Bezahlen ohne Bargeld © colourbox.de
Karte statt Cash - bargeldloses Zahlen ist immer mehr im Kommen. Aber es hat auch seine Schattenseiten.
Karte statt Cash - bargeldloses Zahlen ist immer mehr im Kommen. Aber es hat auch seine Schattenseiten.
Bargeld-Abschaffung
Fluch oder Segen?
Nur Bares ist Wahres - Dieser Satz wird wohl bald der Geschichte angehören. Immer mehr Banken und Unternehmen sprechen sich für eine Abschaffung des Bargeldes aus, mit dem Verweis auf ein Thema: Sicherheit.
6000 Dollar - dies ist der Geldwert, den durchschnittlich jeder Amerikaner in bar besitzt. Allerdings trägt der Großteil der Leute diesen nicht in den Hosentaschen. Das Geld befindet sich woanders. Es ist schlichtweg unsichtbar und daher auch eine Quelle für kriminelle und dubiose Geschäfte.

Genau aus dem Grund spricht sich der Harvard-Professor Kenneth Rogoff für eine Abschaffung des Bargeldes aus. Nach dieser Logik ließen sich illegale Geschäfte mit der Abschaffung des Bargelds verhindern. Dies klingt zunächst nachvollziehbar und vorteilhaft. Aber lauert hinter dieser Forderung nicht auch eine Gefahr für unsere Freiheit?

Nicht wenige Kritiker bezweifeln die positiven Effekte der Abschaffung. Datenschützer mahnen, dass ein rein elektronischer Zahlungsverkehr erhebliche Überwachungsmöglichkeiten biete. Der Weg zum "gläsernen Konsumenten" wäre perfekt. Es sei ein Kinderspiel, zu ermitteln, wer wann was gekauft habe. Klaus Müller, Chef der "Verbraucherzentrale Bundesverband" bringt dies auf einen Punkt: "Bargeld ist gelebter Datenschutz".

Bargeld bietet besten Datenschutz
Ebenso mahnt der Wissenschaftsbeirat des Wirtschaftsministeriums: "Es ist zu befürchten, dass solche Obergrenzen vor allem normale Bürger und normale Aktivitäten betreffen, da Schattenwirtschaft und Kriminalität sich der Überwachung leichter entziehen beziehungsweise alternative Zahlungsmethoden aufbauen können."

Insbesondere die Freiheit der ehrlichen Bürger nähme Schaden. Jeder Einkauf im Supermarkt könnte digital erfasst werden. Dabei ergibt sich eine enorme Fülle an Daten, die für Unternehmen einen hohen Wert hat. Kundenbindungsprogramme wie Payback setzen schon heute sehr erfolgreich auf dieses Prinzip. Der gläserne Konsument wäre Realität

<b>Strafzins für Sparer: </b>Ohne Bargeld wären negative Zinsen als Konjunkturstimulus leicht durchzusetzen.
Strafzins für Sparer: Ohne Bargeld wären negative Zinsen als Konjunkturstimulus leicht durchzusetzen.
<b>500-Euro-Schein:</b> Den Bekämpfern organisierter Kriminalität ist er schon lange ein Dorn im Auge.
500-Euro-Schein: Den Bekämpfern organisierter Kriminalität ist er schon lange ein Dorn im Auge.
<b>Zahlungsarten:</b> Der Trend geht zu bargeldlosem Bezahlen. Im Einzelhandel läuft schon fast jeder zweite Kauf per Karte. Zahlungsarten: Der Trend geht zu bargeldlosem Bezahlen. Im Einzelhandel läuft schon fast jeder zweite Kauf per Karte.

Nicht weniger skeptisch macht die aktuelle Situation rund um die Angriffe von Hackern. Wie sicher ist der bargeldlose, elektronische Zahlungsverkehr vor äußeren Angriffen? Die Befürchtung, dass die Cyber-Kriminalität ansteigt, ist real. Durch den digitalen Zahlungsverkehr bietet sich enormes Potential für betrügerische Systeme. Besonders im Vorreiterland des digitalen Zahlenverkehrs, Schweden, ist ein Anstieg des Kartenbetrugs zu verzeichnen.

Banken profitieren
Dass vor allem die Banken von der Abschaffung des Bargeldes profitieren würden, kommt in der Debatte zu kurz. Sie erhoffen sich aus den Online-Zahlungen weitere Einnahmemöglichkeiten. Bargeldloses Zahlen ist ein lukratives Geschäft. Eine kleine Gebühr auf einzelne Transaktionen kann sich zu hohen Einnahmen summieren. Dies verdeutlicht schon die Zahl der Transaktionen, die alleine in Deutschland an einem Tag stattfinden: 60 Millionen.

Ebenso hätten Banken durch einen Wegfall des Bargeldes mehr Geld in den Fingern. Kapital, das zuvor als Cash im Umlauf war, verbreitert die Basis des Kreditgeschäfts. Dadurch werden sie weitere Geschäftsfelder erschließen können und haben stets die Kontrolle über das Geld der Bürgerinnen und Bürger.

Auch die EU möchte diesen Kurs vorantreiben. Sie setzt sich das Ziel, eine Obergrenze für Bargeldgeschäfte einzuführen und hohe Bargeldgeschäfte meldungspflichtig zu machen. In Frankreich ist eine Obergrenze von 1000 Euro schon Realität. Die Einführung einer 5000 Euro-Grenze steht in Deutschland zur Debatte. Die Abschaffung des 500 Euro Scheins im nächsten Jahr könnte der Anfang vom Ende des Bargeldes sein.

Sendedaten
makro
Bye-bye Bargeld
Freitag, 26. Mai 2017, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Wirtschaftsdokumentation
Bye-bye Bargeld
Der totale bargeldlose Zahlungsverkehr rückt näher. Der amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff erklärt gegenüber dem Wirtschaftsmagazin makro, warum er die weitgehende Bargeld-Abschaffung für eine gute Sache hält.
Archiv
War on Cash
Was früher undenkbar schien, nimmt Gestalt an: Bargeld hat viele Feinde. Und es werden mehr. Staat, Zentralbanker, Sicherheitsdienste - der finanziell gläserne Bürger ist eine große Verlockung.
Mehr zum Thema
Afrika bezahlt digital
Mobilfunk und Internet haben viele Länder in Subsahara-Afrika in den vergangenen Jahren stark verändert. Angefangen hat die revolutionäre Digitalisierung mit einem Handy-Bezahldienst.