Wechselstube in Mexiko: Der US-Dollar gibt die Richtung vor. © reuters
Wechselstube in Mexiko: Der US-Dollar gibt die Richtung vor.
Wechselstube in Mexiko: Der US-Dollar gibt die Richtung vor.
Am kürzeren Hebel
Mexikos extreme Abhängigkeit von den USA
Die Abhängigkeit der mexikanischen Wirtschaft vom amerikanischen Nachbarn wird unter Trump zu einem immer größeren Risiko. Mexiko sucht vorsichtshalber schon mal nach Alternativen - und neuen Verbündeten.
Die Pläne von US-Präsident Donald Trump sind gewohnt widersprüchlich. Mal will er eine Importsteuer von 20% auf mexikanische Produkte, mal nicht. Mal will er das Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada (NAFTA) auflösen, mal neu verhandeln.

Für die mexikanische Wirtschaft brachen mit der Trump-Wahl turbulente Zeiten an. Schließlich ist die Wirtschaft des lateinamerikanischen Landes massiv von seinem nördlichen Nachbarn abhängig. Gut 80% (2015: 309 Mrd. USD) der mexikanischen Gesamtausfuhren von 381 Mrd. USD 2015) werden mit den USA abgewickelt. Dies vergleicht sich mit einer gesamten Wirtschaftsleistung von 1144 Mrd. USD (2015). Jegliche Form von Strafzöllen oder Exportbeschränkungen hätte schwerwiegende Auswirkungen.

<b>NAFTA</b><br />Seit dem Inkrafttreten der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta 1993 hat sich das US-amerikanisch-mexikanische Handelsvolumen etwa verfünffacht. Dabei wird in Mexiko längst nicht mehr nur billig produziert und in die USA exportiert. Es sind umfassend integrierte Produktions-, Handels- und Entwicklungs-Cluster beidseits der Grenze entstanden. NAFTA
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<b>Handel</b><br />Im Jahr 2015 importierte Mexiko Güter im Wert von 395 Mrd. USD. Die Exporte betrugen  380 Mrd. USD, mithin ein Importüberschuss von 15 Mrd. USD. Augenfällig ist die extreme Abhängigkeit vom Handelspartner USA. Der steht für 47% aller mexikanischen Importe und 81% aller Exporte. <br /><br /> Der Exportüberschuss (Waren, keine Dienstleistungen) mit den USA betrug 122 Mrd. USD, ein großes Ärgernis für Donald Trump. Im Ranking der Importländer folgen den USA noch China und mit weitem Abstand eine Reihe von Hightech-Ländern. Dies lässt auf die Produkte schließen, die Mexiko nicht selbst herstellen kann. Exportiert wird nach den USA, NAFTA-Partner Kanada und Handelsriese China viel in den lateinamerikanischen Raum. Handel
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Auf der Suche nach Alternativen
Aus diesem Grund sucht Mexiko nun nach Alternativen. Das Land soll stärker an den Rest der Welt heranrücken, so Außenminister Luis Videgaray. Unter anderem plant man eine Reform des Handelsabkommens mit der EU sowie neue Abkommen mit anderen Ländern. Auch der Handel mit den südamerikanischen Nachbarländern soll intensiviert werden.

Schlüsselsektoren wie die Energie- und Telekommunikationswirtschaft sollen für private Investoren geöffnet werden. Dabei hofft man vor allem auf China, dem ein großes Interesse am mexikanischen Markt nachgesagt wird.

Tourismus gibt Anlass zu Hoffnung
Zumindest als Urlaubsland steht Mexiko in den USA allerdings noch immer hoch im Kurs. Im vergangenen Jahr steigerte sich der Tourismusumsatz um gut 10% auf fast 20 Milliarden US-Dollar. Vor allem dank Urlaubern aus den USA. 14,5 der insgesamt 35 Mio. Touristen kamen aus den Vereinigten Staaten, doch auch die Deutschen reisen immer öfter nach Mexiko. Rund 230.000 deutsche Urlauber gaben dort vergangenes Jahr knapp 506 Mio. Dollar aus. Der schwache Peso, zusätzlich gedrückt durch die Wahl von Donald Trump, macht Mexiko als Reiseziel für Ausländer attraktiv.

Eine wirtschaftliche Unabhängigkeit vom nördlichen Nachbarn ist jedoch trotz verstärkter Anstrengungen weiterhin Utopie. Die wirtschaftliche Zukunft Mexikos liegt somit vorerst weiter in Trumps Hand.

Sendedaten
makro
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Freitag, 17. März 2017, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
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