US-Präsident Donald Trump auf dem (Handels-)Kriegspfad: Hauptgegner ist China. © ap
Interview aus der SendungInterview aus der Sendung
US-Präsident Donald Trump auf dem (Handels-)Kriegspfad: Hauptgegner ist China.
Mit allen Mitteln
Trumps Handelsstrategie
Donald Trump sagt, ein Handelskrieg sei leicht zu gewinnen. Da könnte er sich irren. Vielleicht will er ihn aber gar nicht. Das bleibt unklar. Gleichwohl schafft er Fakten. Darüber sprach das Wirtschaftsmagazin makro mit Prof. Christoph Scherrer.
Donald Trumps Flirt mit einem Handelskrieg, sein Poltern gegen China und den Rest der Welt, sein Drohen mit Strafzöllen wirken zutiefst irrational. Der Volkswirt Christoph Scherrer, der sich intensiv mit der amerikanischen Außenwirtschaftspolitik beschäftigt hat, erkennt dahinter sehr wohl eine Strategie. Letztlich gehe es darum, Liberalisierungen zu erzwingen und amerikanischen Konzernen den Marktzugang in anderen Ländern freizuräumen.

makro: In einem Arbeitspapier schreiben Sie, Donald Trump sei gar kein Protektionist, in Wirklichkeit sei er auf Öffnung aus. Das müssen Sie uns erklären!

Christoph Scherrer: Trump steht für America First, sprich die "USA zuerst". Er und seine handelspolitischen Berater glauben, dass die Androhung von Protektionismus die Handelspartner eher zur Öffnung ihrer Märkte bewegen wird.

Der Forderungskatalog, den die Handelspartner vorgelegt bekommen, enthält vornehmlich die Aufforderung, den Schutz geistigen Eigentums zu stärken, den freien Datenverkehr zu erlauben und staatliche Subventionen für Industrien zu begrenzen. Am Schutz des geistigen Eigentums ist vor allem die US Pharmaindustrie interessiert, am freien Datenverkehr die IT-Branche und an der Begrenzung staatlicher Subventionen alle Unternehmen, die in Konkurrenz insbesondere zu chinesischen Staatskonzernen stehen. Das große Handelsdefizit der USA verleiht dabei den Forderungen Nachdruck, da die Handelspartner vom Export stärker abhängig sind als die USA.

Im Übrigen ist Trump selbst international geschäftlich unterwegs. Sein größter Kreditgeber ist die Deutsche Bank, seine Apartments verkaufte er an Ausländer mit dubiosen Geldquellen und seinen Namen lässt der in vielen Ländern für eine große Zahl an unterschiedlichsten Produkten als Markennamen schützen.


makro: Sie sehen die großen amerikanischen Internetkonzerne als Profiteure der Trumpschen Handelspolitik. Dabei stehen diese Donald Trump doch in herzlicher Abneigung gegenüber. Wie passt das zusammen?

Christoph Scherrer: Trumps Maßnahmen gegen Beschäftigte aus dem Ausland gefällt diesen Internetkonzerne nicht, doch dafür wurden sie mit gewaltigen Steuergeschenken beglückt und können nun, falls die Strategie von Trump aufgeht, auf besseren Marktzugang in anderen Ländern hoffen.

makro: Im Fadenkreuz der Trumpschen Strafzölle steht China mit seinen "unfairen" Handelspraktiken. Müssen wir dem amerikanischen Präsidenten nicht heimlich dankbar sein?

Christoph Scherrer: Falls es Trump mit seinen Strafzöllen gelingt, China zur weiteren Handelsliberalisierungen zu bewegen, werden sicherlich auch deutsche Konzerne davon profitieren. Ob "wir", sprich die Beschäftigten in unserem Land, daraus Vorteile ziehen können, ist nicht automatisch gegeben. Den besseren Zugang zu China können deutsche Konzerne, die international tätig sind, auch von anderen Standorten nutzen bzw. selbst in China noch stärker investieren.

makro: Peking holt zum Gegenschlag aus - mit Strafzöllen auf US-Produkte, z.B. Autos, die nach China exportiert werden. Paradoxerweise trifft dies vor allem Daimler und BMW. Nützen derlei Maßnahmen heute überhaupt irgendwem?

Christoph Scherrer: Es gibt Anzeichen dafür, dass die chinesische Regierung bereit ist, in einigen Bereichen nachzugeben. Gleichwohl kann es aber auch gut sein, dass die beleidigende Art und Weise, wie Trump mit China umgeht, dazu führt, dass China sich auf einen Handelskrieg einlässt. Wenngleich China stärker unter einem solchen Handelskrieg zu leiden hätte, kann die chinesische Regierung die Folgen eines Handelskrieges innenpolitisch besser verkraften als die Trump-Administration.

Es ist ja nicht so, dass chinesische Handelsvertreter den USA chinesische Produkte aufdrücken, sondern es sind gerade US-amerikanische Konzerne, wie beispielsweise der Einzelhandelsriese Walmart, die aktiv in China einkaufen. Diese Konzerne mobilisieren derzeit den amerikanischen Kongress gegen die Handelspolitik von Trump. Dabei erhalten sie Unterstützung von den Bauernverbänden.

Strategisch klüger für die Interessen der US Konzerne war sicherlich die Strategie von Obama, vorteilhafte Regeln mit den pazifischen Anrainerstaaten auszuhandeln, und diese dann China zu präsentieren. Um Zugang zu dieser großen pazifischen Freihandelszone zu gelangen, hätte China wohl auch ohne Handelskrieg Zugeständnisse gemacht. Allerdings war diese sogenannte Transpazifische Partnerschaft (TPP) im Wahlkampf von 2016 höchst unpopulär.

makro: Was glauben Sie: Wird Trump sich durchsetzen? Und ist eine multilaterale Handelsordnung, wie sie die WTO vertritt, tot?

Christoph Scherrer: Da Trump die Handelspolitik mit anderen Fragen auflädt und insbesondere die Handelspartner verunglimpft, folgen die handelspolitischen Verhandlungen nicht mehr rein wirtschaftlichen Macht- und Interessenlagen, sondern berühren auch Fragen nationalstaatlicher Identität und Souveränität. Dadurch wird der Ausgang der Verhandlungen, bzw. eines Handelskrieges, schwer voraussehbar.

Das bestehende Regelwerk der multilateralen Handelsordnung, das von der Welthandelsorganisation verwaltet wird, ist so wie bisher in Grenzen wirksam. Weitere Liberalisierungsschritte gelingen allerdings seit Jahren nicht mehr, da weder die Europäische Union, noch Japan und die USA bereit sind, auf die Forderungen des globalen Südens einzugehen. Deshalb versuchen diese drei Wirtschaftsräume, ihre Interessen in bilateralen Verhandlungen durchzusetzen. Dies ist ein Prozess, der lange vor Trump begonnen hat.

Sendedaten
makro
Strafzölle
Freitag, 20. April 2018, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Strafzölle-Sendung
Trumps Strafzölle
US-Präsident Donald Trump macht ernst: Strafzölle von 25 Prozent auf Stahl, 10 Prozent auf Aluminium und Technologieprodukte aus China stehen im Raum. Eine neue Runde im globalen Handelsstreit hat begonnen.
Infografik: Handel
© Hans Böckler StiftungLupe
Protektionismus
Handel mit Hindernissen
Der freie Handel hat viele Jahre die Konjunktur angetrieben. Doch der Protektionismus ist weltweit auf dem Vormarsch und hinterlässt schon deutliche Spuren in der globalen Ökonomie.
(makro, 19.05.2017)
G20
Gerechte Globalisierung
Auf dem G20-Gipfel in Hamburg wollen die größten Industrie- und Schwellenländer für eine gerechtere Welt streiten. Die Globalisierung soll mehr Gewinner und weniger Verlierer hervorbringen.
(makro, 07.07.2017)