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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Die City of London ist das Dienstleistungs-Powerhouse Europas - und baut diese Rolle weiter aus. Für Großbritannien ist die City zugleich Fluch und Segen. © dpa Lupe
Die City of London ist das Dienstleistungs-Powerhouse Europas - und baut diese Rolle weiter aus. Für Großbritannien ist die City zugleich Fluch und Segen.
In der Dienstleistungsfalle
Großbritanniens Fluch der De-Industrialisierung
Ob nun der Brexit kommt oder nicht - das Wirtschaftsmodell Großbritanniens steht auf einem Bein. Es sind die Langzeitfolgen der Revolution in den Thatcher-Jahren.
Es ist nicht so, dass es gar keine positiven Meldungen zur britischen Wirtschaft gäbe. Die Industriebranche, die seit Monaten in der Rezession feststeckt, konnte ihre Produktion in den letzten drei Monaten wieder etwas ausweiten. Die Verbesserung geht jedoch fast ausschließlich auf die Lebensmittelbranche zurück und ist keine nachhaltige Entwicklung: Lebensmittelfabriken, die während des Hochwassers im letzten Winter schließen mussten, haben anschließend von einer erhöhten Nachfrage profitiert.

Die übrige Industrie verharrt in der Stagnation, in der sie sich seit Ende des letzten Jahres befindet. Insgesamt betrachtet erlebte die verarbeitende Industrie im April 2016 den schlechtesten Monat der letzten drei Jahre. 20.000 Jobs gingen in der Branche verloren.

Post-industrielle Leere
Es wird erwartet, dass die Rezession in der Industrie sich auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung niederschlagen wird. Die Europäische Kommission hat schon im März die Prognose für 2016 von 2,1% auf 1,8% korrigiert. Da der Industriesektor im Vereinigten Königreich aber lediglich 20% der Gesamtwirtschaft ausmacht, liegen die bisherigen Wachstumstreiber ohnehin woanders: im Banken- und Immobiliensektor. Beide Branchen sind allerdings keine Garanten für Produktivität und das Schaffen beständiger Arbeitsplätze.

Die britische Volkswirtschaft ist wie sonst keine in der EU auf Dienstleistungen ausgerichtet. Mit dem marginalisierten, kaum wettbewerbsfähigen Industriesektor ist sie stark auf Import angewiesen. Das letzte Mal war die britische Handelsbilanz vor 34 Jahren positiv, im Jahr 2015 ergab sich ein Defizit von 149 Milliarden Euro.

Abhängigkeit von ausländischem Kapital
Mit diesem Wirtschaftsmodell ist Großbritannien stark abhängig von ausländischem Kapital. Der Grund: Wenn eine Volkswirtschaft mehr Waren ein- als ausführt, importiert sie normalerweise auch mehr Kapital, als sie exportiert - es sei denn, die Importkosten können mit inländischen Spareinlagen gedeckt werden. In Großbritannien ist das nicht der Fall. Der Importüberhang wird dort vor allem mit Verschuldung gegenüber ausländischen Kreditgebern bezahlt.

Durch einen Austritt dürften zunächst neue Hürden für den Verkehr von Gütern und Dienstleistungen zwischen Großbritannien und der EU entstehen. Ökonomisch dürfte sich ein Austritt aus der EU also eher negativ als positiv für Großbritannien auswirken. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass sich Großbritannien nach einem Austritt vom europäischen Binnenmarkt komplett abschottet bzw. von der EU ausgeschlossen wird.

"Märkte sind nicht perfekt"
In der Automobilbranche sowie im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik scheint die britische Regierung dies auch erkannt zu haben. Dort hat sie sich bereits der Produktivitätssteigerung und der Förderung der Forschung verschrieben. In den übrigen Industriebranchen fehlt es jedoch an Strategien.

Die konservative Regierung scheint sich von der ideologischen Vorstellung nicht lösen zu können, dass es im Zweifel das Beste ist, den Markt sich selbst zu überlassen. Carolyn Fairbairn, Generaldirektorin der Confederation of British Industry (CBI) hat Anfang Mai indirekt darauf hingewiesen: "Märkte sind nicht perfekt - sie machen auf die bekannte Weise Fehler, besonders bei der Qualifikation, der Infrastruktur und den Investitionen in Forschung und Entwicklung." Der Industrieverband fordert daher Strategien für den gesamten Industriesektor.

Was bei der rein wirtschaftlichen Betrachtung außen vor bleibt, sind die möglichen politischen Folgen eines britischen Austritts für die Zukunft der Europäischen Union. Manche gehen zwar davon aus, ein Brexit schweiße den Rest der EU enger zusammen. Es braucht derzeit jedoch Optimismus, um nicht viel eher vom Gegenteil auszugehen.

Sendedaten
makro
Kommt der Brexit?
Freitag, 3. Juni 2016, 21.00 Uhr
Alles zur Brexit-Sendung
Kommt der Brexit?
Es steht viel auf dem Spiel für Großbritannien am 23. Juni: Der Brexit könnte die Wirtschaft des Königreichs ins Wanken bringen. Und Europa Freigeist, Common sense und Pragmatismus kosten.
Infografik
LupeUK am kürzeren Hebel
Irland exportiert Güter und Dienstleistungen im Wert von 11% seiner Wirtschaftsleistung (BIP) nach Großbritannien, Holland gut 6%. EU-weit jedoch machen Exporte nach UK nur 3,1% der europäischen Wirtschaftsleistung aus. Umgekehrt exportiert Großbritannien aber 12,6% seines BIP in die EU. Mit anderen Worten: Im Außenhandel ist die Abhängigkeit der Briten von Europa viel größer als umgekehrt.
Schwerpunkt
Europa