Freitag 21.00 Uhr
Kalender
Dezember 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
Navigationselement
Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
Navigationselement
Live-Interview mit Jürgen Stark aus der Sendung ansehen © reuters Video
[>> Live-Interview mit Jürgen Stark aus der Sendung ansehen]
"Grenzen der Geldpolitik"
Mario Draghi und die Wutsparer
Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, 2012 aus Protest zurückgetreten, sagt im Vorabinterview mit makro-Moderatorin Eva Schmidt, eine abrupte Umkehr der EZB-Politik sei überhaupt nicht mehr möglich.
Deutschlands derzeit populärster Sündenbock ist Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank. Schießen sich Politiker vielleicht nur deshalb auf ihn ein, weil sie von eigenen Versäumnissen bei der Euro-Rettung ablenken wollen? Oder zerstört Draghis Kurs tatsächlich das verbliebene Vertrauen in den Euroraum?

makro: "Whatever it takes": Diese drei Worte schrieben Weltgeschichte, als Draghi 2012 versprach, alles zu tun, um den Euro zu retten. Würden wir heute nicht schon längst wieder mit D-Mark zahlen, wenn Draghi nicht so entschlossen gehandelt hätte?

Jürgen Stark: Mit diesen drei Worten wurde eine Garantie insbesondere an Italien und Spanien gegeben, die Refinanzierung der Schulden zu akzeptablen Bedingungen zu sichern. Das war eine Panik-Maßnahme. Es wurden Gefahren für den Euro gesehen, die aber nicht wirklich bestanden. Folge: insbesondere von Italien wurde der Druck genommen, seine Volkswirtschaft grundlegend zu reformieren.

makro: Stichwort Reformen: Mario Draghi ist kürzlich zur Gegenoffensive übergegangen. Seine Geldpolitik sei die einzige Politik gewesen, "die in den letzten vier Jahren das Wachstum vorangetrieben habe." Ist das eine berechtigte Ohrfeige an die Reformbereitschaft der Euroländer?

Jürgen Stark: Das wirtschaftliche Wachstum im Eurogebiet kam in den letzten Jahren insbesondere von Deutschland und bisher erfolgreichen Reformländern wie Irland und Spanien. Die EZB-Politik seit 2014 zeigte keine besondere Wirkung auf das Wirtschaftswachstum. Das ist nicht verwunderlich. Die Geldpolitik wird immer weniger wirksam, wenn die Zinsen bereits sehr niedrig sind, die Verschuldung immer noch sehr hoch ist und die Banken in vielen Ländern immer noch besondere Lasten auf ihren Bilanzen haben. Hier zeigen sich die Grenzen der Geldpolitik. Anstatt die reale Wirtschaft zu beflügeln, kommt es zu Übertreibungen bei den Vermögenspreisen, wie z.B. Aktien und Immobilien.

makro: Deutsche Politiker führen immer wieder ins Feld, Draghi enteigne die Sparer mit seiner Nullzinspolitik. Draghi kontert, die realen Zinserträge seien heute sogar höher als vor 20 oder 30 Jahren. Wer hat Recht?

Jürgen Stark: Die andauernde Nullzins-Politik hat eine Vielzahl negativer Folgewirkungen, auch für die traditionellen weitgehend risikolosen Sparformen. Es ist richtig, dass es auch in der Vergangenheit unter Berücksichtigung der Inflationsraten negative (Real-)Zinsen gegeben hat. Aber der Sparer spürte es nicht so sehr. Er verfügte am Jahresende über einen Zinsertrag. Dennoch wurde dieser durch die höhere Inflation "aufgefressen". Im Unterschied zu früher gibt es allerdings das Phänomen negativer Einlagenzinsen - das ist neu - und es ist ungerechtfertigt!

makro: Der Ruf nach einem Deutschen an der EZB-Spitze wird lauter. Ist das plumper Populismus oder braucht Deutschland tatsächlich mehr Gewicht in der EZB?

Jürgen Stark: Die Chance, einen Deutschen an die EZB-Spitze zu bringen, wurde 2011 von der Bundesregierung verspielt. Es wäre dann sicher eine andere EZB-Politik verfolgt worden. Die jetzige Diskussion kommt zur Unzeit. Außerdem muss man leider sehen, dass die Politik der EZB so massiv auf Expansion ausgerichtet ist und Finanzmärkte und Regierungen davon so sehr abhängig sind, dass eine abrupte Umkehr überhaupt nicht möglich sein wird.

makro: Einer der schärfsten Draghi-Kritiker ist Wolfgang Schäuble. Aber was wäre Schäubles "Schwarze Null" ohne Draghis Nullzinspolitik?

Jürgen Stark: Alle Euro-Regierungen zahlen niedrigere Zinsen, und die Risiken werden nicht mehr adäquat abgebildet. Auch Deutschland hat Vorteile. Alle Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von bis zu 7½ Jahren werfen eine negative Rendite ab. Die Zinslasten des Bundes verringerten sich zwischen 2008 und 2015 um insgesamt etwa 100 Mrd. Euro. Allerdings profitiert Deutschland auch von seiner außerordentlichen Bonität und gilt als sicherer Hafen. Andererseits gehen traditionellen Sparern Zinsen in etwa derselben Größenordnung verloren.

Sendedaten
makro
Die Nullzinsfalle
Freitag, 6. Mai 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Nullzins-Sendung
© reutersDie Nullzinsfalle
Die Sparer in Europa leben seit Jahren mit einem Mini-Zins und zukünftig ganz ohne. Denn erstmals überhaupt hat die EZB in Frankfurt den Leitzins auf null gesenkt.
Zur Person
© Metropolico.org, cc by-sa 2Dr. Jürgen Stark
Der Ökonom Jürgen Stark war 5 Jahre lang EZB-Chefvolkswirt. 2011 kündigte er aus Protest gegen die Aufkäufe von Staatsanleihen seinen Rücktritt an. Zuvor war Jürgen Stark Vizepräsident der Bundesbank. Vor allem in seiner Zeit als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium in den Jahren 1995 bis 1998 war er maßgeblich an der Einführung des Euro beteiligt. Jürgen Stark gilt als scharfer Kritiker der lockeren Geldpolitik.
Nullzins in Japan
Geholfen hat alles nichts
Japan kann Krise. Was Japan nicht kann, ist Krise beenden. Stagnation seit 25 Jahren. Dafür ist Nippon heute das größte wirtschaftspolitische Freilichtmuseum unserer Zeit. Warum das für Europa wichtig ist.
Abgewatscht
"Geldpolitik der EZB ist am Ende"
Mario Draghi manövriert die EZB mit seiner Nullzinspolitik zusehends in die Sackgasse. Ein Weltmarktführer bekommt dies besonders zu spüren. Sein Chef redet nun Klartext. Und setzt auf mittelalterliche Methoden.
(makro, 24.03.2016)
Wirtschaftsdokumentation
Die neue Macht am Main
Mit dem Einzug in ihre neue Zentrale erweitert die EZB ihre Aufgaben. Sie übernimmt die Aufsicht über Europas Banken. Und betreibt immer direkter Wirtschaftspolitik. Man könnte sagen: Die EZB wird amerikanisch.
(makro, 31.10.2014)