Auch in Tourismusparadiesen räubern die Sandbagger. © mev
Auch in Tourismusparadiesen räubern die Sandbagger.
Auch in Tourismusparadiesen räubern die Sandbagger.
Kampf ums Paradies
Sandabbau an Kenias Küste
Meist kommen sie nachts, die Sandbagger. Der Rohstoff wird gebraucht für den Ausbau von Kenias Infrastruktur. Dabei geraten gleich zwei Wirtschaftszweige unter die Räder: Fischerei und Tourismus.
Kenias Küste am Indischen Ozean zählt zu den schönsten Stränden der Welt. Ein Paradies für Urlauber, geschützt durch vorgelagerte Korallenriffe. Doch in diesem Paradies droht jetzt Ärger.

Die Fischer am Tiwi-Beach sind sauer. Ein chinesisches Baggerschiff wühlt seit Monaten den Meeresboden auf. Mit verheerenden Folgen. "Wir fangen nichts mehr", empört sich ein Fischer. "Wir holen kaum noch Fische raus. Das Meer ist dunkel, wir sehen die Fische nicht mehr. Alles ist verdreckt. Wie lange soll es noch so weitergehen."

Meist wird heimlich gebaggert, im Schutze der Nacht. Der Beweis: Das Wasser ist direkt am Riff von braunen Sedimentwolken verdreckt.

Tourismuskiller Sandabbau
Nicht nur die Fischer, auch die Hotelbesitzer an der Küste schlagen Alarm: "Wenn das hier so weitergeht, die Regierung nichts dagegen unternimmt, wird das Folgen haben. Unsere Gäste werden den Strand nicht mehr so genießen können wie bisher."

Der Sand wird dringend gebraucht. Auch für den Ausbau des nahen Hafens in Mombasa und für den Ausbau der kenianischen Eisenbahn. Für die Regierung haben diese Projekte absoluten Vorrang. Offenbar auch auf Kosten von Kenias Naturschätzen.

So gefährdet der Ausbau des Hafens und der Eisenbahn einen anderen wichtigen Wirtschaftszweig Kenias: den Tourismus. Und der war aus anderen Gründen bereits eingebrochen: "Wir reden über 29.000 Angestellte in der Tourismusbranche, die ihre Jobs bereits durch die terroristische Bedrohung in Kenia verloren haben", sagt ein Hotelmanager. "Wenn jetzt noch das Sandbaggern hinzukommt, wird die Situation noch schlimmer werden, als sie bereits ist."

Gebaggert wird nachts
Eine Fahrt an das Riff vor Tiwi-Beach an die Stelle, wo in der Nacht zuvor gebaggert wurde, offenbart das Elend: Eine trübe Brühe, kein Sonnenstrahl dringt auf den Grund. "Die Fische sind abgehauen", sagt der Fischer. "Sie können nicht vernünftig laichen. Es wird weniger Nachwuchs geben. Es wird lange dauern, bis sich die Küste hier wieder erholt hat. Wir werden sehr viel Geld verlieren."

Die Küstengemeinden haben Widerspruch eingelegt. Offiziell haben die Behörden die Baggerarbeiten gestoppt, aber die chinesischen Saugbagger arbeiten einfach ungehindert weiter. Der Kampf um das Paradies an Kenias Küsten hat begonnen.

Sendedaten
makro
Sand - das neue Gold
Freitag, 15. Juli 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Sand-Sendung
Rohstoff Sand
Die Welt giert nach Sand. Hauptverbraucher ist die Bauwirtschaft. Autobahnen, Bahntrassen, Hochhäuser, die Urbanisierung Asiens - all dies verschlingt gigantische Mengen Sand. Und lockt die Räuber.
Schwerpunkt
Afrika