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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Großbritannien ist heute ein hochmodernes Land bei gleichzeitiger Wahrung eigener Tradition. Ein Brexit und mit ihm der Verlust an britischer Weltläufigkeit und praktischer Vernunft träfe EU-Europa hart. © ap Lupe
Großbritannien ist heute ein hochmodernes Land bei gleichzeitiger Wahrung eigener Tradition. Ein Brexit und mit ihm der Verlust an britischer Weltläufigkeit und praktischer Vernunft träfe EU-Europa hart.
Battle of Britain
Weltgeist gegen Kleingeist
Sollten die Briten sich im anstehenden Referendum für einen Austritt aus der EU, den Brexit, entscheiden, täten sie sich gewiss keinen Gefallen - doch untergehen würde Großbritannien nicht. Für EU-Europa wären die Aussichten weniger gut.
Eines muss man Großbritanniens Premier David Cameron lassen: Konfliktscheu ist er nicht. Gleich nach der Terminierung des Brexit-Referendums auf den 23. Juni zog er im britischen Parlament mit Vehemenz für einen Verbleib des Vereinigten Königreiches in der Europäischen Union in die Schlacht.

Wer die Aussprache verfolgen konnte, empfindet fast so etwas wie Neid ob der konfrontativen Klarheit der Debatte im Parlament von Westminster. Rumeiern funktioniert dort nicht. Wegducken erntet Spott. Cameron selbst hätte man in der Causa Europa soviel Herzblut und Witz gar nicht zugetraut.

EU-Gegner wetzen die Messer
Herzblut und Witz reichen aber nicht für einen Sieg der Remain-Campaign. Nur hauchdünn führen die EU-Anhänger die Umfragen an. Die Leave-Anhänger erhöhen bereits die Messlatte: Camerons "Parteifreundin" Nadine Dorries, prominente Befürworterin eines Brexit, erklärt, Cameron müsse schon mit 60 zu 40 gewinnen, um sich im Amt halten zu können. Ansonsten sei er "toast within days" - in wenigen Tagen erledigt.

Da könnte Frau Dorries sich täuschen. Denn ein Sieg des Remain-Lagers wäre ein klares Mandat für David Cameron, die britische Fahne in Brüssel hochzuhalten. Im Kreise der EU-Regierungschefs könnte er nach gewonnener Schlacht mit breiter Brust auftreten und auf Reformen im britischen Sinne drängen: Weniger Bürokratie, mehr wirtschaftliche Dynamik - was einige Länder vermutlich als Drohung verstehen werden. Hierfür fände er durchaus Aliierte - Nordeuropäer, Balten, auch Deutschland.

Diplomatisches Schwergewicht
Ein Sieg des Leave-Lagers andererseits wäre für die Verfasstheit der Europäischen Union, auch aus deutscher Sicht, eine veritable Katastrophe. Die Rede ist hier nicht von ein paar Prozent weniger Wachstum in Großbritannien oder wer in Europa wieviele Handelseinbußen hinnehmen müsste.

Die Wahrheit ist: Großbritannien ist aufgrund seiner Geschichte und seines Selbstverständnisses - Stichwort Empire - einer der wenigen EU-Staaten mit echter diplomatischer und militärischer Schlagkraft, neben Frankreich die einzige europäische Atommacht und die einzige Nation mit Vetorecht im UN-Sicherheitsrat. Wenn es darum geht, ob Europa ernst genommen wird in der Welt, ist das von entscheidender Bedeutung.

Anwalt ökonomischer Vernunft
Mit Blick auf die transatlantischen Beziehungen zum Beispiel sei Großbritannien für die EU ein wichtiger Mittler, sagt Jan Techau vom Brüsseler Think-Tank Carnegie Europe. Ein Londoner Think Tank, das Centre for European Reform, stellt in einer Studie fest, ein Brexit hinterließe eine EU, die "weniger liberal, dafür skeptischer gegenüber technologischem Fortschritt und protektionistischer" wäre.

Mit den Briten käme der Bundesrepublik innerhalb der EU ihr wichtigster Verbündeter in Fragen ökonomischer Prinzipien abhanden. Für beide Länder sind Konkurrenzfähigkeit im globalen Wettbewerb, Innovation und Handel der Schlüssel zum Wohlstand. Und zwar auf Basis solider Finanzen. Ohne Großbritannien sähe sich Deutschland einem europäischen Wirtschaftsmodell gegenüber, das geprägt ist vom Protektionismus der Franzosen und dem immerwährenden Finanzbedarf der Südeuropäer.

Westminster-Style
Die Briten sind keine einfachen Partner. Sie kennen ihre Interessen und streiten mit harten Bandagen. Der offene, direkte Schlagabtausch wie im Parlament von Westminster wird auch bei anderer Gelegenheit gepflegt. Zum Beispiel bei Verhandlungen in Brüssel. Trotzdem gilt es eines festzuhalten: Wenn es wirklich drauf ankam, stand das Vereinigte Königreich stets auf der richtigen Seite der Geschichte. Und hat seinen Kopf hingehalten. Zur Not allein.

Falls die Briten - souverän, pragmatisch, weltläufig und tough - sich von EU-Europa abwenden, dann weil es sich zu sehr über Dinge wie Agrarsubventionen und Glühbirnenverbot definiert, in ihren Augen unwürdiger Kleinkram, und sich vor den entscheidenden Fragen der Zeit wegduckt. Wegducken ist die Sache der Briten nicht. Auch wenn's wehtut: Die Auseinandersetzung wird angenommen, sie wird geführt und sie wird entschieden. Westminster-Style eben.

Sendedaten
makro
Kommt der Brexit?
Freitag, 3. Juni 2016, 21.00 Uhr
Alles zur Brexit-Sendung
Kommt der Brexit?
Es steht viel auf dem Spiel für Großbritannien am 23. Juni: Der Brexit könnte die Wirtschaft des Königreichs ins Wanken bringen. Und Europa Freigeist, Common sense und Pragmatismus kosten.
Infografik
LupeUK am kürzeren Hebel
Irland exportiert Güter und Dienstleistungen im Wert von 11% seiner Wirtschaftsleistung (BIP) nach Großbritannien, Holland gut 6%. EU-weit jedoch machen Exporte nach UK nur 3,1% der europäischen Wirtschaftsleistung aus. Umgekehrt exportiert Großbritannien aber 12,6% seines BIP in die EU. Mit anderen Worten: Im Außenhandel ist die Abhängigkeit der Briten von Europa viel größer als umgekehrt.
Brexit: Vorabinterview
Stay or leave?
Am 23. Juni stimmen die Briten über den Brexit ab. Über Europas Angst vor dem Big Bang sprach vorab makro-Moderatorin Eva Schmidt mit dem Politikwissenschaftler Roland Sturm.
Schwerpunkt
Europa
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