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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Auch in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bunds gibt es Aufklärungsbedarf. © dpa Lupe
Auch in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bunds gibt es Aufklärungsbedarf.
Wieviel FIFA steckt im DFB?
"Transparenz in Finanzfragen ist Selbstschutz"
Der DFB verdient viel Geld. Doch wie verwendet er die Mittel? Im Vorabinterview spricht makro-Moderatorin Eva Schmidt mit Sportökonom Prof. Eike Emrich über Glaubwürdigkeit und Lehren aus dem FIFA-Sumpf.
makro: Sie sagen, beim DFB läuft im Hinblick auf die Finanzen immerhin einiges besser als bei der FIFA. Was genau läuft denn besser?

Eike Emrich: Zunächst kann man die Probleme der FIFA nicht einfach auf den DFB übertragen. Dieser Generalverdacht wäre ungerechtfertigt, verdeutlicht aber die Wirkungen des Reputationsverlusts internationaler Sportverbände, die auf nationale Verbände überschwappen. Nun zur Frage, was läuft besser im DFB als bei der FIFA? Der DFB ist der verlängerte Arm der Landes- sowie Regionalverbände und des Ligaverbands, er schafft Rahmenbedingungen, verteilt erwirtschaftete Mittel an seine Mitglieder und produziert Legitimation für den Fußball.

Der DFB ist insofern ein "ganz normaler" Verband, in dem der Schatzmeister, unterstützt von einer hauptamtlichen Finanzverwaltung, dem Präsidium einen Finanzplan vorschlägt, der vom Bundestag genehmigt wird. Abweichungen nach oben und unten von mehr als 10 Prozent in den tatsächlich verausgabten Zahlen im Haushalt müssen in einem Nachtragshaushalt genehmigt werden. Verpflichtungen zu Lasten des DFB dürfen nur Vertretungsberechtigte eingehen und alle finanzwirksamen Rechtsgeschäfte über 100.000 Euro bedürfen der Zustimmung des Schatzmeisters, darüber auch der des Präsidiums.

Eine Revisionsstelle mit vier Mitgliedern überwacht die Aktivitäten des Schatzmeisters, dabei besteht das Problem, dass Präsidiumsmitglieder oder der Ligaausschussvorsitzende auch Mitglied der Revisionsstelle sein können. Alle Geschäfte mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) sind in einem Grundlagenvertrag vertraglich geregelt und der DFB erhält für das der DFL übertragene Recht der Veranstaltung von hochklassigen Ligawettbewerben mit Erst- und Zweiligavereinen und für die Übertragung der Vermarktungsrechte eine Gebühr. So weit ganz normal.

Wie sieht es aber faktisch mit der Ausübung der Kontrollrechte durch die Mitglieder aus? In einem durch Sportkameradschaften geprägten Klima würden extrem kritisches Nachfragen und demonstrative Kontrolle anlässlich von Sitzungen oder an DFB-Bundestagen nicht selten als Vertrauensbruch bewertet und deshalb eher selten realisiert. Insofern wäre eine normative Selbstverpflichtung zur möglichst umfassenden Transparenz in Finanzfragen auch Selbstschutz.

makro: Mal ganz abgesehen von den Umständen, wie die Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland gekommen ist: Wieviel Einblick gewährt denn der DFB in das Innenleben seiner Finanzen?

Eike Emrich: Der DFB gewährt, wie oben angesprochen, die für freiwillige Organisationen typischen Einblicke in seine Finanzen und hat im Inneren eine Revisionsabteilung für die Finanzen. Die Mitglieder folgen üblicherweise den Vorschlägen der gewählten Präsidien. Obwohl die Mitglieder Kontrollpflichten haben, werden diese nur selten in aller Konsequenz ausgeübt im Vertrauen darauf, dass die Führung das schon ordentlich macht.

Problematisch wird die Möglichkeit zur Ausübung der Kontrollrechte für die Mitglieder dann, wenn zwecks WM-Organisation eigene Einheiten wie ein WM-Organisationskomitee (WM-OK) im DFB geschaffen werden, und zwar als unselbständige Einheit. Ein solches Komitee bindet nach außen hin sichtbar zwecks Reputationsmehrung und Netzwerkoptimierung Vertreter aus Politik und Gesellschaft in das sogenannte Kuratorium bzw. den Aufsichtsrat ein, daneben gibt es so etwas wie die Vorstandsebene, also etwa Präsidenten und Vizepräsident.

Es ist aber keine nach innen und außen hin klar kommunizierte Regelung von Beteiligungs- und Mitwirkungsrechten sowie Kontrollpflichten der unterschiedlichen Ebenen vorhanden und/oder bei allen Akteuren bekannt. Insbesondere in Fällen komplexer Interessenverschränkungen zwischen Politik, organisiertem Sport und einer FIFA, die das Monopol für die regelmäßige Vergabe von Weltmeisterschaften hat, bewähren sich solche eher informellen Organisationsformen, die erheblichen Verhaltenspielraum und Freiheiten eröffnen, gleichzeitig aber auch das Eingehen von Risiken erleichtern.

Das Eingehen von Risiken wird dort fast unvermeidlich, wo man die Stimmen der FIFA für die WM-Ausrichtung braucht. Unvermeidlich konkurriert man mit anderen nationalen Verbänden, die teilweise Bewerbungsregeln möglicherweise relativ weit auslegen, um das Recht zur WM-Veranstaltung und trifft vielleicht auf einzelne FIFA-Vertreter, die intransparente Vergabekriterien bevorzugen.

Sollten also bei der WM-Vergabe nach Deutschland Stimmen mancher FIFA-Entscheider tatsächlich gekauft worden sein, was wir nicht wissen, kann man im Falle des Bekanntwerdens trotzdem nicht argumentieren, dass man nach den Regeln einer "verdorbenen" Konkurrenz spielen musste, wenn man die WM wollte. Man darf sie dann eben nicht auf diesem Weg wollen. Es ist aber wohl nicht bestreitbar, dass das Problem der intransparenten Vergabe von WM-Rechten bei der FIFA seine Ursache hat.

Völlig unabhängig von der Frage, ob nun Stimmen gekauft wurden oder nicht, ist es das eigentliche Problem einer WM, dass für die geforderte Infrastruktur und die geforderten Sicherheitsleistungen öffentliche Mittel eingesetzt werden. Diese Entscheidungen zur Subventionierung werden von Sportvertretern eingefordert und von Politikern getroffen, die im Fall einer erfolgreichen WM z. B. Aufmerksamkeitsgewinne und/oder eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die erfolgreiche Wiederwahl erwarten können.

Den Einsatz öffentlicher Mittel und damit die staatliche Subventionierung des Ereignisses legitimieren die Politik und Sportvertreter mit erwartbaren positiven Effekten für das Land und den Fußball, seien es künftig höhere Fußballpopularität, höhere Nachwuchszahlen, besseres Image für das Land usw.

Solche Effekte einer Fußball-WM, insbesondere langfristig positive wirtschaftliche Effekte auf Dauer, sind bisher nicht sicher nachgewiesen; was nachgewiesen ist, ist eine kurze Phase des gesteigerte "Well Being"-Gefühls und für den die WM ausrichtenden Verband ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um das knappe Gut Talent im Vergleich mit jenen Sportarten, die keine populäre WM ausrichten können, also eine öffentlich subventionierte Wettbewerbsverzerrung.

Ein Verzicht auf öffentliche Mittel führte automatisch zur Vermeidung vieler Probleme, würde jedoch auch die Erfolgschancen einer WM-Bewerbung drastisch reduzieren, solange andere nationale Bewerber um eine WM mit öffentlichen Mitteln subventioniert werden.

makro: Der Berliner Rechtswissenschaftlicher Hans-Peter Schwintowski sagt, die "fehlende Publizitätspflicht für Vereine wie den DFB" führe dazu, dass "Einnahmen verschleiert und Geldströme nicht eingeordnet werden können." Muss sich tatsächlich grundlegend etwas ändern?

Eike Emrich: Die Einschätzung bezüglich der fehlenden Publizitätspflicht für Vereine wie den DFB kann man teilen. Je weniger detailliert Mitglieder über Einnahmeströme des Verbandes informiert sind, desto größer ist der Verhaltensspielraum der Verbandsführung. Wenn aber das Vertrauen in die Sorgfalt der Verbandsführung in Finanzfragen durch Ereignisse wie in der FIFA erschüttert wird, steigen auch im DFB die Überwachungskosten für die Mitglieder und Kontrollrechte werden phasenweise sorgfältiger ausgeübt.

Publizitätspflichten würden mittels verbesserter Transparenz den Verband deshalb gegen Vertrauenskrisen immunisieren und wären auch ein nützliches Korrektiv für Mitglieder, die ihre Kontrollrechte im Normalmodus eher zurückhaltend ausüben. Vertrauen auf Mitgliederseite würde somit durch Transparenz verstärkt und eine erweiterte Publizitätspflicht gewährleistete dauerhaft hohe Transparenz. Gleichzeitig würde dadurch die öffentliche Reputation des DFB verbessert.

Da eine gesetzliche Regelung für eine Publikationspflicht bis dato nicht erfolgt und insgesamt wohl rechtlich auch problematisch ist, kann man nur fordern, dass man auf Verbandsseite freiwillig im Sinne einer normativen Selbstverpflichtung zur umfassenden Transparenz die Finanzen sorgfältiger erläutert, was vergleichbar mit vielen gewinnorientierten wirtschaftlichen Organisationen wäre. Es fehlt dann allerdings immer noch die Sanktionsbewehrtheit bei Verletzung der Publikationspflichten, dies müssten Mitgliederversammlung im Inneren und Medien gemeinsam leisten.

makro: Womit verdient der DFB eigentlich das meiste Geld?

Eike Emrich: Der DFB erzielt erhebliche Einnahmen, die er in den Fußball investiert. Das meiste Geld verdient er mit seinen Nationalmannschaften, insbesondere mit der Nationalmannschaft der Herren. Allein im Rahmen der Fußball WM in Brasilien erwirtschaftete der DFB einen Überschuss in Höhe von 4,564 Mio. Euro, davon floss die Hälfte (2.282 Mio. Euro) an die DFL. Durch diese Mittel wird der DFB in die Lage versetzt, seine Landesverbände mit erheblichen Mitteln materiell zu unterstützen, Talentförderzentren zu betreiben, Qualifizierungsmaßnahmen zu betreiben usw.

Solange die umfassende Transparenz finanzieller Entscheidungen nicht verwirklicht ist und der DFB unter anderem durch den Ligavertrag mit der DFL über hohe Einnahmen verfügt, besteht ein Risiko, dass die Erträge an die Mitgliedsverbände nicht völlig transparent nach klaren formalen Kriterien verteilt werden und dass die Verbandsführung Mittel zumindest in bestimmtem Umfang auch nutzt, um durch in Teilen variable Gewährung finanzieller Mittel Gewogenheiten herzustellen oder den Verbandsfrieden durch Gewährung von Finanzmitteln zu sichern. Das wäre intransparent und unterformalisiert. Freiwillige Publikationspflichten sind daher unverzichtbar.

makro: Was muss man tun, um den Sport generell transparenter und glaubwürdiger zu machen?

Eike Emrich: Einerseits sollte man in den Verbänden ein Klima schaffen, in dem die Ausübung von Kontrollrechten durch die Mitglieder stärker geschätzt und gewürdigt wird. Das Mittel dazu ist auch eine Selbstverpflichtung zur erweiterten Publizitätspflicht, die strikte Beachtung der Satzung und die Vermeidung von frei schwebenden Gremien oder Einheiten im DFB, auch nicht im Zusammenwirken mit der Politik. Dazu kommt andererseits die Notwendigkeit, für alle finanziellen Zuwendungen mit einer erweiterten Finanzordnung ein enger formalisiertes Regelwerk zu schaffen. Die Mittelzuwendung sollte nach transparenten, von intransparenten Vertrauenskriterien unbeeinflussten Regeln organisiert und das Ergebnis auch dokumentiert werden.

Alles zur Fußball-Sendung
© reutersGeldmaschine Fußball
Fußball ist Faszination und Wirtschaftsfaktor. Die Bundesliga muss sich gegen finanzstarke europäische Ligen behaupten und die FIFA versucht einen neuen Anfang mit einem neuen Präsidenten.
Zur Person
Prof. Dr. Eike Emrich
Emrich leitet seit 2005 den Arbeitsbereich Sportökonomie und Sportsoziologie des Sportwissenschaftlichen Instituts an der Universität des Saarlandes. Zuvor hatte er einen Lehrstuhl für Sportentwicklung an der Universität Frankfurt am Main. Von 1988 bis 2000 übte er hauptamtliche Führungstätigkeiten in Sportorganisationen aus.
Sendungstip
Die Fußball-Mafia
Bestechung, Untreue, Stimmenkauf, Betrug und ein Netzwerk aus korrupten Funktionären: Die FIFA steht nach der Ära Blatter vor einem Scherbenhaufen. Nur tiefgreifende Reformen können das Image des Fußballverbands retten. Doch es ist fraglich, ob der Neuanfang gelingen kann.
(Freitag, 26. Februar, 20.15 Uhr)
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Fußballweltmeisterschaften in der Wüste, olympische Winterspiele in einem Badeort - manche Vergabeentscheidung scheint nicht nur sportlichen Erwägungen zu folgen. Um es vorsichtig auszudrücken.
(makro, 31.01.2014)
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