Der weltweite kommerzielle Saatgutmarkt hat sich innerhalb von zwanzig Jahren extrem konzentriert.
Das Saatgut liegt in den Händen weniger Konzerne
Die Branche ist so konzentriert wie nie
Jahrtausende war das Saatgut Sache der Bauern. Heute ist es mehr und mehr ein Geschäft riesiger Konzerne. Nur eine Handvoll Unternehmen beherrscht die globale Produktion und bestimmt über Preise und Biodiversität.
Die Ernährung von demnächst zehn Milliarden Menschen ist ein lukratives Geschäft. Deshalb schließen sich immer mehr Agrarkonzerne zusammen. Dieses Oligopol ist das Resultat unzähliger Übernahmen und Fusionen. Erst im September dieses Jahres hat Bayer, zweitgrößter Pestizidhersteller den US-Konzern Monsanto gekauft und ist damit zum weltweit führenden Pflanzenschutz- und Saatguthersteller aufgestiegen.

Umstrittene Methoden im Saatgutgeschäft
Dabei dürfte Monsanto zu den unbeliebtesten Konzernen der Welt gehören. Das Unternehmen aus Missouri verbindet die Genmanipulation von Pflanzen mit einer fragwürdigen Vermarktung, die inzwischen auch von anderen Konzernen nachgeahmt wird. Monsanto schützt Pflanzenzüchtungen mit Patenten. Bauern müssen Saatgut jedes Jahr aufs Neue kaufen und dürfen nicht einfach einen Teil der Ernte für die neue Aussaat zurückhalten. Viele gentechnisch veränderte Pflanzen wie Soja oder Mais haben außerdem eine eingebaute Resistenz gegen Pestizide. Solche, die wirken, kann das Unternehmen den Bauern dann praktischerweise gleich mitverkaufen. Ein lukratives Geschäft. Bayer will diesen Kurs allerdings nicht fahren, wie Bayer-Chef Werner Baumann im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte: "Wenn die Gesellschaft gentechnisch verändertes Saatgut ablehne, akzeptiere Bayer dies. Und wir werden nicht über Umwege versuchen, etwas anderes durchzudrücken."

© dpa Gemeinsam wollen Bayer und Monsanto die industrielle Landwirtschaft weiter entwickeln.
Gemeinsam wollen Bayer und Monsanto die industrielle Landwirtschaft weiter entwickeln.
83 Mrd. Euro im Jahr setzt die Saatgutbranche momentan um. Neben Bayer und Monsanto wollen sich auch Dupont und Dow zusammen tun, außerdem bietet ChemChina, Chinas größter staatlicher Chemiekonzern, für die Schweizer Syngenta.

Francois Meienberg von der Nicht-Regierungs-Organisation Public Eye beobachtet diese Entwicklung kritisch: "Die Leidtragenden dieser Fusion werden die Bäuerinnen und Bauern sein. Erstens werden die Preise in die Höhe schnellen, aber auch die Auswahl wird kleiner, weniger Biodiversität."Meienberg befürchtet zudem, dass der Weg weiter in Richtung industrielle Landwirtschaft mit der Fortführung des Modells: genmanipuliertes Saatgut plus genau abgestimmtes Pestizid führen wird.

Das Recht auf Nahrung bedroht
Weltweit existiert ein informeller Saatgutmarkt, auf dem Bauern und Bäuerinnen Saatgut direkt tauschen und verkaufen. Gerade in Ländern des globalen Südens ist dieser Markt die wichtigste Quelle für Saatgut. In den "farmers rights", dem Saatgutvertrag der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen wird der Zugang zu Saatgut geschützt. Doch nach Ansicht von Hilfsorganisationen werden diese Rechte immer weiter durch Handelsabkommen und Gesetze zum Schutz geistigen Eigentums ausgehöhlt. Sie befürchten zudem, dass Megafusionen wie die von Bayer und Monsanto das Recht auf Nahrung bedrohen.

Sendedaten
Freitag, 16. Dezember 2016,
21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Thema der Sendung: Saatgut
© dpaKampf um die Saaten
Zehn Milliarden Menschen müssen 2050 ernährt werden. Eine riesige Aufgabe und ein riesiges Geschäft. Saatgut ist dabei ein entscheidender Faktor. Muss es genverändert und hocheffizient sein? Oder eher divers und angepasst?
Infografik
LupeTop 4 der Agrochemie
Mit der Übernahme von Monsanto setzt sich Bayer an die Spitze des weltweiten Agrochemiemarktes. Obwohl auch die beiden US-Konzerne DuPont und Dow Chemical sowie ChemChina mit dem Schweizer Konzern Syngenta fusionieren wollen, hat die Bayer-Monsanto-Allianz bei weitem das größte Gewicht in der Branche: 2015 standen die Sparten Pflanzenschutz und Saatgut für ca. 26 Mrd. Dollar Umsatz. DuPont/Dow Chemical sowie ChemChina/Syngeta wären 2015 im Post-Fusions-Szenario auf jeweils ca. 16 Mrd. Dollar gekommen.