Die Emissionen der Schifffahrt sind erheblich. © ap
Die Emissionen der Schifffahrt sind erheblich.
Die Emissionen der Schifffahrt sind erheblich.
Schiffstreibstoff: Der letzte Dreck
Gibt es Alternativen zum Schweröl?
Containerschiffe, Rohstofffrachter, Tanker, selbst Kreuzfahrtschiffe - angetrieben werden sie meist mit dem schmutzigsten Treibstoff überhaupt: Schweröl. Erste Schiffe setzen nun auf Flüssiggas.
Mit beeindruckender Größe und prächtiger Erscheinung bewegen sich die Kreuzfahrtschiffe über das Wasser. Nicht nur die äußeren Dimensionen dieser Schiffe sind gigantisch, auch die Emissionen. Wenn die Riesenpötte mit bis zu 6000 Passagieren in den Häfen der Städte andocken, laufen die Motoren weiter, auch im Stand. Ein Kreuzfahrtschiff stößt am Tag so viele Emissionen aus wie fünf Millionen PKW. Die Branche muss sich diesem Problem stellen - und steht vor einem Wandel.

Schwefelschleuder Schweröl
Die Umweltverschmutzung durch die Schifffahrt könnte schon heute viel besser bekämpft werden. Denn noch immer fährt ein Großteil der Schiffe mit Schweröl, anstatt den umweltfreundlicheren Marinediesel zu verwenden. Eine ausschließliche Verwendung des Marinediesels könnte die Umweltverschmutzung erheblich reduzieren, sagt Prof. Bert Buchholz von der Uni Rostock. Es ist eine Kostenfrage. "Der Grund, warum nach wie vor Schweröl eingesetzt wird, ist letztlich ein Preisgrund", sagt er. "Schweröl ist preislich eindeutig günstiger als Marinediesel."

Gerade in der Kreuzfahrtbranche herrscht ein harter Wettbewerb. Folglich setzen viele Anbieter auf Schweröl - auf Kosten von Gesundheit und Natur. Eine rasche Verbesserung der Situation versprechen entsprechende Filter. Nachrüstungen der Schiffe lassen jedoch bisher auf sich warten. Deshalb fordert der NABU von den Betreibern, vorhandene Techniken zu nutzen, die den Ausstoß deutlich reduzieren würden. Rechtliche Vorgaben könnten hier einen Wandel vorantreiben.

Flüssiggas als Alternative
Doch in Zukunft könnten Schiffe tatsächlich noch umweltfreundlicher in See stechen. Erste Gasmotoren werden bereits eingesetzt. Flüssiggas (liquid natural gas - LNG) könnte der Antrieb der Zukunft sein. Für Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik des NABU, liegen die Vorteile auf der Hand: "Bei einem Umstieg von Schweröl auf Flüssiggas würde man die schlimmsten Emissionen deutlich reduzieren." In seinen Augen wäre eine Reduzierung der Emissionen um bis zu 90% möglich. Es dürften allerdings noch einige Jahrzehnte verstreichen, bis alle Schiffe wirklich umweltfreundlich unterwegs sein werden.

Schwierige Umrüstung
Haupthindernisse sind die Umrüstung der Schiffe und die Infrastruktur der Häfen. Nur wenige Häfen bieten eine Betankung mit Flüssiggas an. Eine Umrüstung auf Gas würde nicht nur einige Zeit, sondern auch einen enormen finanziellen Aufwand bedeuten. Und letztlich muss Flüssiggas preislich mit Schweröl konkurrieren.

Das erste mit Flüssiggas betriebene Kreuzfahrtschiff soll 2018 in See stechen. Es ist jedoch offen, inwieweit weitere Reedereien diesem Trend folgen werden. Der Gesundheit der Passagiere und dem Schutz der Umwelt wäre ein rascher Umstieg zu wünschen. Jedoch beklagen Umweltschützer auch hier, dass der Gasantrieb keine umweltverträgliche Lösung sei. Er sei lediglich eine Brückenlösung auf dem Weg zu einer Dekarbonisierung der Mobilität auf den Meeren.

Nicht nur in Hafenstädten, sondern auf der ganzen Welt sind Menschen durch die Schifffahrt einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Gefährliche Schwefeloxide verteilen sich weit über die Küsten hinweg. Den Preis für günstige Waren und schicke Kreuzfahrturlaube bezahlt letztlich jeder.

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Schifffahrt
Freitag, 9. Juni 2017, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
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