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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Muldenkipper in Eisenerzmine. Aus der Ferne sehen sie aus wie Spielzeugautos. Tatsächlich sind sie so groß wie ein Haus und bewegen eine Nutzlast von bis zu 400t. © reuters Lupe
Muldenkipper in Eisenerzmine. Aus der Ferne sehen sie aus wie Spielzeugautos. Tatsächlich sind sie so groß wie ein Haus und bewegen eine Nutzlast von bis zu 400t.
Nicht zu fassen
Das lange Sündenregister der Rohstoffhändler
Der Rohstoffhandel überzieht die Welt wie ein Netz, Dreh- und Angelpunkt ist die Schweiz. makro-Moderatorin Eva Schmidt fragt Rohstoffexperte Bernhard Klinzing, warum die Branche sich so ungern in die Karten schauen lässt.

makro: In der Schweiz gibt es rund 550 Unternehmen, die den weltweiten Handel mit Metallen und Rohöl sowie Nahrungsmitteln wie Kaffee oder Zucker abwickeln. Warum ausgerechnet in der Schweiz?

Bernhard Klinzing: Zum einen sind die Steuern in der Schweiz niedriger als in vielen anderen Ländern bei gleichzeitig stabilen politischen Verhältnissen. Zum anderen war lange Zeit das Bankgeheimnis attraktiv für "schmutzige" Gewinne sowie bis 2002 die Nicht-Mitgliedschaft in der UN, was Geschäfte mit Embargo-Staaten erleichterte. Hinzu kommt, dass es das Rechtssystem in der Schweiz den potentiellen Opfern schwer macht, Managern "an den Kragen gehen" zu können.

makro: Immer wieder gibt es Kritik an der Ausbeutung von Arbeitskräften und der Umweltzerstörung. Schließlich stammt der Großteil unserer Metallressourcen und Agrarrohstoffe aus Entwicklungsländern. Welche Verantwortung tragen dabei die Rohstoffhändler?

Bernhard Klinzing: Eine ganz entscheidende Verantwortung. Rohstoffhandel hat in der Regel eine geringere Marge als Rohstoffgewinnung. So haben viele Rohstoffhändler die Rohstoffgewinnung in ihr Geschäftsmodell integriert, allen voran Glencore und Xtrata, die sich 2012 zusammenschlossen. Ein sehr intransparentes Geschäft. Die Liste der Sünden ist lang: Vertreibung von indigenen Völkern, Diebstahl von deren Land, Monokulturen, die das Land ausbeuten, Vernichtung von Ackerflächen, Umweltschäden, Kinderarbeit, Geschäfte mit totalitären Regimen.

makro: Diese Unternehmen bewegen riesige Finanzvolumina. Zudem hat ihr Geschäft eine große geostrategische Bedeutung. Müsste nicht alleine schon aus diesen Gründen das globale politische Interesse viel höher sein, die Geschäfte der Rohstoffhändler transparent zu machen?

Bernhard Klinzing: Wenn "politisches" Interesse, im Sinne von polis - der Körperschaft gemeint ist, auf jeden Fall. Die Rohstoffunternehmen streichen gigantische Gewinne ein zu Lasten der Verbraucher, aber noch mehr der Bevölkerung der Länder, wo die Rohstoffe gewonnen werden.

Die Schweiz als Sitz der vielen Rohstoffkonzerne hat wegen der Steuereinnahmen natürlich wenig Interesse an mehr Transparenz und Sorgfaltspflichten. Die Regierenden in den Abbaustaaten ebenfalls nicht, weil irre Gelder durch Korruption und Briefkastenfirmen der Eliten in die eigenen Taschen fließen, so dass rohstoffreiche Länder häufig wenig von ihrem Schatz haben. Da stellt sich die Frage, wie Kontrolle und Sanktion aussehen sollen.

makro: Haben Sie dennoch einen Vorschlag, wie ein gerechterer Rohstoffhandel funktionieren könnte?

Bernhard Klinzing: Es gibt natürlich viele Forderungen wie mehr Transparenz oder Wohlverhaltenspflichten, Einhaltung von Umweltstandards und Arbeitsschutzrichtlinien. Das große Problem liegt darin, dass die Umsetzung solcher naheliegender Lösungen häufig im Ergebnis eher der Beruhigung unseres Gewissens dient als den Menschen in den betroffenen Ländern vor Ort. Schlicht, weil es bei den Konzernen natürlich Ausweichreaktionen provoziert, die zu einer noch stärkeren Verarmung oder der Verschärfung von Konflikten führen.

Sendedaten
makro
Rohstoffhändler
Freitag, 11. März 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Rohstoff-Sendung
© reutersRohstoffhändler
Sie gelten als verschwiegen, undurchsichtig und mächtig: Rohstoffhändler. Praktisch alle Grundstoffe, die wir zum Leben brauchen, gehen durch ihre Hände. Wer sind diese grauen Eminenzen, die kaum jemand kennt?
Zur Person
© finanzen100Bernhard Klinzing
Der Diplom-Kaufmann Bernhard Klinzing ist Chefredakteur des Frankfurter Börsenbrief. Er ist ein ausgewiesener Kenner der internationalen Rohstoffmärkte. Vor seiner Tätigkeit für den Frankfurter Börsenbrief hat Bernhard Klinzing für die Deutsche Bank und die Helaba gearbeitet.
Schwerpunkt
Rohstoffe