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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Ein Windpark bestehend aus 66 Siemens-Turbinen mit einer Nennleistung von je 2,3 MW. © Siemens AG Lupe
Ein Windpark bestehend aus 66 Siemens-Turbinen mit einer Nennleistung von je 2,3 MW.
Die Spur des Geldes
Siegeszug der Erneuerbaren nicht zu stoppen
Investitionen von heute definieren die Realität von morgen. Der erneute Investitionsrekord bei sauberer Energie teilt die Welt der Energieversorger in jene, die Zukunft gestalten, und jene, die untergehen.
Deutschlands große Stromkonzerne haben erneuerbare Energien lange Zeit als lästige Konkurrenz betrachtet, als das ungeliebte, rothaarige Stiefkind. Doch das Stiefkind ist längst erwachsen, rote Haare der letzte Schrei und die Stromriesen sind keine Riesen mehr. Während sie den mit Wind und Sonne einhergehenden Trend zur dezentralen Stromversorgung bekämpften, den Atomausstieg mit Klagen verschleppten und dank ihrer ausgezeichneten Kontakte in die Politik den Steuerzahler für die Verlängerung des Kohlezeitalters zur Kasse baten - und bitten -, sich also nach Kräften an ihr altes Geschäftsmodell klammern, schreitet ihre selbstverschuldete Verzwergung voran.

E.on hat seit 2007 rund 85% an Wert verloren, RWE ist mit minus 90% sogar vorweggegangen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wer hingegen wissen will, wie die Zukunft der Energieversorgung aussieht, muss auf die Investitionen von heute schauen. Und die stehen schon seit Jahren auf grün (siehe Infokasten "Investitionen in Kraftwerke").

Revolution schreitet voran
Trotz niedriger Preise für fossile Energieträger - Kohle, Gas, Öl - steigen die Investitionen in saubere Energien stetig an. Gleichzeitig wird sauberer Strom immer günstiger. Im März 2016 erhielt der italienische Energiekonzern Enel den Zuschlag zum Bau eines Solarkraftwerks in Mexiko. Preis pro Kilowattstunde (kWh): $3,6 Cent. Ohne Subventionen. Windstrom ist noch billiger. Für $3,0 Cent/kWh - ebenfalls ohne Subventionen - baut Enel einen Windpark in Marokko. Nach Aussagen von Michael Liebreich, Gründer von Bloomberg New Energy Finance (BNEF), ist dies Weltrekord.

Der Preis, erläuterte Liebreich in seinem Schlüsselvortrag zum Stand der Branche (siehe Infokasten "BNEF"), ist "das Herz des Erfolgs der erneuerbaren Energien und der Revolution, die wir beobachten." Der Preis für Windenergie ist seit 1985 mit jeder Verdopplung der installierten Kapazität um 19% gefallen. In der Photovoltaik ist der Preisverfall noch ausgeprägter: seit 1976 mit jeder Verdopplung der installierten Kapazität um 24%. Dabei setzen sich die Verbesserungen aus niedrigeren Kosten für Windturbinen bzw. Solarmodulen und höheren Wirkungsgraden zusammen.

Marktwirtschaftliche Instrumente
Hauptverantwortlich für den Preisverfall, so Liebreich, seien nicht mehr die Subventionen, sondern die Kostenersparnis durch Massenproduktion (Unternehmen sprechen von economies of scale). Das ist insofern eine gute Nachricht, als dass dies perspektivisch den Steuerzahler bzw. Stromkunden entlastet.

Was die staatliche Förderung der Erneuerbaren angeht, ist zwischen 2000 und heute ebenfalls ein Wandel zu beobachten. Das Prinzip der klassischen Einspeisevergütungen, wie Deutschland es mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgemacht hat, wird schrittweise reduziert und durch das Auktionsprinzip ergänzt bzw. ersetzt. D.h. es gibt Ausschreibungen zum Bau von Kraftwerken und derjenige bekommt den Zuschlag, der den günstigsten Preis bietet. Mit diesen Auktionen kommen die heute erreichbaren günstigen Erzeugerpreise auch beim Kunden an. Liebreich beziffert den Einspareffekt auf weltweit 35% (15-50% je nach Region), perspektivisch auf rund 50%.

Peak Coal
Bemerkenswert ist der Siegeszug sauberer Energie mit Blick auf den starken Preisdruck durch Gas und den für die Stromerzeugung mit Abstand wichtigsten Energielieferanten Kohle (Weltmarktanteil 40%). Die Preise für Erdgas haben sich in den vergangenen 10 Jahren etwa halbiert (Fracking), Kohle ist von 130 USD/Tonne im Jahr 2008 auf heute rund 50 USD/Tonne sogar noch stärker gefallen.

Das reflektiert zum Teil eine Ausweitung der Fördermenge, interessanterweise aber auch einen rückläufigen Kohleverbrauch in den Industrieländern und eine Stagnation in China (siehe Infokasten "Kohleverbrauch weltweit"). Wenn Großbritannien, das Mutterland der Industrialisierung, als Blaupause taugt, dürfte sich das Kohlezeitalter in einigen Jahrzehnten in Rauch aufgelöst haben (siehe Infokasten "Die Zukunft der Kohle").

Dummheit wird bestraft
Allein in den USA sind 2015 acht große Kohleförderer pleite gegangen. Im April 2016 setzte Peabody Energy die Serie mit der bisher größten amerikanischen Pleite des Jahres fort. In Indonesien hat es Bumi erwischt. Banken ziehen sich sukzessive aus der Förderung von Kohleprojekten zurück. Begründung: zu hohes Risiko.

Superinvestor Warren Buffett hat wie üblich einen guten Riecher. Schon seit Jahren investiert er über seinen Energieversorger MidAmerican Energy in sauberen Strom. Im April kündigte er den Bau eines riesigen Windparks im US-Bundesstaat Iowa an: 2000 MW Nennleistung (das entspricht etwa zwei Atommeilern) für 3,6 Mrd. USD.

Möglicherweise hätte die Führungsriege deutscher Stromkonzerne mit einem Praktikum bei MidAmerican Energy für die Zukunft ihrer Unternehmen, Kunden und Aktionäre mehr erreicht, als mit dem Versuch, mit einem Heer von Anwälten und Seilschaften in der Politik ein totes Pferd zu reiten.

Sendedaten
makro
Stromkonzerne in Not
Freitag, 20. Mai 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Stromkonzerne-Sendung
Stromkonzerne in Not
Deutschlands Stromkonzerne haben schon bessere Zeiten erlebt. Sie stecken tief in den Miesen und haben auf der Ausgabenseite einen großen Posten stehen: den Atomausstieg.
Investitionen in Kraftwerke
LupeDer aktuelle Vergleich von BNEF zeigt, dass bei Investitionen in Stromproduktion erneuerbare Energien bereits seit etlichen Jahren die Nase vorn haben. Das Verhältnis zu Investitionen in fossile Energieträger (Kohle, Gas) ist etwa 2:1. Wichtig ist jedoch zu berücksichtigen, dass Sonnen-, Wind und Wasserkraftwerke technologiebedingt in der Errichtung sehr teuer sind, also hohe Investitionskosten anfallen, dafür aber im laufenden Betrieb billig. Fossile Kraftwerke sind im Bau relativ gesehen billiger, dafür im laufenden Betrieb teurer, da Brennstoff benötigt wird.
BNEF
Die von Michael Liebreich gegründete Firma New Energy Finance wurde 2009 von Bloomberg gekauft. Bloomberg New Energy Finance (BNEF) gilt heute als der führende Informationsdienst für saubere Energie. Auf dem diesjährigen Future of Energy Summit war Liebreich, heute Chairman des Advisory Boards, einer der Keynote-Speaker. Seinen Vortrag als Video und die Präsentation als pdf finden Sie hier.
Kohleverbrauch weltweit
© BNEFLupeDie Grafik zeigt seit 2000 einen leicht rückläufigen Kohlekonsum in den Industrieländern (OECD) um ca. 150 Mio. Tonnen pro Jahr auf zuletzt gut 1000 Mio. t. Der vormals unersättliche Kohlehunger Chinas scheint bei 1900 Mio. t endlich gesättigt. Nur im Rest der Welt steigt der Verbrauch noch an: seit 2000 um rund 350 Mio. t auf zuletzt knapp 900 Mio. t.
Die Zukunft der Kohle
© BNEFLupeGroßbritannien hatte mit dem Energieträger Kohle das Zeitalter der Industrialisierung eingeläutet. Heute wird dort weniger Kohle verbraucht als 1860. In wenigen Jahren wird Kohle im Vereinigten Königreich Geschichte sein. Wenn die Analysten von BNEF recht haben, wird sich diese Entwicklung auch in anderen Industrieländern und - mit einiger Verzögerung - in heutigen Entwicklungsländern wiederholen.
Schwerpunkt
Umwelt - Nachhaltigkeit - Greentech