Chinas Wanderarbeiter haben die beste Zeit hinter sich. © reuters
Chinas Wanderarbeiter haben die beste Zeit hinter sich.
Chinas Wanderarbeiter haben die beste Zeit hinter sich.
China: Billig wandert ab
Die Zeit der Wanderarbeiter ist vorbei
Vietnam oder Kambodscha, diese Frage stellen sich immer mehr Unternehmen und Unternehmer, die vormals ganz selbstverständlich in China produziert haben. China setzt indessen auf High Tech.
Das hat es in China bislang nicht gegeben: Menschen, die Arbeit suchen müssen. Denn Arbeit war genug da im China des Aufschwungs. Aber heute sind junge Leute und fachliche Qualifikationen gefragt - keine Wanderarbeiter.

Die Sonderwirtschaftszone Shenzhen im Süden Chinas zum Beispiel stand für einen spektakulären Aufschwung, den das Land im bisherigen Tempo hinter sich hat - Shenzhen wuchs vom Dorf zur Metropole. Das zog auch viele Menschen vom Land an. Die Werkbank der Welt - das waren hauptsächlich Wanderarbeiter. Sie werden immer seltener gebraucht.

Produktionsverlagerung ins Ausland
Geschlossene Fabriken, Arbeitslosigkeit - Ernüchterung im erfolgsverwöhnten Perlflussdelta: Das bisherige Modell Made in China - billig und schnell - funktioniert so nicht mehr. 200 Millionen Wanderarbeiter sind betroffen, weil sie mit neuen Techniken, neuen Anforderungen nicht mithalten können.

Doch auch Unternehmer in China stöhnen - und zwar über Billigkonkurrenz aus dem Ausland: Aufträge und Preise sinken, Löhne und Mieten steigen - Fluch und Segen der Globalisierung in Einem. Zugleich sei die Konkurrenz härter geworden, berichtet die Textil-Unternehmerin Lin Jiao: "Weil die Kosten so steigen, gehen einige Kunden in Länder, die günstiger sind als China heute. Wir können nicht mehr mit Vietnam, Kambodscha und Indien konkurrieren."

Wer kann, verlegt seine Produktion. Der chinesische Schuhhersteller Huajian fertigt inzwischen über 100.000 Paar Schuhe pro Jahr in Äthiopien. Die Parolen zum Ansporn der Arbeiter sind die gleichen wie in China - aber die Kosten sind hier drei Viertel niedriger.

Die Gebildeten schwimmen oben
China positioniert sich inzwischen anders: Innovationen, Workshops, neues Denken, Start-ups - der neue Fünf-Jahresplan ruft staatlich gelenktes Unternehmertum und Mittelstands-Förderung aus. Für junge Leute ist diese neue Welt mit ihrer neuen Anforderungen kein Problem: Sie gründen eigene Firmen mit staatlicher Unterstützung oder haben einen dieser neuen Jobs. Sie wollen Geld verdienen, Karriere machen, sich leisten, was der Westen längst hat, sind entsprechend ausgebildet.

Die Wanderarbeiter sind es nicht. Vielen geht es dennoch heute besser als früher, als sie in die prosperierenden Regionen kamen. Doch viele wissen nicht, was nun aus ihnen wird.

Sendedaten
makro
Globalisierung
Freitag, 4. November 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Globalisierungs-Sendung
Globalisierung
Länder, Menschen, Unternehmen vereint in einer arbeitsteiligen Welt: Das sollte der Garant für Wohlstand sein. Aber die Globalisierung schafft Gewinner und Verlierer - und steht massiv in der Kritik.