Französische Großkonzerne stehen für Spitzentechnologie, wie der Turbinenbauer Alstom. Darunter sieht es mau aus. © Alstom
Französische Großkonzerne stehen für Spitzentechnologie, wie der Turbinenbauer Alstom. Darunter sieht es mau aus.
Französische Großkonzerne stehen für Spitzentechnologie, wie der Turbinenbauer Alstom. Darunter sieht es mau aus.
Le Mittelstand
Frankreichs blinder Fleck
Der deutsche Mittelstand wird weltweit als Wirtschaftsmotor und Innovationsmaschine bewundert. Der französische fristet hingegen ein tristes Leben im Schatten der Großkonzerne.
Für Unternehmen führen in Frankreich alle Wege nach Paris. Die französischen Großunternehmen haben hier ihren Sitz. Sie bestimmen die Wirtschaft des Landes und sind auch die Nutznießer großzügiger staatlicher Förderprogramme. Der Mittelstand, gerade außerhalb der Hauptstadt, hat es wesentlich schwerer. Er geht bei der Verteilung staatlicher Subventionen oft leer aus.

Die Löhne in Frankreich sind hoch, ebenso wie die Sozialabgaben für Arbeitnehmer. Die Margen für die Unternehmen eher gering. Das Eigenkapital der mittelständischen Unternehmen ist folglich niedrig, das Geld für Investitionen fehlt. Nur wenige Unternehmen investieren genug in Forschung und Entwicklung, um auf dem Weltmarkt führend zu sein.

Externe Kapitalgeber gibt es kaum. Regionale Förderbanken existieren nicht und die OSEO, das französische Äquivalent zur Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), ist primär für Bürgschaften zuständig, weniger für Beteiligungen und Refinanzierungen.

Bürokratische Hürden
Mit einiger Bewunderung für Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit mittelgroßer deutscher Firmen blicken die Franzosen auf ihren rechtsrheinischen Nachbarn. So sehr, dass le Mittelstand seinen Weg sogar in die französische Sprache gefunden hat.

In die französische Wirtschaftspraxis leider kaum. Der Mittelbau der französischen Wirtschaft stagniert, und das schon seit Jahren. Auf ein klassisches mittelständisches Unternehmen, also eine Firma mit 50 bis 249 sowie 250 bis 500 Mitarbeitern, in Frankreich kommen zwei in Deutschland.

Auch das Einstellen neuer Arbeitskräfte ist für französische Mittelständler riskant. Gemeint ist damit nicht nur ein starker Kündigungsschutz. "Es gibt zahlreiche Unternehmen", sagt Frankreich-Kenner Prof. Henrik Uterwedde gegenüber makro, "die davor zurückschrecken, mehr als 49 Arbeitnehmer zu beschäftigen, weil ab 50 Beschäftigten schlagartig neue bürokratische Zwänge und Abgaben drohen."

Dauerbrenner im Wahlkampf
Tendenziell sind französische Unternehmen weniger exportorientiert als beispielsweise die Deutschen, was sich auch dadurch erklärt, dass der deutsche Mittelstand vor allem im produzierenden Gewerbe sehr aktiv ist. In Frankreich hingegen dominiert das Dienstleistungsgewerbe, das mehr auf den Binnenmarkt orientiert ist.

Das Thema Mittelstand wird alle fünf Jahre im französischen Präsidentschaftswahlkampf aufgegriffen, doch echte Lösungsansätze und Reformen gab es bisher nicht. Eine schnelle Lösung, so Experten, gebe es ohnehin nicht. Vielmehr sei es wichtig, Weichen zu stellen, um die Entwicklung eines dynamischen Mittelstandes über die nächsten Jahre und Jahrzehnte zu ermöglichen.

Sendedaten
makro
Frankreichs Misere
Freitag, 21. April 2017, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Frankreich-Sendung
Frankreichs Misere
Bei Frankreichs Präsidentschaftswahl steht viel auf dem Spiel. Einigkeit herrscht darin, dass sich grundlegend etwas ändern muss, um den jahrelangen Stillstand zu überwinden. Uneins ist man indes über die Richtung.
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