Lässig, aber teuer: Daimler-Boss Dieter Zetsche verdiente 2016 13,8 Mio. Euro und belegte damit hinter SAP-Chef Bill McDermott Platz 2 im Dax. © reuters
Lässig, aber teuer: Daimler-Boss Dieter Zetsche verdiente 2016 13,8 Mio. Euro und belegte damit hinter SAP-Chef Bill McDermott Platz 2 im Dax.
Lässig, aber teuer: Daimler-Boss Dieter Zetsche verdiente 2016 13,8 Mio. Euro und belegte damit hinter SAP-Chef Bill McDermott Platz 2 im Dax.
Darfs ein bisschen weniger sein?
Managergehälter der Dax-Unternehmen
Millionenschwere Managergehälter sorgen im Wahljahr für Diskussionen. makro hat die 30 Dax-Konzerne nach ihrer Meinung gefragt. Wie finden wir zu einer Höhe von Vorstandsgehältern, die einer gesellschaftlichen Debatte standhält?
Von den 30 Dax-Konzernen hat die eine Hälfte geschwiegen, die andere hat makro geantwortet. Viele Unternehmen verweisen auf die aus Ihrer Sicht moderate Vorstandsvergütung im Vergleich zu anderen Konzernen und im Vergleich zum Ausland. Warum diskutieren wir dann eigentlich über Managergehälter?

Weil die Chefs der Dax-Konzerne heute im Schnitt fast 60 Mal so viel verdienen wie normale Angestellte. Das hat die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung errechnet. Im Schnitt wohlgemerkt, einzelne "Ausschläge" kommen auf weitaus höhere Relationen. Zuletzt schlug die Debatte um Christine Hohmann-Dennhardt hohe Wellen, die nach einem Jahr aus dem VW-Vorstand ausschied und eine Abfindung von rund 12 Mio. Euro einnahm.

2016 bekamen die Vorstandschefs der Dax-Konzerne im Schnitt 7,1 Mio. Euro, hat die Frankfurter Unternehmensberatung hkp ermittelt. Das sind 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Von solchen Gehaltszuwächsen können andere Arbeitnehmer in den Unternehmen nur träumen.

Firmen lehnen Obergrenze ab
VW und die Deutsche Bank betonen in Ihrer Antwort an makro, dass sie die Vergütungssysteme der Vorstände nachgebessert hätten. Alles andere wäre auch sehr verwunderlich nach dem öffentlichen Furor, den beide Unternehmen ausgelöst haben. Aber was sind schon "Nachbesserungen", wenn Manager immer noch Millionen verdienen, während das Unternehmen in Schieflage hängt? VW trägt die Verantwortung für einen der größten Betrugsfälle in der Industriegeschichte. Und die Deutsche Bank ist in unzählige Rechtsstreitigkeiten verwickelt, die das Geldhaus schwer belasten.

Wie andere Dax-Konzerne hält auch ProSiebenSat.1 "eine staatliche Begrenzung von Managergehältern nicht für sinnvoll." Denn damit, teilt uns das Medienunternehmen mit, "würde das Risiko steigern, dass gute Manager zunehmend ins Ausland abwandern, wenn ihnen dort mehr geboten wird. Aus unserer Sicht würde eine gesetzlich festgelegte Deckelung die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen einschränken und somit den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen."

Globalisierung und Gehalt
Die Spitzenverdiener im Dax. In den acht nicht aufgeführten Unternehmen kam es unterjährig zu einem Führungswechsel. <b>Infografik:</b> Die Spitzenverdiener im Dax. In den acht nicht aufgeführten Unternehmen kam es unterjährig zu einem Führungswechsel.
Infografik: Die Spitzenverdiener im Dax. In den acht nicht aufgeführten Unternehmen kam es unterjährig zu einem Führungswechsel.
Damit sind wir im Kern der Debatte: die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Während das seit vielen Jahren für "normale" Arbeitnehmer eine Deckelung von Einkommenszuwachs bedeutet, wird es für die Managementebene offenbar genau gegensätzlich interpretiert. Nur wenn wir den Vorstand "gut" bezahlen, so ein häufiges Argument in den Reaktionen, sind wir international wettbewerbsfähig.

Doch das ist ein Mythos, kontert der Soziologe Michael Hartmann, am 5. Mai Studiogast bei makro. Der Forscher hat die 1000 größten Unternehmen der Welt sowie die weltweit 1000 reichsten Personen analysiert. Sein Fazit: Die sogenannten "Wirtschaftseliten" bleiben in der Regel im eigenen Land, der globale Markt für Topmanager ist eine Legende. Das Argument also, den Managern Spitzengehälter zahlen zu müssen, um sie nicht an die ausländische Konkurrenz zu verlieren, ist demnach nicht stichhaltig.

Gesellschaftliche Verantwortung
Der scheidende Chef des Münchener Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, kritisiert gegenüber makro die Debatte um die Höhe von Managergehältern: "Es ist eine deutsche Unart, wenn ich ein Problem an drei spezifischen Stellen habe, eine Regelung zu machen für Zehntausende." Der Gesetzgeber solle daher einen Rahmen setzen, eine Höchstquote aber lehnt von Bomhard als Eingriff in die Eigentümerrechte ab. "Es gibt sicherlich eine gewisse soziale Spannung durch diese Gehälter, aber die Frage ist: Hängt an der Stelle Deutschlands Wohl und Wehe?"

Ja, das tut es durchaus. Schon alleine deshalb, weil die Spaltung zwischen Arm und Reich zu einem Dauerthema auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos geworden ist. Der Internationale Währungsfonds oder auch die OECD warnen davor, dass sich diese Spaltung zu einem wachsenden wirtschaftlichen Risiko entwickelt. Die Schuld an diesem Problem tragen ganz sicher nicht nur die deutschen Manager und ihre Gehälter. Aber auch sie sind ein Teil des Problems. Die Unternehmen werden sich über kurz oder lang stärker der Diskussion stellen müssen.

 

Diese Frage haben wir den 30 Dax-Konzernen gestellt:


15 Firmen haben uns inhaltlich geantwortet, weitere drei wollten keine Stellung beziehen. Die verbleibenden 12 Unternehmen haben auf die Anfrage von makro nicht reagiert.

Adidas

Die Festlegung der Gehälter der Vorstandsmitglieder von aktiennotierten Gesellschaften ist Aufgabe des Aufsichtsrats des jeweiligen Unternehmens. Er gewährleistet die Angemessenheit der Vergütung. Das Vergütungssystem wird zudem von den Anteilseignern des Unternehmens auf der Hauptversammlung gebilligt. Eine politische Einmischung ist daher weder zielführend noch nötig.

Die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden der deutschen Dax-CEOs liegen im internationalen Vergleich nicht in der Spitzengruppe. Deutschland hat mit der sozialen Marktwirtschaft ein exzellentes Wirtschaftsmodell und steht im internationalen Vergleich hervorragend da. In Deutschland herrscht annähernd Vollbeschäftigung, es gibt praktisch keine Jugendarbeitslosigkeit und die Realeinkommen sind in den vergangenen drei Jahren gestiegen.

Deutsche Unternehmen - sowohl aus dem Dax, aber vor allem auch aus dem Mittelstand - behaupten sich hervorragend auf dem globalen Markt. Das belegt, dass die deutschen Unternehmen und ihre Lenker gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum überwiegenden Teil einen guten Job machen und ihre Unternehmen zum Wohle der Gesellschaft führen.

Allianz

Vielen Dank für Ihre Anfrage - dazu geben wir gern Auskunft.

Maßgeblich für die Allianz Gruppe ist das Deutsche Aktiengesetz und der Deutsche Corporate Governance Kodex. Demzufolge legt der Aufsichtsrat die Vorstandsbezüge fest.

Generell umfasst die Vorstandsvergütung fixe und variable Bestandteile und setzt sich aus 4 Komponenten zusammen: Grundvergütung, variable kurz- (Jahresbonus), mittel- (3-Jahres/Mid-Term Bonus MTB) und langfristig (5 Jahre / Aktienoptionen / RSU) Elemente. Aktuell haben die Vorstandsmitglieder der Allianz SE einen Zielwert von jeweils 750.000 Euro für die verschiedenen Gehaltsbestandteile. Die Höhe aller variablen Elemente kann von 0 bis maximal 150% der Zielvergütung betragen. Der Wertzuwachs der Aktienrechte ist zusätzlich in Abhängigkeit von der Kursentwicklung auf 200% beschränkt.

Die Vorstandsvergütung wird regelmäßig mit der Vergütungsentwicklung auf der zweiten Führungsebene, bei den Global Executives und den durchschnittlichen Gehältern der Mitarbeiter in Deutschland sowie weltweit verglichen. Diese Relationen werden jährlich überprüft, variieren jedoch mit der Zielerreichung und der Zusammensetzung der Vergleichsgruppen. So ist beispielsweise erkennbar, dass sich die Relation zwischen Vorstands- und Mitarbeitervergütung in den letzten fünf Jahren weiter zugunsten der Mitarbeiter verändert hat.

Gemessen an den nachhaltigen Erfolgen der Allianz und der konsequent guten Zielerreichung, halten wir die Höhe der Vorstandsvergütung für angemessen - auch im Vergleich zum DAX und unseren internationalen Wettbewerbern.

Bayer

Wir sehen keinen Bedarf an zusätzlichen gesetzlichen Regeln.

Das Vergütungssystem für Vorstände bei Bayer erfüllt die vom Gesetzgeber geforderte Angemessenheit und wurde von der Hauptversammlung gebilligt.

Wichtig ist für uns, dass alle Mitarbeitergruppen - Tarifangestellte, Leitende Mitarbeiter und auch die Konzernspitze - für gute Leistungen belohnt werden. Für das Jahr 2016 werden daher rund 1,4 Milliarden Euro als kurzfristige variable Vergütung ausgezahlt. Das ist ein klarer Beleg für die faire Beteiligung der Belegschaft am Unternehmenserfolg.

Beschäftigungsstrukturen und durchschnittliche Einkommen unterscheiden sich von Branche zu Branche erheblich, eine zwangsläufig generalisierende Höchstquote für alle Unternehmen ist kontraproduktiv. Die Bewertung einer angemessenen und auch wettbewerbsfähigen Vergütungsstruktur ist in den Händen des Aufsichtsrates gut aufgehoben. Nur hier können Belegschaftsstruktur und Wettbewerbsumfeld als Basis für eine angemessene Vergütungshöhe konkret bewertet werden.

BMW

Zu Ihrer Anfrage bezüglich einer Begrenzung der Vorstandsvergütung können wir auf den Vergütungsbericht aus unserem Geschäftsbericht verweisen.

Der Tabelle auf Seite 215 (Mitte) können Sie entnehmen, dass für den Vorsitzenden des Vorstands eine betragsmäßige Höchstgrenze von 9.850.000 Euro besteht. Für die weiteren Mitglieder des Vorstands liegt die Höchstgrenze entsprechend niedriger.

Eine solche Höchstgrenze wurde bei der BMW Group bereits zum 1. Januar 2014 eingeführt.

Continental

Wir halten die Festlegung der Gehälter für eine Sache von Vertragsparteien. Und das sind in unserem Fall die von den Aktionären beauftragten Gremien des Aufsichtsrats und die betroffenen Vorstandsmitglieder.

Wert ist immer eine Frage der Bewertung, in diesem Fall durch den Aufsichtsrat auf Basis der Vergütungsgrundsätze im deutschen Aktiengesetz. Diese bilden einen sinnvollen Rahmen für die Gehaltsfindung von Vorständen.

Die Berechnungsgrundlage der Vorstandsgehälter bei Continental ist fair und nachvollziehbar. Sie wird regelmäßig von externen Beratern überprüft und richtet sich nach marktüblichen Gehaltsbeträgen, dem individuellen Wertbeitrag sowie der Wertentwicklung des Unternehmens.

Die Gesamtvergütung besteht dabei zum größten Teil aus variablen Elementen, die sich am Unternehmenserfolg orientieren. Die Höhe der Summe ist vom Wertbeitrag bestimmt, dem das Gehalt gegenübersteht.

Deutsche Bank

Wir halten die öffentlich geführte Debatte für berechtigt und nachvollziehbar. Bei der Deutschen Bank gibt es seit fünf Jahren eine Obergrenze von 9,85 Millionen Euro für die Gesamtvergütung eines einzelnen Vorstandes, wobei die tatsächlich gewährten Vergütungen in den vergangenen Jahren deutlich darunter lagen.

Zudem hat der Vorstand in den vergangenen beiden Jahren aufgrund der wirtschaftlichen Lage der Bank auf Bonuszahlungen verzichtet. Ebenso kappten wir die Boni für Führungskräfte. Manager der höheren und mittleren Führungsebene bekamen für 2016 keine individuellen Bonizahlungen. Betroffen von diesen Einschnitten waren gut 25 Prozent der rund 100.000 Mitarbeiter unseres Konzerns.

Link zur E-Mail unseres Vorstandes an alle Mitarbeiter zu den Bonuskürzungen:
Nachricht von allen Mitgliedern des Vorstands zur variablen Vergütung 2016

Deutsche Lufthansa

Die Gesamtbezüge des Vorstands der Deutschen Lufthansa AG sind transparent im Internet einsehbar. Sie beliefen sich im Geschäftsjahr 2016 auf insgesamt 10,4 Millionen Euro, davon entfielen rund 3,1 Millionen auf den Vorstandsvorsitzenden. (s. Tabelle S. 81 aus dem Geschäftsbericht 2016).

Im Ranking der Gesamtvergütung der DAX-Konzerne bekleidet die Deutsche Lufthansa AG regelmäßig einen der hintersten Ränge.

E.on

E.on ist beim Thema Vorstandsvergütungen seit Langem sehr transparent.

Wir haben unser System der Vorstandsvergütung im letzten Jahr neu gestaltet. Das neue System wurde auf der Hauptversammlung 2016 mit über 91 Prozent gebilligt. Die Ziele des E.ON-Vorstands sind künftig stark mit den Interessen der Aktionäre verbunden. Zudem ist der Vorstand verpflichtet, in erheblicher Höhe in die E.ON-Aktie zu investieren und die entsprechenden Aktien zu halten.

Die jährliche Vergütung folgt der Kennzahl, nach der auch die Dividende bestimmt wird (dem so genannten "Ergebnis pro Aktie"). Die mehrjährige Vergütung hängt von der relativen Wertentwicklung der E.ON im Vergleich zu den wesentlichen europäischen Wettbewerbern ab, gemessen am relativen so genannten "Total Shareholder Return".

Das neue System gilt ab dem Geschäftsjahr 2017. Wir haben im selben Zug auch das Tantieme-System für Führungskräfte überarbeitet. Es ist jetzt einfacher und stärker an Unternehmenserfolg orientiert. Unsere Führungskräfte erhalten künftig einen Bonus, der den Unternehmenserfolg - gemessen am Ergebnis pro Aktie und der Zufriedenheit unserer Kunden - wiederspiegelt.

Fresenius / Fresenius Medical Care

Die Vergütung unserer Vorstände ist leistungsorientiert und ausgerichtet auf eine nachhaltige Unternehmensentwicklung. Dies wird den Interessen unserer Patienten, Mitarbeiter und Aktionäre gleichsam am besten gerecht.

Merck

Merck gibt zum Thema das folgende Statement. Es handelt sich um einen Auszug aus dem Geschäftsbericht 2016 und zitiert aus dem Vergütungsbericht ab Seite 160:

"Als ältestes pharmazeutisch-chemisches Unternehmen der Welt hat Merck einer verantwortungsvollen Unternehmensführung und dem Unternehmertum stets einen hohen Stellenwert beigemessen. Dies spiegelt sich nach wie vor bei den Mitgliedern der Geschäftsleitung der Merck KGaA wider, die anders als Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften keine angestellten Organmitglieder sind. Sie sind vielmehr persönlich haftende Gesellschafter sowohl der Merck KGaA als auch der Komplementärgesellschaft E. Merck KG und erhalten in dieser Funktion eine Gewinnvergütung von der E. Merck KG. Daher greifen die Regelungen des DCGK zur Vergütung von Vorständen börsennotierter Aktiengesellschaften und zur individualisierten Offenlegung der Vergütung für die Geschäftsleitung der Merck KGaA nicht."

Munich Re

Anbei einige Aussagen, die wir in den vergangenen Monaten gegenüber Medien oder auf unserer Bilanz-PK zu diesem Thema gemacht haben. Ich hoffe, die Aussagen verdeutlichen unseren Standpunkt / unsere Argumente.

Angemessenheit der Vorstandsvergütung?
Die Vorstandsvergütung bei Munich Re ist insgesamt moderat. Sie liegt und lag meist unter dem Median-Wert der DAX-30-Gesellschaften. Unser Vergütungssystem hatte seit Beginn immer Höchstgrenzen und gilt als konform mit den externen Anforderungen. Die auch im internationalen Vergleich sehr moderate Höhe unserer Vorstandsgehälter macht es uns praktisch unmöglich, Kolleg(inn)en aus bestimmten Ländern mit deutlich höheren Gehältern, wie der Schweiz oder den USA, zu gewinnen.

Wie kommentieren Sie den Vorschlag [der SPD] einer Höchstquote?
Der Gesetzgeber sollte sich auf das Setzen eines Rahmen beschränken, die Vorgabe einer Höchstquote wäre ein deutlicher Eingriff in die Eigentümerrechte. Die Festlegung der konkreten Vergütung, auch der Höhe, ist Sache des Aufsichtsrats.

Relation der Vergütung in Bezug zum Durchschnittsgehalt eines Mitarbeiters?
Der Aufsichtsrat prüft jedes Jahr die sogenannte vertikale und horizontale Angemessenheit. Vergleicht man das durchschnittliche Vorstandsgehalt mit dem durchschnittlichen Gehalt aller Mitarbeiter der Münchener Rück AG, so bewegen wir uns seit Jahren um den Faktor 22. Beim Vorstandsvorsitzenden ergibt sich ein Faktor um 38.

Aussagen Bilanz-PK 15.03.2017
Frage:
Und zwar es gibt in letzter Zeit eine Debatte in Deutschland um die Managergehälter. Also die SPD hat ja bekanntlich diesen Vorschlag gebracht, dass die Gehälter ab 500.000 Euro nicht mehr steuerlich absetzbar sein sollten. Was halten Sie davon? Also sehen Sie das als einen Eingriff in die Führung von Privatfirmen? Und dann zweitens: Glauben Sie generell, dass es in Deutschland ein Problem mit Manager-Gehältern gibt?

Antwort CEO Nikolaus von Bomhard:
Davon halte ich nichts. Weil ich glaube, das ist die falsche Baustelle und das Problem muss man anders angehen. Und es ist ein Eingriff in die Privatsphäre. Es ist bei der Frage der steuerlichen Abzugsfähigkeit ist es rechtlich komplexer, weil es ja Unternehmen sind, die betroffen sind. Und dann muss es eine Abwägung geben, Eingriff in eigentumsähnliche Rechte. Also das ist nicht trivial. Direkte Begrenzung ist rechtlich auf jeden Fall kritischer.

Aber vielleicht hole ich da ein bisschen aus, aber nicht zu weit. Die Frage der Managergehälter ist ein Thema, bedauerlicherweise und völlig unnötig. Wir müssen bei diesen Fragen nur darauf achten - und das ist in einem Jahr, in dem Wahlkampf stattfindet, sicherlich besonders schwer -, dass wir darüber die wirklich wichtigen Themen nicht übersehen. Es gibt sicherlich eine gewisse soziale Spannung durch diese Gehälter, aber die Frage ist: Hängt an der Stelle Deutschlands Wohl und Wehe? Und die Frage stellen wir nicht.

Es ist eine deutsche Unart, wenn ich ein Problem an drei spezifischen Stellen habe, eine Regelung zu machen für Zehntausende. Statt den dreien das Leben schwer zu machen und sie massiv unter Druck zu setzen und dafür zu sorgen, dass das nicht wieder passiert, anstatt für Zehntausend, die das nicht gemacht haben, eine Regel aufzustellen.

Und im Wahlkampf ist das deshalb so reizvoll, weil es aus der Sicht derjenigen, die das Thema bespielen, keine Downside gibt. Man kann nicht verlieren, man kann nur gewinnen. Und den Ball muss man hochhalten. Ich wundere mich, warum im Wahlkampf nicht gesprochen wird über die Zukunft Europas und die Rolle Deutschlands in Europa, warum nicht über Bildungsfragen gesprochen wird. Die wirklich kritischen Themen, Demografiefragen... Wir unterhalten uns über die Managergehälter. Es hat gelegentlich etwas von Tanz auf dem Deck der Titanic.

ProsiebenSat.1

Wir halten eine staatliche Begrenzung von Managergehältern nicht für sinnvoll. Damit würde das Risiko steigern, dass gute Manager zunehmend ins Ausland abwandern, wenn ihnen dort mehr geboten wird. Aus unserer Sicht würde eine gesetzlich festgelegte Deckelung die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen einschränken und somit den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen.

Das Vergütungssystem für den Vorstand der ProSiebenSat.1 Media SE besteht im Sinne einer Nachhaltigkeit von Unternehmensergebnissen aus langfristigen Vergütungskomponenten. Es setzt sich aus fixen und erfolgsbezogenen Bestandteilen zusammen. Die Vorstandsvergütung bei ProSiebenSat.1 wird mit Blick auf die gängige Marktpraxis im DAX und MDAX sowie bei anderen Unternehmen der europäischen Medienindustrie kontinuierlich überprüft. Die einzelnen Vergütungselemente liegen dabei klar innerhalb der jeweiligen Marktvergleichswerte.

Volkswagen

Haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre Anfrage. Zu Ihrer Kenntnis das kürzlich vom Aufsichtsrat verabschiedete neue Vorstandsvergütungssystem, welches auch eine Begrenzung der Vorstandsbezüge enthält. Für konkretere Information anbei der Link, der den Aktionären auch zur Hauptversammlung zur Verfügung steht, um sich ein genaues Bild zu machen. Die Aktionäre sollen auf der HV (10. Mai 2017) über den Vorschlag abstimmen.

Zudem die Pressemitteilung, die zu der Thematik veröffentlicht wurde. Damit sollten Sie ein gutes Bild für die Vorstellungen bezgl. Ihrer Frage des Konzerns besitzen.

Vonovia

Die Vergütung des Vorstands wird vom Aufsichtsrat beschlossen, dessen Entscheidung wir nicht bewerten möchten.

Die Vergütungsstruktur ist insgesamt auf eine nachhaltige Unternehmensentwicklung ausgerichtet und beispielsweise auch an die Kundenzufriedenheit gekoppelt. Kriterien für die Angemessenheit der Vergütung bilden dabei sowohl die Aufgaben des einzelnen Vorstandsmitglieds, seine persönliche Leistung, die wirtschaftliche Lage, der Erfolg und die Zukunftsaussichten des Unternehmens als auch die Üblichkeit der Vergütung. Dabei wird die Üblichkeit der Vergütung unter Berücksichtigung des Vergleichsumfeldes und der Vergütungsstruktur, die ansonsten im Unternehmen gilt, bewertet. Auch mit Blick auf die Vorstandsvergütung unserer direkten Wettbewerber - insbesondere angesichts unseres deutlich größten und vergrößerten Wohnungsbestandes - ist die Höhe der Vergütungsbeträge angemessen.

Unser Aufsichtsrat beauftragt regelmäßig als externen Vergütungsexperten ein anerkanntes Beratungsunternehmen, das detaillierte Vergleiche insbesondere zu vergleichbaren DAX- und MDAX-notierten Unternehmen vornimmt.

Unsere leitenden Organe Vorstand und Aufsichtsrat bekennen sich umfassend zu den Prinzipien und Grundsätzen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK). Wir verstehen unter Corporate Governance die verantwortungsbewusste Leitung und Überwachung eines Unternehmens.

Der Aufsichtsrat sorgt dafür, dass sich die Vergütung der Vorstandsmitglieder an diesen Grundsätzen orientiert. Unser Aufsichtsrat legt eine vertraglich vereinbarte Obergrenze der Vorstandsvergütung fest, die wir im Vergütungsbericht offenlegen. Zudem ist die Vorstandsvergütung mit der im Unternehmen geltenden Vergütungsstruktur in Relation gesetzt und als verhältnismäßig bewertet worden.

In Fragen der Gehaltsstrukturen und Arbeitsplatzgestaltung ist der Betriebsrat für uns ein wichtiger Ansprechpartner. Grundsätzlich orientieren wir uns in allen unseren Bereichen an den branchenüblichen Marktstrukturen hinsichtlich Kosten und Flexibilität, um jeweils wettbewerbsfähig zu sein.

Anbei unsere Antworten auf Ihre Fragen: Wie stellen Sie denn Kundenzufriedenheit fest und wie findet eine Kopplung an die Vergütungsstruktur konkret statt?

Zur Erhebung der Kundenzufriedenheit
Seit 2012 führen wir einmal im Quartal eine Kundenzufriedenheitsbefragung durch. Über diese Erhebung werden sowohl übergeordnete Aspekte der Kundenzufriedenheit wie Image, Loyalität oder Gesamtzufriedenheit als auch Themen rund um Kundenbetreuung, Instandhaltungs- und Umbaumaßnahmen abgefragt.

Auf dieser Grundlage weisen wir unseren sogenannten Customer Satisfaction Index (CSI) und den Customer Commitment Index (CCI) aus, anhand derer wir wichtige statistische Erkenntnisse bezüglich der wahrgenommenen Zufriedenheit unserer Kunden und deren Bindung an unser Unternehmen gewinnen. Seit dem Zeitpunkt der Messung haben sich sowohl der CSI als auch der CCI kontinuierlich verbessert.

Neben den regelmäßigen Befragungen führen wir zur internen Qualitätssicherung fortlaufend anlassbezogene Interviews mit unseren Kunden durch. Wir lassen uns aus Kundensicht direkt schildern, wie zufriedenstellend der letzte Kontakt mit Vonovia verlaufen ist.

Die Befragungen decken alle wesentlichen Komponenten in der Beziehung zum Kunden ab: Von der ersten Kontaktaufnahme bei Interesse an einer Wohnung über Reparaturmeldungen und Wahrnehmung des gesamten Unternehmens bis zur Kündigung des Vertrags. Dabei möchten wir erfahren, wie das Unternehmen und seine Leistungen vom Kunden bewertet werden. Dieses Feedback ist die Basis für eine permanente und nachhaltige Optimierung der internen Prozesse und der weiteren Kommunikation mit dem Kunden.

Koppelung der Kundenzufriedenheit an die Vergütungsstruktur
Die Kundenzufriedenheit nimmt einen erheblichen Einfluss auf die langfristige variable Vergütung des Vorstands dessen nachfolgende Erfolgsziele, u.a. die Kundenzufriedenheit, vom Aufsichtsrat festgelegt werden:
a) Relative Total Shareholder Return,
b) Entwicklung des NAV je Aktie,
c) Entwicklung des FFO 1 je Aktie und
d) Kundenzufriedenheit (CSI); diese bezeichnet die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der Dienstleistungen bei den Kunden der Vonovia und ihrer Tochtergesellschaften und wird als „Customer Satisfaction Index (CSI) dargestellt. Der CSI wird in regelmäßigen Abständen durch systematische Kundenbefragungen erhoben und spiegelt die Wahrnehmung und Akzeptanz der Dienstleistungen der Vonovia durch die Kunden wider. Bei der Ermittlung des CSI werden Punktbewertungen zum Immobilienbestand und Umfeld, zur Kundenbetreuung, zur kaufmännischen und technischen Betreuung sowie zum Instandhaltungs- und Modernisierungsmanagement berücksichtigt.

Die vier Erfolgsziele sind jeweils mit 25 % gewichtet. Die finanzmathematische Bewertung erfolgt durch einen unabhängigen Gutachter.

Unternehmen, die sagen, dass sie lieber nichts sagen:

Commerzbank
Vielen Dank für Ihre Anfrage. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu diesem Thema nicht äußern möchten.

Infineon
Wir erhalten regelmäßig eine Vielzahl ähnlicher Anfragen. Daher bitte ich Sie um Verständnis, dass wir uns in aller Regel nicht an derartigen Umfragen beteiligen.

Linde
Vielen Dank für Ihre Anfrage - an der wir uns allerdings nicht mit einem Statement beteiligen möchten.

Sagen gar nichts:
  • Daimler
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  • Deutsche Post
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  • HeidelbergCement
  • Henkel
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  • Siemens
  • Thyssenkrupp

Sendedaten
makro
Wirtschaftseliten
Freitag, 5. Mai 2017, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Sendung
Wirtschaftseliten: Die da oben
"Eliten" haben im Moment keinen guten Ruf und stehen unter besonderer Beobachtung - auch die Wirtschaftseliten. Aber wer gehört dazu? Und sind die Chefs der großen Konzerne wirklich die Global Player, für die sie alle halten?
Interview
© ZDFVideoÜber Jahre ist der Eindruck einer globalen Wirtschaftselite gewachsen - einer Elite, die verschwörerisch zusammenhält. Der Soziologe Michael Hartmann entzaubert diesen Mythos vom globalen Netzwerk im Gespräch mit Eva Schmidt.
(Frankfurter Buchmesse, 22.10.2016)
Schwerpunkt
Gesellschaft