Freitag 21.00 Uhr
Kalender
Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
25
26
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
1213
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
Navigationselement
Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
Navigationselement
Solange Europas Krisenländer nicht wettbewerbsfähig sind, bleiben sie auf dauerhafte Transferzahlungen angewiesen. © dpa Lupe
Solange Europas Krisenländer nicht wettbewerbsfähig sind, bleiben sie auf dauerhafte Transferzahlungen angewiesen.
Das fehlende Ventil
Konstruktionsfehler des Euro sind nicht behoben
Der Streit um Griechenland dreht sich vornehmlich um Schulden, Stolz und Defizite - mithin um den Umgang mit Symptomen. Die wirklichen Ursachen der Eurokrise liegen viel tiefer.
Vergangenen Herbst wurde Griechenland von den Flüchtlingsmeldungen aus den Schlagzeilen verdrängt, jetzt ist es zurück auf der Agenda. Im Juli muss Athen insgesamt 3,67 Milliarden an seine Gläubiger, darunter der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank (EZB), zurückzahlen. Dafür braucht die Regierung frisches Geld aus dem Rettungsschirm ESM. Griechenland und die übrigen Euro-Länder haben sich beim Treffen der Eurogruppe zuletzt angenähert. Wie es aussieht, kann die nächste Tranche am 24. Mai von den europäischen Finanzministern auf den Weg gebracht werden.

Die tieferen Ursachen der Probleme werden mit dieser Einigung jedoch höchstens einseitig angegangen. Was uns jetzt wieder als Griechenlandkrise begegnet, ist nach wie vor ein Symptom einer viel tieferen europäischen Krise. Griechenland ist wirtschaftlich das schwächste Glied in der Kette der Eurostaaten. Große Teile der griechischen Bevölkerung haben am meisten damit zu kämpfen, dass anstelle einer nachhaltigen Lösung der Eurokrise seit Jahren mit Krediten und der EZB-Geldflut (siehe rechts "Die Nullzinsfalle") Zeit gekauft wird.

Der Konstruktionsfehler
Einen großen Anteil an dieser Krise hat ein Konstruktionsfehler, auf den Ökonomen schon hingewiesen haben, als die ersten Pläne für eine gemeinsame europäische Währung bekannt wurden: In der Eurozone müssen Volkswirtschaften mit großen Unterschieden in der Wettbewerbsfähigkeit mit ein und derselben Währung zurechtkommen. Im Optimalfall ist eine Währung ein Maßanzug für eine Volkswirtschaft. In der Eurozone muss dieser Anzug 19 Volkwirtschaften passen.

Rutscht die Wirtschaftsleistung in die Rezession ab, besteht für einzelne Länder nicht die Möglichkeit, die Währung abzuwerten, was Investoren ins Land locken und die Nachfrage nach heimischen Gütern beflügeln würde. Wie einer schwachen Wirtschaft von einer starken Währung die Luft abgedrückt wird, hat sich in der Geschichte immer wieder gezeigt - die Einführung der D-Mark in den neuen Bundesländern hat der nicht wettbewerbsfähigen DDR-Wirtschaft den Garaus gemacht.

Fehlender Ausgleichsmechanismus
Natürlich können wirtschaftlich unterschiedlich starke Regionen in einem Währungsraum Platz finden, ohne in ernste Schwierigkeiten zu geraten. Ohne Ausgleichssysteme (siehe Infokasten "Interaktive Grafik") - im wiedervereinigten Deutschland ist das bis heute der Finanztransfer von West nach Ost - oder eine entsprechende Arbeitsmigration von schwachen in starke Regionen kann das auf Dauer jedoch nur schiefgehen.

Entwürfe für einen solchen Ausgleich liegen längst auf dem Tisch. Eine gemeinsame europäische Arbeitslosenversicherung etwa könnte nach Ansicht der EU-Kommission dafür sorgen, dass in Ländern, die eine Rezession erleiden, die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen schnell stabilisiert wird. Konjunkturschocks würde man so frühzeitig und automatisch abfangen - ohne dass darüber jedes Mal verhandelt werden müsste.

Abgestimmte Wirtschaftspolitik
Auch an einer wirklich abgestimmten Wirtschaftspolitik der Euroländer führt in einer Währungsunion langfristig kein Weg vorbei. Solange wettbewerbsstarke Länder wie Deutschland voll auf Export setzen, werden schwächere Südländer weiterhin Probleme haben, ihre Produkte zu verkaufen. Solange der Euro fortbesteht und diesen massiven Ungleichgewichten in den Handelsbilanzen nichts entgegengesetzt wird, ist dieser Vorsprung in der Wettbewerbsfähigkeit einfach nicht aufzuholen.

Nationale Brille
Was also steht solchen nachhaltigeren Lösungen im Weg? Wenn man es auf den Punkt bringen will: die voneinander abgeschotteten nationalen Öffentlichkeiten der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten. Eine ganz simple, aber oft unterschätzte Hürde ist die Sprachbarriere, die das Entstehen einer wirklich europäischen Öffentlichkeit erschwert.

Die hysterische Debatte um die Verlängerung des Hilfsprogramms für Griechenland im letzten Sommer hat gezeigt, wie in solchen Fragen vor allem mit dem Interesse "der Griechen" oder "der Deutschen" argumentiert wird. Die Mehrzahl der Wähler und Politiker orientiert sich nach wie vor daran, was der "eigenen" Bevölkerung vermeintlich am meisten nützt. Eine Identifikation über die Staatsgrenzen hinweg, etwa die der deutschen Mittelschicht mit der griechischen, findet in der breiten Öffentlichkeit nicht statt.

Streitpunkt Schuldenschnitt
Ebendieses Hindernis blockiert nun einen Schuldenschnitt für Griechenland. Ein Schritt, den der IWF eigentlich für unerlässlich hält, wenn Griechenland irgendwann einmal aus der Rezession herauskommen soll. Die ohnehin verengte Wahrnehmung der Krise wird durch den europaweiten Erfolg rechtspopulistischer Parteien noch weiter simplifiziert und nationalisiert.

Gerade die deutsche Regierung wehrt sich mit Händen und Füßen gegen eine Schuldenerleichterung. Nach der Flüchtlingsdiskussion scheint es vor allem im Interesse der CDU/CSU zu liegen, nicht noch ein weiteres Lieblingsthema der AfD, die Ablehnung von Hilfspaketen, zu bedienen. Ein Wille zur Vertiefung der Währungsunion ist auf absehbare Zeit nicht erkennbar.

Sendedaten
makro
Griechenland vor dem Kollaps?
Freitag, 13. Mai 2016, 21.00 Uhr
Alles zur Griechenland-Sendung
Griechenland vor dem Kollaps?
Rentenreform, Privatisierungen, Steuererhöhungen. Die griechische Regierung muss weiter die Auflagen für neue Hilfsgelder umsetzen. Proteste dagegen legten jüngst das Land lahm.
Die Nullzinsfalle
Die Sparer in Europa leben seit Jahren mit einem Mini-Zins und zukünftig ganz ohne. Denn erstmals überhaupt hat die EZB in Frankfurt den Leitzins auf null gesenkt.
Interaktive Grafik
Griechenland vs. Spanien
Wer wissen will, ob eine Volkswirtschaft Überschüsse generiert und so ihr Vermögen mehrt, oder ob sie Defizite generiert, also von ihrer Substanz lebt, schaut auf das, was Ökonomen die Leistungsbilanz nennen.

Sowohl in Griechenland (rot) als auch in Spanien (weiß) und anderen südeuropäischen Ländern war die Leistungsbilanz jahrelang negativ. Das heißt, vereinfacht ausgedrückt, dass weniger Geld reinkommt als rausgeht. Mit der Einführung des Euro 1999 hat sich diese Unwucht immer weiter verstärkt: Die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Einnahmeseite sinkt.

Das macht ein Land abhängig von externem Kapital (Verschuldung, Auslandsinvestitionen). Bleibt das weg, geht ziemlich schnell das Licht aus. Spanien hat dank Strukturreformen und einem schwächeren Euro die Kurve gekriegt. Das Land erwirtschaftet wieder Überschüsse.

Griechenland nicht. Zwar ist die griechische Leistungsbilanz ausgeglichen, aber nur, weil der europäische Steuerzahler mit Rettungspaketen die strukturelle Lücke füllt. Das aktuelle Programm läuft von August 2015 bis August 2018. Es hat ein Volumen von 86 Mrd. Euro, was knapp 30 Mrd. Euro pro Jahr entspricht. Damit wäre auch die Richtgröße des jährlich erforderlichen Finanztransfers definiert, den Griechenland zukünftig benötigt, sollte es durch interne Reformen nicht wieder wettbewerbsfähig werden.
Schwerpunkt
Die Akte Griechenland
Seit 2010 beschäftigt sich makro immer wieder mit den Hellenen und ihrer nicht enden wollenden Schuldenkrise.