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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Das Atomkraftwerk Grohnde in Niedersachsen. Der Ausstieg aus der Kernenergie wird für die Industrie teuer. Und für den Steuerzahler. © dpa Video
[>> Interview aus der makro-Sendung ansehen]
Trend verschlafen
Insolvenz der Stromkonzerne nicht auszuschließen
Steuerzahler, übernehmen Sie! So in etwa lautet das Konzept der Energiekonzerne für Atomausstieg und Energiewende. makro-Moderatorin Eva Schmidt sprach mit Energieexperte Wolfgang Irrek.
Atomausstieg und Verfall der Strompreise: Versorger wie RWE, EON, Vattenfall und EnBW haben mit massiven Problemen zu kämpfen. Galten ihre Aktien früher als sichere Witwen- und Waisenpapiere, sind sie heute kaum noch etwas wert. Harte Sanierungen und ein radikaler Konzernumbau stehen an. Werden die deutschen Versorger diese Rosskur überstehen?

makro: Die Versorger haben einen Schuldigen für ihre finanzielle Misere gefunden: Den deutschen Atomausstieg. Sind diese Beschwerden berechtigt?

Wolfgang Irrek: Nein. Den Unternehmen sind die Grundpfeiler der Energiewende seit den 1980er Jahren bekannt. Spätestens mit dem so genannten Atomkonsens von 2000 war die Richtung klar, die im Energiekonzept der Bundesregierung von 2010 noch einmal festgezurrt wurde. Von daher hätten sich die Energiekonzerne frühzeitig auf den Wandel zu einem nachhaltigeren Energiesystem einstellen können. Allerdings hat die Schnelligkeit des Ausbaus der erneuerbaren Energien auch viele Experten überrascht.

makro: Schaffen die deutschen Versorger den Wandel, sich von Atom- und Kohlestrom zu lösen und auf regenerative Energien zu setzen?

Wolfgang Irrek: Der Ausstieg aus der risikoreichen Nutzung der Atomkraft ist gesetzlich festgelegt und unumkehrbar. Das erste Energiewende-Szenario des Öko-Instituts von 1980 sah als Alternative zu Atomkraft und Erdöl die Nutzung erneuerbarer Energien und heimischer Braun- und Steinkohle vor. Aufgrund der hohen spezifischen CO2-Emissionen beim Verbrennen von Kohle setzen Klimaschutzszenarien heute dagegen auf den schrittweisen Ausstieg aus der Kohlenutzung. Letztlich entscheiden aber die Preisverhältnisse im Energiemarkt, ob und mit welchem Tempo dieser Weg begangen wird.

Und diese werden stark durch staatliche Rahmenbedingungen beeinflusst. Bei RWE betrug der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien an der gesamten Stromproduktion 2015 nur etwa 5%, der Anteil des Kohlestroms dagegen knapp 60%. Bei den derzeitigen Preisverhältnissen für Kohle und CO2-Zertifikate und den sinkenden Auktionsergebnissen für Strom aus erneuerbaren Energien wird sich daran in nächster Zeit kaum etwas ändern. Wenn die Stromgroßhandelspreise allerdings auf dem derzeitigen niedrigen Niveau bleiben, lohnt sich keinerlei Stromproduktion mehr.

makro: Die Atomkommission des Bundes hat kürzlich einen Vorschlag unterbreitet, wonach die vier großen Stromkonzerne 23,3 Milliarden Euro in einen staatlichen Fonds einzahlen. Dieser Fonds wird künftig die Zwischen- und Endlagerung von Atommüll finanzieren. Nimmt der Staat die Konzerne damit ausreichend in die Verantwortung?

Wolfgang Irrek: Nein. Würde der Kommissionsvorschlag so umgesetzt, wäre dies ein eklatanter Verstoß gegen das Verursacherprinzip. Die Konzerne werden gegen eine pauschale Zahlung all ihre finanziellen Verpflichtungen in Bezug auf die Zwischen- und Endlagerung radioaktiven Materials los. Nachschusspflichten mit teilweiser Solidarhaftung wie es sie bei den Schweizer Stilllegungs- und Entsorgungsfonds gibt oder Garantien der Atomkonzerne für den Fall möglicher Kostensteigerungen wie bei den öffentlichen Fonds in Finnland oder Schweden sieht der Kommissionsvorschlag nicht vor. Dabei ist heute noch völlig unklar, wo und auf welche Art und Weise einmal der radioaktive Abfall langfristig gesichert werden kann und wie viel dies kosten wird.

makro: Wenn das Geld im Fonds am Ende nicht ausreicht - ist der Steuerzahler der Dumme?

Wolfgang Irrek: Alle Kosten für Zwischen- und Endlagerung, die durch die Fondsmittel nicht gedeckt sind, soll nach den Kommissionsvorschlägen der Staat übernehmen, d. h. letztlich die Steuerzahler, die als Stromkunden über die Strompreise alles schon einmal bezahlt haben. Juristisch zu prüfen wäre, ob diese Begünstigung der Atomkonzerne nicht nur gegen das Verursacherprinzip, sondern auch gegen EU-Beihilferecht verstößt.

makro: Der Atomausstieg soll einerseits kein Milliardengrab für die Steuerzahler werden, aber andererseits auch nicht die angeschlagenen Stromkonzerne in die Pleite zwingen. Wie könnte ein vernünftiger Kompromiss aussehen?

Wolfgang Irrek: Ob die Stromkonzerne insolvent werden oder nicht, hat mit dem Atomausstieg nichts zu tun. Das Insolvenzrisiko der Energiekonzerne hängt allein an ihrer Fähigkeit, ihre Geschäftsbereiche im Zuge der Energiewende profitabel zu entwickeln. Die Übertragung von Vermögenswerten der Energiekonzerne in einen öffentlich-rechtlichen Fonds, aus dem der Rückbau der Atomkraftwerke und die langfristige Sicherung des radioaktiven Materials bezahlt werden, schützt aber zukünftige Steuerzahler vor gravierenden Auswirkungen einer nicht auszuschließenden Insolvenz.

Sendedaten
makro
Stromkonzerne in Not
Freitag, 20. Mai 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Stromkonzerne-Sendung
© reutersStromkonzerne in Not
Deutschlands Stromkonzerne haben schon bessere Zeiten erlebt. Sie stecken tief in den Miesen und haben auf der Ausgabenseite einen großen Posten stehen: den Atomausstieg.
Zur Person
© HRWProf. Dr. Wolfgang Irrek
Der Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Irrek leitet den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen-Energiesysteme an der Hochschule Ruhr West in Bottrop. Zuvor war er am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie tätig. Wolfgang Irrek forscht seit 1995 zu den Atomrückstellungen der Stromversorger.
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