In Kenia gibt es 110.000 M-Pesa-Agenten. In jeder Ecke des Landes kann man Bargeld auf sein Mobiltelefon einzahlen, oder sich welches auszahlen lassen.
In Kenia gibt es 110.000 M-Pesa-Agenten. In jeder Ecke des Landes kann man Bargeld auf sein Mobiltelefon einzahlen, oder sich welches auszahlen lassen.
Handyboom in Afrika
Technik, die die Welt verändert
Mobilfunk und Internet haben viele Länder in Subsahara-Afrika in den vergangenen Jahren stark verändert. Angefangen hat die revolutionäre Digitalisierung mit einem Handy-Bezahldienst.
2007 startete der Handy-Bezahldienst M-Pesa in Kenia. Seitdem sind viele Apps auf den Markt gekommen, die auf das mobile Bezahlsystem aufbauen. In Bereichen, die wir in Europa zur Grundversorgung zählen, haben sie bereits wichtige, für viele überlebenswichtige Fortschritte ermöglicht.

Die Handy-Bezahldienste füllen eine Marktlücke: Nur ca. 25% aller Afrikaner haben Zugang zu einem Bankkonto; Banken und Geldautomaten sind vor allem in Subsahara-Afrika (mit Südafrika als Ausnahme) in viel geringerer Dichte vorhanden als beispielsweise in Europa. Die Handy-Bezahldienste füllen eine Marktlücke: Nur ca. 25% aller Afrikaner haben Zugang zu einem Bankkonto; Banken und Geldautomaten sind vor allem in Subsahara-Afrika (mit Südafrika als Ausnahme) in viel geringerer Dichte vorhanden als beispielsweise in Europa.
Im Osten Afrikas, vor allem in Kenia, Tansania, Uganda und Somalia, sind die mobilen Bezahldienste mit über 30% Durchdringung am weitesten verbreitet. Doch auch im Süden - vor allem in Botswana - und im Westen Afrikas - vor allem in Ghana, der Elfenbeinküste und Mali - liegt die Durchdringung bereits zwischen 10 und 30 Prozent Im Osten Afrikas, vor allem in Kenia, Tansania, Uganda und Somalia, sind die mobilen Bezahldienste mit über 30% Durchdringung am weitesten verbreitet. Doch auch im Süden - vor allem in Botswana - und im Westen Afrikas - vor allem in Ghana, der Elfenbeinküste und Mali - liegt die Durchdringung bereits zwischen 10 und 30 Prozent

Die wichtigsten Apps, die durch das Handy-Bezahlsystem ermöglicht wurden, finden sich in den Bereichen Stromversorgung, Bildung, Landwirtschaft und Gesundheit. All diesen Diensten ist gemein, dass sie nicht nur auf Smartphones funktionieren, sondern auch auf einfachen Mobiltelefonen

Hier mehr erfahren zu den Apps und ihren Anwendungen

M-Pesa
© Stanley Oriaro
M-Pesa ist ein mobiles Bezahlsystem und funktioniert so: Bei einem M-Pesa-Agenten zahlt man Bargeld ein. Das wird dem Konto, das der SIM-Karte zugeordnet ist, gutgeschrieben. Per SMS bekommt man die Bestätigung, dass das Geld gebucht wurde und erhält den aktuellen Kontostand. Dann kann man mit einer PIN-Nummer von seinem Handy Geld auf andere Handy-Konten überweisen, im Supermarkt an der Kasse zahlen oder seine Strom-, Wasser und Internetrechnung begleichen. Hat man genug Geld angespart, kann man außerdem nach einiger Zeit einen Kleinkredit aufnehmen, der per SMS-Überweisung zurückgezahlt wird.

Eneza education
Eneza ist eine kommerzielle Lern-Plattform. Um sie zu nutzen, werden jede Woche 10 Cent vom Telefonguthaben abgebucht. Dafür bekommen Schüler Lernaufgaben aus den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften, Kisuaheli und Englisch per SMS auf ihr Handy. Die Aufgaben müssen sie ebenfalls per SMS beantworten. Die Ergebnisse bekommen sie gleich mitgeteilt. Fragen werden von Lehrern in einem Call-Center beantwortet. Das Call-Center von Eneza ist in Kenias Hauptstadt Nairobi. Hier beantworten Lehrer die Fragen der Schüler, meist per SMS. Eine Antwort innerhalb weniger Minuten ist garantiert.

Leap mHealth platform
Leap versorgt freiwillige Gesundheitshelfer mit Informationen und verschafft ihnen Zugang zu Beratung und Betreuung durch medizinisches Fachpersonal. Entweder können sie per Notrufnummer direkt mit Betreuern sprechen oder bekommen per SMS Fragen beantwortet. Es können auch Ferndiagnosen gestellt werden. Die Plattform erinnert Schwangere per SMS-Alarm an Untersuchungstermine, Aidspatienten an die Einnahmezeiten ihrer Medikamente, Blutspender an die nächsten Spende-Termine. Außerdem können Krankentransporte gerufen werden. Leap rettet Leben: Durch die Gesundheitsplattform konnte etwa die Kinder- und Müttersterblichkeit im Norden Kenias stark gesenkt werden.

M-Farm
Mit M-Farm können sich Bauern gegen eine kleine Gebühr per SMS oder über die App die aktuellen Marktpreise an den Lebensmittelbörsen anzeigen lassen. Zudem bekommen sie über einen Blog Tipps für die Aussaat, Düngemittel oder Wetterinfos. Und sie können ihre Produkte gleich auf einem Online-Marktplatz Händlern zum Verkauf anbieten. Der Dienst ersetzt damit teure Verkaufsagenten, die mitverdienen wollen, sorgt für mehr Markttransparenz durch Information und erhöht so den Gewinn der Bauern.

M-Kopa Solar
M-Kopa bietet eine Heim-Solarenergie-Anlage, die auf Ratenbasis abgestottert werden kann. Die Grundausstattung besteht aus einer Solarzelle, einer Kontrolleinheit mit Anschlussbuchsen zum Aufladen von Handys und Laptops. Außerdem drei LED-Glühbirnen und ein aufladbares Radio. Mit Hilfe des mobilen Bezahlsystems M-Pesa müssen nun ein Jahr lang jeden Tag 40 Cent einbezahlt werden. Danach gehört die Anlage dem Kunden. Dadurch wird Strom für viele erschwinglicher, deren Haus über keinen Stromanschluss verfügt - die vergleichsweise teure Stromerzeugung mit Generatoren gehört damit für viele Kunden der Vergangenheit an. Wer früher mehrere Kilometer bis zum nächsten Geschäft mit Stromanschluss zurücklegen musste, um sein Handy aufzuladen, kann das jetzt einfach zu Hause tun.

Handy ist wichtiger als Internet
Den größten Zuwachs bei der Handynutzung weißt Uganda auf.
Den größten Zuwachs bei der Handynutzung weißt Uganda auf.
In Afrika kamen 2015 im Schnitt 17 mobile Internetzugänge auf 100 Einwohner, eine im Vergleich mit hoch entwickelten Ländern immer noch geringe Durchdringung, dort sind es 87 pro 100 Einwohner. Betrachtet man die Verbreitung von Mobiltelefonen insgesamt, haben sich etliche afrikanische Länder in den letzten 15 Jahren jedoch dem Level der Industriestaaten rasant angenähert.

Im Ganzen liegt Afrika aber auch bei der Verbreitung von Handys noch hinter den Industriestaaten zurück: Laut einer Präsentation auf dem diesjährigen African Digital TV Development Seminar besaßen im vergangenen Jahr 67% aller Afrikaner ein Mobiltelefon, in Deutschland sind es beispielsweise mehr als 90%. Bei der Internetversorgung ist der Abstand zu hochentwickelten Staaten noch größer: 2015 hatten nur 21% der afrikanischen Bevölkerung Zugang zum Internet, nur 11% aller Haushalte haben einen eigenen Internetzugang. In den Industriestaaten benutzen im Schnitt 82% das Internet, 81% aller Haushalte haben hier zudem einen eigenen Zugang. Dabei spielt der etwa in Deutschland typische Breitbandanschluss über Festnetz oder Kabel in Afrika fast keine Rolle: Im Durchschnitt kam 2015 auf 100 Einwohner gerade einmal ein halber Breitbandanschluss, in den Industriestaaten sind es 29.

Sendung zum Thema
makro
Afrika Digital
Freitag, 9. Dezember 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr

Ein Film von Jörg Brase

Erstausstrahlung
Wirtschaftsdokumentation
Afrika Digital
Afrika digitalisiert sich mit rasender Geschwindigkeit. Das erregt das Interesse der Investoren. Bis 2020 sollen 60 Prozent des Kontinents ans digitale Breitbandnetz angeschlossen sein.
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Schwerpunkt
Afrika
Gold in Südafrika, unfairer Welthandel, Rückzugsraum für Despoten wie Mugabe in Simbabwe. Der letzte verkannte Binnenmarkt, Aufbruch, Tourismus und Armut: Afrika steckt voller Gegensätze.