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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Viele der vernachlässigten Krankheiten werden durch Insekten oder mangelnde Hygiene übertragen. © Sanofi_James Gathany Lupe
Viele der vernachlässigten Krankheiten werden durch Insekten oder mangelnde Hygiene übertragen.
Vernachlässigte Krankheiten: "Bis zur Ausrottung"
Pharma-Firmen entdecken den Altruismus
Gegen viele Tropenkrankheiten gibt es Mittel, die bei uns kaum jemand braucht, und in den betroffenen Ländern kaum jemand bezahlen kann. Etliche Pharma-Firmen geben diese Arzneien nun günstig ab oder spenden sie gleich ganz.
Die Gefahr lauert im Wasser: Jedes Jahr sterben rund 220.000 Menschen an der Wurmkrankheit Bilharziose, die allermeisten von ihnen, rund 93%, in Afrika - ohne dass wir viel davon erfahren. Die Bilharziose gehört zu den 17 sogenannten "Vernachlässigten Krankheiten", die auf der Liste der Weltgesundheitsorganisation WHO stehen.

Darunter Lepra, die Schlafkrankheit, Dengue Fieber, und mehrere Wurmkrankheiten. Die Bundesrepublik zählt zusätzlich Malaria und Tuberkulose dazu. Laut WHO starben allein 2015 1,5 Mio. Menschen an Tuberkulose, 438.000 an Malaria und bis zu 30.000 an der von Sandmücken übertragenen Tropenkrankheit Leishmaniose.

Die einen haben's, die anderen brauchen's
Noch immer wird wesentlich mehr Geld in die Bekämpfung von Krankheiten in reichen Ländern gesteckt als in die von Massenkrankheiten der Armen. Schuld ist vor allem ein Strukturproblem: Die Regierungen der armen Länder investieren kaum in die Gesundheit ihrer Bürger, erst recht nicht in Grundlagenforschung.

Die Bundesregierung fördert zwar universitäre Forschung - aber nicht gezielt über Tropenkrankheiten. Und die Privatwirtschaft will und muss Geld verdienen. Forschung ist langwierig, teuer und muss sich am Ende rechnen - auch hierzulande.

"Die Frage, ob sich mit diesem Arzneimittel später Geld verdienen lässt, ist ein Gesichtspunkt neben vielen anderen", sagt Dr. Siegfried Throm, Verband forschender Arzneimittelhersteller vfa. "Klar ist, dass ein Wirtschaftsunternehmen auch auf die Deckung der Kosten achten muss. Denn sie müssen ja auch ihre Leute bezahlen können und möglichst auch ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell betreiben, also in 10 oder 15 Jahren immer noch am Markt bestehen können."

Merck spendet Bilharziose-Mittel an WHO
Doch es scheint, dass auch in der Pharmabranche langsam umgedacht wird. Beispiel Merck: Der Darmstädter Pharmariese hat ein wirksames Mittel gegen die Wurmkrankheit Bilharziose entwickelt - und spendet nun Millionen Tabletten an die Weltgesundheitsorganisation WHO, die die Medikamente weiterverteilt. Merck selbst tritt vor Ort gar nicht in Erscheinung. Gewinn für die Firma: Null Komma Null.

"Als die WHO angefragt hat, hatten wir zugesagt, dass wir 200 Mio. Tabletten in zehn Jahren spenden, also 20 Mio. pro Jahr", erzählt Frank Gotthardt, Verantwortlicher für das Bilharziose-Spendenprogramm bei Merck. Dann sei aber klar geworden, dass der Bedarf deutlich höher liege. "Ich bin dann in die Geschäftsleitung gegangen mit einer Präsentation und habe gesagt, wir brauchen 250 Mio. Tabletten, pro Jahr." Also mehr als zehn Mal soviel. "Das hat die Geschäftsleitung beschlossen", fährt Gotthardt fort. "Und ich muss gestehen, ich war fast etwas erstaunt, aber bin auch stolz drauf." Die Geschäftsleitung von Merck hat dann beschlossen, die Tabletten bis zur Ausrottung der Krankheit zu spenden. "Niemand hat gefragt, wie lang das dauert", so Gotthardt.

23 Mio. US-Dollar lässt sich das Unternehmen die Tablettengabe pro Jahr kosten. Damit können 100 Mio. Menschen behandelt werden, etwa ein Drittel aller Betroffenen. Merck würde noch mehr spenden - doch die Afrikaner fordern die Medikamente nicht an.

Forschungspartnerschaften
Auch bei der Forschung gibt es neue Finanzierungsmodelle: Nichtregierungsorganisationen (NGOs) oder Stiftungen schießen Geld dazu - unter der Bedingung, dass das Medikament am Ende umsonst an Arme verteilt wird. Das Pharma-Unternehmen vermarktet dasselbe Medikament in der reichen Welt zu westlichen Preisen einfach unter anderem Namen.

Solche Forschungspartnerschaften sind gerade bei der Bekämpfung der vernachlässigten Krankheiten höchst erfolgreich - zum Nutzen aller. "Die Firmen haben sich in der sogenannten Londoner Erklärung verpflichtet, in diesem Bereich mehr zu tun", sagt Siegfried Throm vom vfa. "14 Firmen machen bei dieser Londoner Erklärung mit." Diese Firmen hätten 2014 Behandlungen im für 1,4 Mrd. Patienten gespendet. Nach Marktwert, gemessen an europäischen Preisen, entspreche dies etwa 3,5 Mrd. Euro.

Solche Zahlen ermutigen. Es könnte noch mehr getan werden - auch bei der medizinischen Infrastruktur vor Ort. Bis zur Ausrottung der nicht mehr ganz so vernachlässigten Krankheiten ist es noch ein weiter Weg.

Sendedaten
makro
Medikamente für alle!
Freitag, 15. April 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Pharma-Sendung
Medikamente für alle!
Pharmafirmen konzentrieren sich heute mit ihrer Forschung auf Krankheiten, die vor allem Bürger der alternden Industrienationen treffen - und große Gewinne versprechen.
Neclected Tropical Diseases
In der Summe sind rund 1,9 Milliarden Menschen von vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neclected Tropical Diseases - NTDs) betroffen. An manchen von ihnen leiden mehr als ein Milliarde Menschen (so beispielsweise an Spulwurm-Befall). Für rund eine halbe Milliarde Menschen jährlich sind NTDs die Todesursache, aber darüber hinaus sind sie auch eine wesentlicher Grund für Behinderung, körperliche Entstellung, Stigmatisierung, Einbuße an Leistungsvermögen in der Schule oder am Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.

Es ist jedoch möglich, die Krankheiten durch geeignete Behandlungsprogramme und Forschungsvorhaben zu heilen oder ihren Ausbruch von vorneherein zu verhindern. Aufgrund gemeinsamer Anstrengungen von Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft ist ein erstes Fundament bereits gelegt.