Intel-Chef Brian Krzanich sprach im Januar 2018 auf der Technik-Messe CES in Las Vegas unter anderem über die Macht der Daten. © dpa
Intel-Chef Brian Krzanich sprach im Januar 2018 auf der Technik-Messe CES in Las Vegas unter anderem über die Macht der Daten.
Intel-Chef Brian Krzanich sprach im Januar 2018 auf der Technik-Messe CES in Las Vegas unter anderem über die Macht der Daten.
Zukunft mit Schattenseiten
Big Data: Das Geschäft mit der Cloud
Die weltweite Datenmenge explodiert, unser Leben vernetzt sich immer stärker, vielfältige Innovationen erleichtern unseren Alltag. Doch die schöne neue Datenwelt hat ihren Preis.
Von Rebecca Herber

Bei dem Begriff "Big Data" denken wohl viele zuerst an Facebook und Co. und fürchten Speicherung und Weitergabe ihrer persönlichen Daten - besonders nach dem aktuellen Skandal um Facebook und die Firma Cambridge Analytica. Doch es steckt noch viel mehr dahinter: Die Datenmenge, die bereits jetzt jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde entsteht, ist kaum zu begreifen.

Die International Data Corporation (IDC), ein Marktforschungs- und Beratungsunternehmen, hat im vergangenen Jahr zur weltweiten Datennutzung eine Studie veröffentlicht (s. Studie rechts "Data Age 2025"). Demnach waren 2016 etwa 16 Zettabyte an Daten unterwegs. Das sind 16 Billionen Gigabyte. Schon in diesem Jahr soll die Datenmenge auf ca. 35 Zettabyte steigen, bis 2025 könnte sich die Datenmenge laut IDC auf 163 Zettabyte verzehnfachen.

Das ist so viel, als würde man das ganze Netflix-Angebot an Filmen und Serien 489 Millionen Mal anschauen. Und die Daten füllen 40 Billionen DVDs, die 100 Millionen Mal von der Erde bis zum Mond reichen. Und wieder zurück. Fast unvorstellbar. Laut IDC werden wir im Jahr 2025 täglich 4800 Mal mit einem vernetzten Gerät interagieren - alle 18 Sekunden.

Amazon: King of Cloud
Amazon ist der dominante Player im Cloudgeschäft. Vor einigen Jahren lag der Marktanteil sogar noch bei über 40%. Besonders Microsoft und Alibaba holen auf.
Amazon ist der dominante Player im Cloudgeschäft. Vor einigen Jahren lag der Marktanteil sogar noch bei über 40%. Besonders Microsoft und Alibaba holen auf.
Die riesigen Datenmengen werden schon lange nicht mehr nur auf dem eigenen PC gespeichert, sondern in der Datenwolke - der sogenannten Cloud. Hier ist Amazon mit seiner Sparte Amazon Web Services (AWS) weltweiter Marktführer. Unter anderem greifen Netflix und Dropbox auf die Dienste zu.

AWS hatte Ende 2017 einen Marktanteil von über 30 Prozent, gefolgt von Microsoft, IBM, Google und Alibaba, die jedoch nur einen Marktanteil zwischen 4% und 13% haben. Amazons Cloud-Geschäft ist der eigentliche Gewinnbringer des Unternehmens, wohingegen der Verkauf von Büchern und Elektronik Verluste einbringen.

Internet der Dinge nimmt Gestalt an
Wichtiger Treiber für Datenexplosion und zunehmende Vernetzung unseres Lebens ist das Internet der Dinge. Gegenstände, die bisher von Benutzern gesteuert werden mussten, agieren vernetzt und sollen eigenständig funktionieren. Daten werden somit immer mehr Teil unseres Lebens und umfassen die unterschiedlichsten Bereiche.

Vernetzte Staubsauger oder Zahnbürsten, die über eine App mitteilen, welche Zähne noch besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, gibt es schon - und wer weiß, was noch alles auf uns zukommen wird. Sei es der Kühlschrank, der Milch auf den Einkaufszettel setzt, wenn sie zur Neige geht. Aber natürlich machen sich die Daten nicht nur in unserem Privatleben immer stärker bemerkbar. Die Brücke der Zukunft kann eigenständig vor Rissen warnen.

Digitaler Concierge
In der Logistik werden Entwicklung, Produktion und Lieferung immer enger verknüpft, sodass Arbeitsschritte effizienter und schneller ausgeführt werden können. Im Fußball werden mithilfe von Big Data die Laufwege der Spieler aufgezeichnet. So können Spielzüge interpretiert und Spielstrategien verbessert werden. Hotels entwickeln eigene Apps und schaffen sich damit einen digitalen Concierge: Die Gäste können über ihr Smartphone ihre Zimmertür öffnen, Bestellungen und Buchungen für Extraleistungen abgeben. Dadurch können Gewohnheiten und Vorlieben nachvollzogen und individualisierte Angebote gemacht werden.

Auch in der Landwirtschaft hält Big Data Einzug - bisher vor allem in Kanada, den USA und Brasilien. Durch das Programm "Field View" werden zum Beispiel Informationen über die Bodenbeschaffenheit, Bewässerung oder den Mineralgehalt geliefert, sodass Dünger, Saatgut und Pflanzenschutzmittel optimiert angewendet werden können.

Daten werden lebenswichtig
Neben Spielereien wie Gabeln, die dein Essverhalten kontrollieren oder Lampen, die das Licht von bestimmten Orten in der Natur simulieren, gibt es auch Ernsthaftes: Zum Beispiel vernetzte Haushaltsgeräte, die helfen, dass alte Menschen länger in ihrem Zuhause bleiben können, indem sie bei unüblichen Vorkommnissen den Pflegedienst rufen.

Auch selbstfahrende Autos sind längst keine Utopie mehr. Google, Uber und Tesla arbeiten schon seit Längerem daran und machen große Fortschritte. Hier wird Technik lebenswichtig. Die korrekte Datenauswertung muss verlässlich sein. Die IDC-Studie hat ergeben, dass im Jahr 2025 ein Fünftel der Daten lebenskritisch sein werden. Darunter fallen auch Überwachungsgeräte für Patienten im Krankenhaus.

Die dunkle Seite
Big-Data-Projekte können auch zuungunsten des Verbrauchers eingesetzt werden. Zum Beispiel dann, wenn Krankenkassen beginnen, Fitness-Tracker einzusetzen. Macht der Versicherte viel Sport und ernährt sich gesund, so die Idee, sinken die Beiträge, wenn nicht, dann steigen sie. So greifen die Daten dann endgültig in unser Leben ein, haben spürbare Folgen. Als eine Art Vorstufe bieten einige Kassen bereits jetzt Bonusprogramme an, die Fitness und gesunden Lebenswandel belohnen.

Big Data bietet unendlich viele Möglichkeiten. Dies ist verführerisch. Doch es macht unser Leben auch verletzlich: Weniger als 50 Prozent der weltweiten Datensphäre werden laut IDC-Prognose im Jahr 2025 ausreichend geschützt sein. Und das, obwohl 90 Prozent der Daten schutzbedürftig sein werden. Bei allem Enthusiasmus über Big-Data-Anwendungen muss der Sicherheitsaspekt im Mittelpunkt stehen.

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