Sturm und aufgeweichter Boden vereinen sich zu verheerender Wirkung. © dpa
Interview aus der SendungInterview aus der Sendung
Sturm und aufgeweichter Boden vereinen sich zu verheerender Wirkung.
Klimawandel konkret
Der Anpassungsdruck wächst
Schneemassen im Winter, Dürre im Sommer. Am Ende sind es aber vor allem die Städte, die unter dem Klimawandel leiden werden, erklärt der Geograph Heiko Path im Vorab-Interview mit makro-Moderatorin Eva Schmidt.
Das Wetter hätten wir im Griff, so die Annahme, die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft seien beherrschbar. Doch die jüngste Vergangenheit mit Stürmen, Hitze, Dürre und Starkregen haben die fortwährende Abhängigkeit von Wetterereignissen vor Augen geführt. Diese Wetterextreme, prognostizieren Klimaforscher, werden häufiger werden - auch in Deutschland. Wir sollten uns darauf vorbereiten, sagt Prof. Heiko Paeth. Und zwar in so unterschiedlichen Bereichen wie Landwirtschaft, Energiegewinnung und Stadtplanung.

makro: Immer häufiger ist heute von "Klimaanpassung" die Rede. Ist das eine andere Formulierung dafür, dass angesichts steigender CO2-Emissionen der "Klimaschutz" gescheitert ist?

Heiko Paeth: Beim Klimaschutz gibt es auf nationalstaatlicher und internationaler Ebene in der Tat noch viel Luft nach oben, genauer gesagt zu viel Luft. Deshalb ist der Klimawandel über das 21. Jahrhundert auch nicht mehr gänzlich abzuwenden. Eine rechtzeitige Klimaanpassung sollte uns ermöglichen, die Folgen des Klimawandels für Wirtschaft, Politik, Gesundheit, Ernährungssicherheit in gewissem Umfang abzumildern.

makro: Sie untersuchen die Auswirkungen des Klimawandels u.a. auf Energiekonzerne. Wie ist Ihr Erkenntnisstand?

Heiko Paeth: Der Klimawandel bedeutet auch für die Energiekonzerne einige Risiken - abgesehen davon, dass die natürlich für den Klimawandel mitverantwortlich sind. Ein wichtiger Aspekt betrifft die Kühlleistung von Großkraftwerken, die durch Flusswasser oder Kühltürme bewerkstelligt wird. Bei höheren Temperaturen und wohl auch höherer Luftfeuchte geht diese Kühlleistung in zukünftigen Sommern herunter - so, wie auch wir an heißen und schwülen Sommertagen ins Schwitzen kommen.


makro: Was bedeutet das für die Energiesicherheit?

Heiko Paeth: In trockenen Sommern wie 2003 und 2018 wurde bereits die Leistung von Großkraftwerken aufgrund niedriger Flusspegelstände in weiten Landesteilen reduziert. Der Verbraucher merkt davon in der Regel wenig, da wir inzwischen einen breiten Energiemix in Deutschland haben. Insofern ist dies ein weiteres Argument für die Umstellung unserer Energiegewinnung auf kleinere dezentrale Produktionseinheiten und vor allem regenerative Energiequellen. Insbesondere die Solarenergie hat ja in sommerlichen Trockenphasen ein unermessliches Potenzial.

makro: 2017 war zu feucht, 2018 zu trocken: Die Landwirtschaft spürt den Klimawandel sehr unmittelbar. Was müssen die Betriebe Ihrer Einschätzung nach unternehmen, um mit den Folgen des Klimawandels besser umzugehen?

Heiko Paeth: Die Folgen des Klimawandels für die Land- und Forstwirtschaft sind vielfältig. Sie reichen von der Spätfrostgefahr und Winterstürmen über sommerliche Hitzewellen, Sonnenbrand, Starkregen und Hagel bis zu neuen Schädlingen und Pflanzenkrankheiten. Genauso vielfältig sind also auch die erforderlichen Anpassungsmaßnahmen.

Dazu zählt beispielsweise der Anbau trocken- und pilzresistenter Sorten. Wichtig ist zudem, landwirtschaftliche Flächen zu finden, die weniger stark den Witterungen ausgeliefert sind. Und natürlich brauchen wir auch einen nachhaltig angelegten Waldumbau, das heißt weg von der Monokultur der Fichtenwälder, um nur einige Beispiele zu nennen.

makro: Im Sommer ächzen insbesondere die Städte unter der Hitze. Gleichzeitig verschwinden viele Grünflächen aus den Zentren. Nehmen die Städte den Klimawandel ausreichend ernst?

Heiko Paeth: Die heißen und trockenen Sommer der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass der Klimawandel auch in den Städten endlich stärker wahrgenommen wird. Denn in unseren Städten potenziert sich das Problem zukünftiger Hitzebelastung.

Grünflächen mit tief wurzelndem Baumbestand und offene Gewässer kühlen die Städte zwar ab. Häufig stehen sie jedoch dem Zuzug in die großen Städte im Wege, Grünflächen fallen der Nachverdichtung zum Opfer. Es lässt sich aber feststellen, dass immer mehr Städte erkannt haben, wie wichtig Klimafragen in der Stadtentwicklung und Bauleitplanung sind. Die konkrete Umsetzung steckt aber in vielen Städten noch in den Kinderschuhen.

Sendedaten
makro
Wetter
Freitag, 8. Februar 2019, 21.00 Uhr
Wiederholung: Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Wetter-Sendung
Wetter macht Wirtschaft
Nach dem Jahrhundertsommer 2018 fielen die Flusspegel und die Heizölpreise stiegen, weil die Tankschiffe weit weniger transportieren konnten. Klar ist: Auch heute noch beeinflusst das Wetter unser Wirtschaftsleben.
Infografik
LupeSchaden durch Naturkatastrophen
Hochwasser, Sturm und Hagel bilden das Trio infernale der Naturkatastrophen in Deutschland. Gemessen am verursachten Versicherungsschaden führen das Hochwasser von 2002 und der Jahrhundertsturm Kyrill das Ranking an.
Archiv
Prima Klima?
Maximal 1,5 Grad. Keine Kompromisse: Im Kampf gegen die Klimaerwärmung fordert der Weltklimarat drastische Maßnahmen. Aber wie lassen sich Wirtschaft und Umweltschutz unter einen Hut bringen?
(makro, 30.11.2018)
Schwerpunkt
Umwelt - Nachhaltigkeit - Greentech
Schwerpunkt
Agrar & Ernährung