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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Die Freizügigkeit des Personenverkehrs ist eine zentrale Errungenschaft der Europäischen Union. Fällt mit ihr als nächstes der freie Verkehr von Waren? © reuters Lupe
Die Freizügigkeit des Personenverkehrs ist eine zentrale Errungenschaft der Europäischen Union. Fällt mit ihr als nächstes der freie Verkehr von Waren?
Europas neue Abschottung
Was kosten Grenzkontrollen die Wirtschaft?
Das Ende von Schengen wirft ein schlechtes Licht auf den Zustand der Europäischen Union. Der Ökonom Matthias Lücke warnt im Interview mit makro aber vor Alarmismus: "Gesamtwirtschaftlich sind die Kosten gering."
makro: Im Zuge der Flüchtlingskrise haben Deutschland und fünf weitere Länder des Schengen-Raumes wieder temporäre Grenzkontrollen eingeführt. Deutsche und europäische Wirtschaftsvertreter warnen vor den Kosten der Grenzkontrollen. Wie schätzen Sie die Kosten ein?

Matthias Lücke: Die Verzögerungen an den betroffenen Grenzabschnitten sind ärgerlich für alle, die mit ihrem Auto im Stau stehen - oder auf ihrer Zugfahrt von Kopenhagen nach Malmö umsteigen müssen, statt wie früher durchzufahren. Gesamtwirtschaftlich betrachtet sind die Kosten aber gering, solange die Personenkontrollen wie jetzt auf einzelne Grenzabschnitte beschränkt bleiben. Es geht um Bruchteile von einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

makro: Jean-Claude Juncker sagte: "Wer Schengen killt, wird den Binnenmarkt zu Grabe tragen." Sehen Sie das ähnlich?

Matthias Lücke: Nein. Der Schengen-Raum und der Binnenmarkt sind zwei verschiedene Dinge. Mit der Vollendung des EU-Binnenmarktes wurde 1992 die Zollabfertigung für den gesamten Handel innerhalb der EU abgeschafft; das hat den innergemeinschaftlichen Handel wesentlich vereinfacht und beschleunigt. Im Schengen-Raum geht es lediglich darum, dass die Identität der Reisenden beim Überschreiten der inneren Grenzen normalerweise nicht mehr kontrolliert wird. Wenn solche Personenkontrollen effizient organisiert sind, dauern sie nur ein paar Minuten - wie die Bezahlung der Autobahnmaut in Südeuropa oder der Zutritt auf ein großes Firmengelände.

makro: Wie ist Ihre Meinung zu den Grenzkontrollen? Ist es gerechtfertigt, Schengen temporär auszusetzen?

Matthias Lücke: Das Schengen-System beruht darauf, dass im Innern Reisefreiheit herrscht, an den äußeren Grenzen aber nur Reisende mit einem Schengen-Visum oder Staatsangehörige aus Drittländern ohne Visumpflicht eingelassen werden. 2015 sind viele hunderttausend Flüchtlingsmigranten in den Schengen-Raum gekommen, ohne dass sie bei ihrer Ankunft ordnungsgemäß registriert wurden und über ihren Asylantrag entschieden wurde. Viele Flüchtlingsmigranten sind in einige wenige EU-Mitgliedsländer weitergereist in der Hoffnung, dort dauerhaft zu leben. Diese EU-Mitgliedsländer fühlten sich schließlich überlastet und haben ihre nationalen Grenzen für Flüchtlingsmigranten geschlossen, die aus einem anderen EU-Mitgliedsland kamen. So versuchen sie, sich vor den Folgen der lückenhaften Kontrollen an den Schengen-Außengrenzen zu schützen.

makro: Es werden immer wieder neue Fluchtwege gefunden und dadurch immer wieder Grenzen betroffen sein. Werden wir überhaupt wieder zur Normalität, d.h. zu "Schengen" zurückkommen?

Matthias Lücke: Durch Internet, Mobiltelefone und soziale Medien wird es immer leichter, aus Afrika und Asien irregulär nach Europa zu reisen. Wenn wir die Einwanderung steuern und nur Schutzbedürftigen Asyl gewähren wollen, müssen wir Einwanderungswillige an den Schengen-Außengrenzen abweisen, wenn sie die notwendigen Voraussetzungen nicht erfüllen. Deshalb wird die Sicherung der Schengen-Außengrenzen eine immer wichtigere Aufgabe werden.

makro: Was muss passieren, damit Europa wieder gemeinschaftlich funktioniert?

Matthias Lücke: Die EU-Mitgliedsstaaten müssen das Management der Außengrenzen des Schengen-Raums und den Schutz von Flüchtlingen als gemeinsame Herausforderung begreifen. Insbesondere dürfen Griechenland und Italien nicht mit der administrativen und finanziellen Verantwortung für die Flüchtlingsmigranten allein gelassen werden.

Alles zur Europa-Sendung
© reutersSchengen in Gefahr
Das Schengener Abkommen galt als Meilenstein der Europäischen Union. Doch nun haben einige Mitgliedsstaaten wegen der Flüchtlingskrise wieder Grenzkontrollen eingeführt. Was sind die wirtschaftlichen Folgen?
Zur Person
© IfWProf. Dr. Matthias Lücke
Der Volkswirtschaftler Matthias Lücke forscht am Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel über Arbeitsmigration, wirtschaftliche Entwicklung und Außenhandelspolitik. Dabei geht es um die Gestaltung einer Migrationspolitik, die das Potenzial internationaler Arbeitsmigration für die Migranten, die Herkunftsländer und die Zielländer voll ausschöpft. An der Universität Kiel unterrichtet Matthias Lücke den Kurs Ökonomik der europäischen Integration. Von 2000 bis 2003 hat Matthias Lücke als Senior Economist beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington, D.C. gearbeitet.
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Tabuzone €uropa
Einer für alle und alle für einen. Mit diesem Solidaritätsgelöbnis sollte die EU funktionieren. Doch Finanzkrise und Flüchtlingsdrama zeigen, wie uneins die Länder Europas sind.
(makro, 30.10.2015)
Schwerpunkt
Europa