Indiens Premierminister Narendra Modi. © dpa
Indiens Premierminister Narendra Modi.
Indiens Premierminister Narendra Modi.
Indiens Heilsbringer
Der lange Weg des Narendra Modi
Der Werdegang von Narendra Modi vom einfachen Teeverkäufer zum mächtigsten Mann Indiens klingt wie aus einem Hollywoodfilm. Die weiße Weste eines Filmhelden hat er jedoch nicht.
Als junger Mann trat Modi der RSS bei, einer Organisation von Hindu-Nationalisten. Von dort kam er zur indischen Volkspartei (BJP), die der RSS sehr nahe steht. Dort arbeitete er sich 2002 zum Gouverneur des Bundesstaates Gujarat hoch. Unter seiner Führung wuchs die Wirtschaft im neuntgrößten Bundesstaat Indiens beachtlich.

Modis Wirtschaftspolitik ist sehr liberal. Er setzt vor allem auf Privatisierung und Investitionen aus dem Ausland. Der Arbeitnehmerschutz in Gujarat wurde unter seiner Führung abgeschwächt und viele Regulierungen für Firmen aufgehoben. Auch Sozialausgaben wie Bildung und Sozialhilfe wurden drastisch gekürzt.

Aufstieg in die Hauptstadt
2014 trat er schließlich als Hoffnungsträger für wirtschaftliches Wachstum bei den Wahlen zum Premierminister Indiens an und gewann. Internationale Beachtung fand vor allem sein hochtechnologisierter Wahlkampf der neben aufwendigen Social-Media-Kampagnen sogar mit Hologramm-Auftritten überraschte.

Privat gilt Modi als Asket und Arbeitstier. Er ernährt sich vegetarisch, verzichtet gänzlich auf Alkohol und Zigaretten und übt sich stattdessen in Yoga. Seine Mutter gilt als einzige Familienangehörige zu der er regelmäßigen Kontakt pflegt. Eine eigene Familie möchte er nicht. Denn nur wer keine eigenen Kinder habe, könne gänzlich dem Volk dienen, so der indische Staatschef.

Die Gujarat-Pogrome
Am 27. Februar 2002 wurde in Gujarat ein Zug mit hinduistischen Pilgern in Brand gesteckt. 59 Menschen kamen dabei ums Leben. Der Anschlag startete schwere Unruhen zwischen Hindus und der muslimischen Minderheit. Schätzungen gehen von über 1000 Toten aus, die meisten davon Muslime.

Modi, der zum damaligen Zeitpunkt Regierungschef des Bundeslandes war, wird vorgeworfen, nicht eingeschritten zu sein oder sogar die Ausschreitungen gegen Muslime angefacht zu haben. Sowohl Modi selbst als auch die Behörden wurden jedoch in einer vom höchsten indischen Gerichtshof angeordneten Untersuchung von allen Vorwürfen freigesprochen.

140 Zeichen Politik
Nach Donald Trump ist Narendra Modi der beliebteste Politiker auf Twitter. Über 30 Millionen Menschen folgen seinem Account. Vor allem die jungen Inder konnte er über das soziale Netzwerk für sich gewinnen. Im krassen Gegensatz zum Präsidenten der USA, der sich vor allem durch Beleidigungen und Tiraden zu Wort meldet, ist Modi stets höflich und optimistisch.

Auch während seiner Europareise nimmt er sich die Zeit um unter anderem seinen Ministern zum Geburtstag zu gratulieren. Bodenständige und charismatische Aktionen wie diese sind neben dem großen Versprechen von wirtschaftlichem Aufschwung Grundstein für Modis Popularität.

Die Bargeld-Reform
Am 8. November 2016 erklärte Modi überraschend die 500- und 1000-Rupien-Geldscheine zu unzulässigen Zahlungsmitteln. Diese machten knapp 87% des Bargeldvermögens in Indien aus. Mit der Reform soll die ausufernde Korruption im Land bekämpft werden (siehe rechts "Bargeld-Reform: Angriff über Nacht").

Außerdem legt sie den Grundstein für die angekündigte Steuerreform, denn nur ein Bruchteil der Inder zahlt Einkommenssteuer. Ohne die großen Scheine, so hofft die indische Regierung, werde es den Menschen zunehmend schwerer fallen ihre Einnahmen vor dem Fiskus zu verbergen.

Sendedaten
makro
Indien im Wandel
Freitag, 2. Juni 2017, 21.00 Uhr
Alles zur Indien-Sendung
Indien im Wandel
Indien zu reformieren, gilt als Ding der Unmöglichkeit. Seit nunmehr drei Jahren ist Premierminister Narendra Modi im Amt. Es sieht fast so aus, als könne er Erfolg haben.
Indiens Reformkurs
Fortschritt mit Hindernissen
In Deutschland warb Narendra Modi gerade für mehr Handel. In Indien ist der Regierungschef dabei, sein Land umzukrempeln. Dabei bedient er sich eines in Indien ungewohnten Konzepts: Marktwirtschaft.
Gujarat
Der indische Bundesstaat, den Narendra Modi von 2001 bis 2014 regierte, gilt als einer der fortschrittlichsten und reichsten des Landes. Nahezu alle Dörfer verfügen über einen Zugang zum Stromnetz und die Wirtschaftsleistung pro Einwohner liegt signifikant über dem indischen Durchschnitt. Auch bei den Touristen ist der neuntgrößte der 29 indischen Bundesstaaten einer der beliebtesten: Etwa 38 Mio. Touristen bereisten ihn zwischen 2015 und 2016. Gujarat hat über 60 Mio. Einwohner.
Bargeld-Reform
Angriff über Nacht
Es war der 8. November 2016, als Indiens Regierung ihren Bürgern das Geld nahm. Vordergründig ging es um den Kampf gegen Kriminalität. Tatsächlich folgt der Überfall einem ökonomischen Plan.
Schwerpunkt
Indien & Pakistan