario Draghi setzt den Kurs der Nullzinspolitik fort. © reuters
Mario Draghi manövriert die EZB mit seiner Nullzinspolitik zusehends in die Sackgasse. Ein Weltmarktführer bekommt dies besonders zu spüren. Sein Chef redet nun Klartext. Und setzt auf mittelalterliche Methoden.
Artikel lesen

Mit allen Mitteln
© reuters
VideoVideo
Der Leitzins ist bei null, der Einlagenzins negativ, Anleiherenditen im Minus. Weil die Politik sich mit Blick auf den Wähler vor Strukturreformen drückt, zieht Mario Draghis EZB in die Schlacht.
Bericht ansehen

Berichte aus der Sendung

Italien: Reform in Zeitlupe
© reuters
VideoVideo
Die EZB verschafft den Krisenländern Zeit - die diese leider viel zu wenig nutzen. Denn die EZB zieht den Finanzmärkten als einzig echtem Sanktionsinstrument für die Politik den Zahn. Ortsbesuch in Italien.
Bericht ansehen

Strafzinsvereitelung
© photocase
VideoVideo
Unternehmen müssen jetzt Strafzins zahlen, was sie zu kreativen Vermeidungsstrategien animiert. Viele reden nicht gerne drüber. Doch wie wehrt sich ein Riesentanker wie die Allianz mit 15 Mrd. Euro Cash? Mit Windmühlen!
Bericht ansehen

Geldanlage

Renten: Was nun, Herr Draghi?
© colourbox.de
VideoVideo
Weil die Altersvorsorge der meisten Menschen auf Zinsanlagen basiert, werden viele im Ruhestand weniger haben. Die Nullzinswelt bietet nur zwei Optionen: Mehr Risiko oder weniger Rente.
Bericht ansehen

Interview: Sparer auf Sparflamme
Sparer auf Sparflamme: EZB hält Europa zusammen - und den Sparer klein © ap
"Die Erbengeneration schaut in die Röhre", sagt Vermögensverwalter Georg von Wallwitz zur EZB-Politik. Das sei aber gar nicht so schlimm. Warum verrät er makro-Moderatorin Eva Schmidt im Vorabinterview.
Interview lesen

Robert Halver zu Anleihen: "Mutter aller Blasen"
VideoVideo
Die größte Anlageblase aller Zeiten, sagt Robert Halver von der Baader Bank, gibt es bei Anleihen. Wie kommen wir da heile wieder raus? Gar nicht. Die Zinsen dürfen praktisch nie wieder steigen.
Interview ansehen

Sendedaten
makro
Die Nullzinsfalle
Freitag, 6. Mai 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Nullzins: Reden Sie mit!
Ist die Deflationsgefahr real? Kriegen wir die Schulden jemals in den Griff? Ist der monetäre Ausnahmezustand gerechtfertigt und gibt es eine Exit-Strategie? Diskutieren Sie mit!
Studiogast
Dr. Jürgen Stark
Der Ökonom Jürgen Stark war 5 Jahre lang EZB-Chefvolkswirt. 2011 kündigte er aus Protest gegen die Aufkäufe von Staatsanleihen seinen Rücktritt an. Zuvor war Jürgen Stark Vizepräsident der Bundesbank. Vor allem in seiner Zeit als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium in den Jahren 1995 bis 1998 war er maßgeblich an der Einführung des Euro beteiligt. Jürgen Stark gilt als scharfer Kritiker der lockeren Geldpolitik.
Geldmenge
Alle großen Notenbanken begegnen der lahmenden Wirtschaft mit einer nie dagewesenen Geldflut. Die addierte Liquiditätsausstattung (Bilanzsumme) der US-Notenbank Federal Reserve, der Bank of Japan und der EZB hat sich zwischen 2003 und 2016 verviereinhalbfacht. Dem steht nur eine geringfügig höhere Wirtschaftsleistung gegenüber. Da das Geld nur zu einem relativ geringen Teil in der Realwirtschaft ankommt, schwappen jetzt 8 Billionen frische Dollar um den Globus. Diese pumpen Anlageblasen auf - Anleihen, Aktien, Immobilien - und sorgen für schwer kalkulierbare Instabilitäten des Finanzsystems.
Anleiherenditen
Der Bloomberg Global Developed Sovereign Bond Index umfasst Anleihen von Staaten der entwickelten Welt. Ein Volumen von 7,8 Billionen Dollar hat heute eine negative Rendite. Nur Bonds im Volumen von knapp 3 Billionen Dollar - dies sind Anleihen von weniger soliden Ländern und Anleihen mit sehr langen Laufzeiten - bringen noch mehr als 2%.

Ein Teil der Anleger setzt auf Sicherheit und nimmt Negativrenditen inkauf, ein anderer Teil geht auf der Jagd nach Rendite ein viel höheres Risiko ein, als die magere Verzinsung suggeriert.
Ohne Bargeld in die Zukunft?
Bargeldlos zahlen - aber wie? Geht es etwa darum, Banken durch Technik von IT-Anbieter wie Google oder Apple zu ersetzen? Wer profitiert von den digitalen Zahlungsmitteln? Wird das mobile Payment das nächste Jahrzehnt bestimmen? Was wird aus den Banken?
Schwerpunkt
Finanzkrise
Links