Forest City, den neuen Stadtteil zwischen Singapur und Malaysia, gibt es bisher nur als Animation. © Sasaki Associates
Forest City - den neuen Stadtteil zwischen Singapur und Malaysia gibt es bisher nur als Animation.
Forest City - den neuen Stadtteil zwischen Singapur und Malaysia gibt es bisher nur als Animation.
Auf Sand gebaut
Singapurs künstliche Inseln
Singapur, einer der reichsten Flecken Asiens, wächst weiter - ins Meer. Denn nur dort ist noch Platz. Ein neuer Stadtteil entsteht auf künstlichen Inseln zwischen Singapur und Malaysia.
Singapur, die asiatische Schweiz, wächst und wächst - horizontal und vertikal: Seit 1960 hat die Fläche des Stadtstaates um 20 Prozent zugenommen, hat sich die Bevölkerung verdreifacht. Um der Enge, um dem Kollaps zu entgehen, muss Singapur weiter Land gewinnen.

Für neue Büros, Wohnungen, Straßen, Häfen wird Sand aufgeschüttet. Der Boom-Staat dehnt sich ins Meer: Mit dem Bauboom und der Landgewinnung hat Singapur einen Bedarf an Sand von 5,4 Tonnen pro Einwohner pro Jahr! Die Existenz Singapurs hängt davon ab.

Doch die eigenen Ressourcen sind verbraucht - längst. Kambodscha, Vietnam, Malaysia und Indonesien - sie alle liefert Singapur seinen wichtigsten Rohstoff zu. Trotz offizieller Exportverbote, die vor Jahren verhängt wurden: Dadurch dass der Sandpreis in den letzten Jahren extrem gestiegen ist, sei dem illegalen Sandhandel Tür und Tor geöffnet, sagt der Geologe Dr. Peter Königshof vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt. Und es passiert nach wie vor, da Singapur Land gewinnen muss.

Sandschmuggel aus Kambodscha
© ap Ein Schlepper zieht eine Ladung Sand aus Kambodscha für die Aufschüttungen in Singapur.
Ein Schlepper zieht eine Ladung Sand aus Kambodscha für die Aufschüttungen in Singapur.
Das gelbe Gold kommt deshalb trotz Exportverbots immer noch nach Singapur. Aber wie?! Täglich erreichen Schiffe mit Sand den Hafen: Die große Nachfrage bei zu knappem Angebot hat das organisierte Verbrechen auf den Plan gerufen: Und tatsächlich berichtete schon 2010 die Nichtregierungsorganisation Global Witness von illegalen Sandkäufen Singapurs aus Kambodscha.

Überall dort in der Welt, wo Sand abgebaut wird, zeigen sich bereits die Folgen dieses exorbitanten Eingriffs: Inseln wurden abgebaut, Küsten erodieren, die Fauna unter Wasser verschwindet, in der Folge verlieren Fischer ihre Existenz. "Dies hat natürlich immensen Einfluss auf die lokale Fischereiwirtschaft", sagt der Geologe Königshof. "Die Fischer haben aber keine Lobby, werden nicht gehört, das wird gar nicht wahrgenommen." Diejenigen, die mit Sand handeln, seien die Gewinner, "ansonsten würde ich sagen, gibt es langfristig eigentlich keine Gewinner."

Ganz Asien baut
Die kurzfristigen Gewinner, die Sandexporteure, haben jetzt eine Einnahmequelle - aber inzwischen brauchen sie die Ressource Sand selbst - denn ganz Asien baut. Und boomt. Mehr Lebensraum, mehr Arbeitsraum, mehr Wohnraum - die Megastädte wachsen überall. Und so schnell, dass benötigte Ressourcen wie Sand gar nicht natürlich nachgeliefert werden können.

"Momentan haben wir ja den Trend, dass unglaublich viele Menschen insbesondere in den sich entwickelnden Ländern in diese Riesenstädte ziehen, weil jeder glaubt, dort ein Stückchen vom Kuchen abzubekommen", sagt Königshof. "Perspektivisch gesehen haben die Megacities natürlich immense Probleme - die nicht nur mit Erweiterung zu tun haben, sondern auch ökologischer und volkswirtschaftlicher Natur sind."

100 Quadratkilometer neue Fläche
Und so fahren die Bagger Tag und Nacht, denn ein Wachstumsstopp kommt nicht in Frage: Bis 2030 will allein Singapur weitere 100 Quadratkilometer Fläche aufschütten. Aus einem Gut, das nur wenige, begrenzte Alternativen hat: Das heißt also Recycling. Recycling von Beton zum Beispiel - also all jene Produkte, in denen viel Sand enthalten ist. Aber auch Recycling von Glas. "Wenn man Glas recycelt, hat das mehr oder weniger die gleichen Eigenschaften wie Sandkörner", sagt Königshof.

"Eine andere Alternative für Gebäude oder Brücken würde bedeuteten, man könnte den sogenannten Karbon-Beton benutzen. Das hat den großen Vorteil, dass Karbon nicht korrodiert." Das heißt, die Langlebigkeit ist größer. "Allerdings nutzt man so auch wieder fossile Reserven. Öl beispielsweise - und es ist auch immer eine Frage der Kosten."

Singapur, die asiatische Schweiz, könnte sich das leisten. Auf lange Sicht brauch der Stadtstadt aber eine Alternative zur Landaufschüttung. Sonst ist die wirtschaftliche Entwicklung im wahrsten Sinne auf Sand gebaut.

Sendedaten
makro
Sand - das neue Gold
Freitag, 15. Juli 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Sand-Sendung
Rohstoff Sand
Die Welt giert nach Sand. Hauptverbraucher ist die Bauwirtschaft. Autobahnen, Bahntrassen, Hochhäuser, die Urbanisierung Asiens - all dies verschlingt gigantische Mengen Sand. Und lockt die Räuber.
Wirtschaftsdokumentation
Singapurs Erfolgsmodell
Singapur gilt wirtschaftlich als Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Während in der Wirtschaftspolitik fast alles erlaubt ist, zeigt sich die Regierung ihren Bürgern gegenüber weit weniger offen.