Britische Notaufnahme © dpa
Britische Notaufnahme: Es fehlt Geld und Personal
Britische Notaufnahme: Es fehlt Geld und Personal
Kurz vorm Infarkt
Großbritanniens Gesundheitssystem steckt in der Krise
Einst war das NHS der ganze Stolz der Briten - das nationale Gesundheitssystem mit seiner kostenlosen Versorgung für alle Inselbewohner. Doch das zentral gesteuerte System ist komplett marode. Es müsste dringend reformiert werden.
In vielen Krankenhäusern ist der Notstand ausgebrochen. Es fehlt an Betten und Personal. Die Krankenhäuser sind hoffnungslos überfüllt. Vor allem diesen Winter war die Situation dramatisch. Eine Grippewelle führte fast zum System-Kollaps und mehr als 50.000 dringende Operationen mussten verschoben werden. Auch die Hausärzte sind total überbucht.

In der Brexit-Kampagne warb Boris Johnson noch damit, Geld künftig nicht mehr nach Brüssel zu schicken, sondern in den NHS zu stecken. Ein Slogan der wohl wahlentscheidend war. Doch die Summen waren grob übertrieben, und die Briten warten bis heute auf die große Geldspritze für ihr Gesundheitssystem.

Der Personalnotstand im NHS droht sich zu verschärfen: Denn schlechte Planung führt dazu, dass seit Jahren zu wenige britische Ärzte und Krankenschwestern ausgebildet werden. Gleichzeitig verlassen deutlich mehr Ärzte, Schwestern und Pfleger ihren Arbeitsplatz, als neue hinzukommen. Gründe dafür sind Überlastung, Unterbezahlung und Unsicherheit. Schon jetzt gibt es im NHS rund 100 000 unbesetzte Stellen - davon 40.000 Krankenschwestern und Pfleger.

Der EU-Ausstieg wirkt sich schon jetzt negativ aus
Die Lücke füllen bislang noch Fachkräfte aus dem Ausland. Rund 62.000 NHS-Mitarbeiter kommen aus der EU. Doch seit dem Votum für den Ausstieg aus der EU ist die Zukunft von 3 Millionen EU-Bürgern in Großbritannien unklar. Medizinisches Personal aus der EU zu bekommen, ist seither schwer.

Die Zahl der Krankenschwestern und Hebammen, die sich in GB registriert haben, fiel zwischen September 2016 und September 2017 um fast 90 Prozent. Die Zahl der Abgänge stieg um 67 Prozent. Dank der Übergangsfrist gibt es zwar erst einmal Planungssicherheit für die EU-Bürger in GB. Trotzdem werden mittelfristig keine neuen Arbeitskräfte aus dem Ausland kommen.

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Freitag, 6. April 2018, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
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