Das Prinzip Einschüchterung als Stilmittel seiner Politik: Heute droht Donald Trump den Autobauern. Wer gerät als nächstes ins Visier? © dpa
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Das Prinzip Einschüchterung als Stilmittel seiner Politik: Heute droht Donald Trump den Autobauern. Wer gerät als nächstes ins Visier?
King of the Hill
Ernstfall Donald Trump
Wahlkampf, Twitter, Weißes Haus - Trump bleibt Trump, auch in Wirtschaftsfragen. Worauf müssen wir uns bei dem neuen Dealmaker-in-chief einstellen? makro-Moderatorin Eva Schmidt sprach mit USA-Kenner Matthias Fifka.
Vor der Amtseinführung Donald Trumps sind die Märkte angespannt. Dabei kannten sie seit seiner Wahl doch nur eine Richtung: Nach oben. In den USA zeigt sich auch das Wachstum weiter robust - trotz oder wegen Trump?

makro: Sprechen die Zahlen nicht dafür, dass Trump in Wirklichkeit der größte Hoffnungsträger der US-Wirtschaft ist?

Matthias Fifka: Amerikanische Unternehmen hoffen, dass Donald Trump Steuersenkungen durchsetzen und die Auflagen für Banken und Versicherungen lockern könnte. Diese Hoffnung hat die Rally an den Börsen seit Trumps Wahlerfolg genährt. Etwas Substantielles ist das jedoch nicht. Angesichts der prekären Haushaltslage der USA sind sich die Unternehmen auch bewusst, dass das Potential für Steuersenkungen eher begrenzt ist. Die seit Sommer 2016 gute wirtschaftliche Entwicklung hat ohnehin nichts mit Trump zu tun, sondern ist der konjunkturellen Dynamik geschuldet.

makro: Die Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, hat Trump vor schuldenfinanziertem Wachstum gewarnt. Sie könnte zudem der Börsen-Party ein Ende bereiten, indem sie weiter an der Zinsschraube dreht. Wird Yellen noch zu Trumps größter Widersacherin?

Matthias Fifka: Diese Warnung ist aufgrund der angesprochenen schwierigen Haushaltslage absolut gerechtfertigt. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung wird die US-Notenbank jedoch die Zinsen weiter erhöhen, das aber sehr behutsam tun. Denn sie ist sich sehr wohl bewusst, dass die Konjunktur noch immer mit abhängig ist von billigem Geld.

Den Börsen wird das nicht groß wehtun, weil man diese Entwicklung aktuell bereits "einpreist", nachdem sie nicht überraschend kommen wird. Als Widersacherin würde ich Janet Yellen nicht unbedingt sehen, auch aufgrund der Natur ihres Amtes, aber sie wird sich nicht scheuen, Trump deutlich zu widersprechen, wenn nötig. Das ist nicht zu unterschätzen, denn sie genießt ein sehr hohes Ansehen.

makro: Als größtes wirtschaftliches Risiko unter Trump nennen viele einen möglichen Handelskrieg zwischen den USA und China. Sehen Sie das auch so?

Matthias Fifka: Trump wird, so sieht es momentan aus, eine eher konfrontative Haltung zu China einnehmen. Fraglich ist allerdings, wie lange sich das durchhalten lässt. Die wirtschaftliche Abhängigkeit der USA von China ist sehr hoch, vor allem im Hinblick auf Importstrukturen. Der Konfrontation sind also Grenzen gesetzt, auch weil die amerikanische Wirtschaft keinerlei Interesse an einem Handelskrieg mit China hat. Da gäbe es nicht viel zu gewinnen.

makro: America first: Nicht nur Trump setzt auf Abschottung der Märkte. Der Welthandel wächst mittlerweile langsamer als die Weltwirtschaft. Bekommen wir Verhältnisse wie in den 30er Jahren?

Matthias Fifka: Diese Entwicklungen widersprechen jeglicher ökonomischen Rationalität, was natürlich nicht heißt, dass sich protektionistische Tendenzen in Luft auflösen werden. Im Falle der USA wird es beispielsweise nicht gelingen, Industriearbeitsplätze, für die kein höheres Qualifikationsniveau notwendig ist, in nennenswertem Umfang ins Land zurückzuholen. Wie auch, wenn in anderen Ländern Menschen ähnliche Arbeit für einen Bruchteil des Lohnes machen? Früher oder später wird es zu Enttäuschung und Ernüchterung bei denjenigen kommen, die solchen Versprechen Glauben schenken.

Einen großflächigen Rückfall in Vorkriegszeiten sehe ich, trotz der vereinzelten protektionistischen Strömungen, nicht. Dafür sind wirtschaftliche Aktivitäten heute zu sehr international miteinander verflochten, und protektionistische Grabenkriege - das hat die Vergangenheit gezeigt - bringen längerfristig niemanden etwas.

Das Interview führte makro-Moderatorin Eva Schmidt.

Sendedaten
makro
Was will Trump
Freitag, 20. Januar 2017, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
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Zur Person
© IannicelliProf. Dr. Matthias Fifka
Matthias Fifka ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind Unternehmensethik, Corporate Social Responsibility und internationale Wirtschaftsbeziehungen. Er beschäftigt sich seit 16 Jahren mit dem Wirtschaftssystem der USA und ist u.a. Visiting Professor an der University of Dallas.
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(makro, 09.11.2016)