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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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In Qatar ist es wie überall auf der Welt: Die Lager för Öl und Treibstoff sind rappelvoll. © Shell International Ltd Lupe
In Qatar ist es wie überall auf der Welt: Die Lager för Öl und Treibstoff sind rappelvoll.
Amokläufer Öl
Vorbote einer Rezession?
Verbraucher sehen bei einem hohen Ölpreis rot. Die Märkte sehen bei 30 Dollar pro Barrel Öl schwarz. Banken drohen Schieflagen, Investitionen trocknen aus und eine Rezession steht vor der Tür. Ein Fest für Pessimisten.
Eine schlichte Selbstverständlichkeit an den Finanzmärkten geht so: Steigt der Ölpreis, fallen die Börsen. Die Überlegung dahinter ist simpel: Ein steigender Ölpreis bedeutet steigende Kosten, die sich mit der Zeit durch den kompletten Wirtschaftskreislauf fressen und die Gewinne der Unternehmen schmälern. Ihre Aktien fallen. Umgekehrt gilt das gleiche: Fällt der Ölpreis, steigen die Kurse, da sich die Gewinnsituation verbessert.

Soweit die Theorie. Seit einigen Wochen bieten nun die Finanzmärkte ein ungewöhnliches Schauspiel: Der Ölpreis fällt und fällt und fällt - und die Aktien fallen auch. Irgendwas ist also anders. Erklärungsversuche gibt es viele. Allesamt laufen sie auf Angst hinaus. Angst, dass mit dem Amoklauf der Ölpreises, des wichtigsten Wirtschaftsindikators der Welt, alles aus den Fugen gerät.

1) Rezession
Ölpreis und Börsen sind die besten Seismographen für den Zustand der Weltwirtschaft. Da sich in ihren Preisen die Erwartung spiegelt, wie sich die Wirtschaft zukünftig entwickelt, sagen sie uns bereits heute ziemlich präzise, wie es in 6 bis 9 Monaten aussehen wird. Schaut man sich die letzten 25 Jahre an, so bedeutete ein Einbruch des Ölpreises, bestätigt durch einen Einbruch der Börsen, stets eine Rezession. Das war 2003 so und 2008 auch. Und heute?

Indikatoren aus der Realwirtschaft stützen diese Interpretation: Nicht nur der Ölpreis, der gesamte Rohstoffsektor befindet sich in einer Depression. Industriemetalle und Eisenerz sind so billig wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Der Baltic Dry Index, ein Maß für die Frachtraten von Schiffen, also den Transport von Waren, ist unter 300 gefallen, der niedrigste Stand seit seiner Einführung 1985.

Die Optimisten entgegnen hier, der Preissturz von Öl, Kupfer und Frachtraten sei vor allem eine Folge von Überangebot. Die Rezessionisten wiederum kontern mit dem Argument, stünde es um die Weltwirtschaft besser, wäre das Überangebot gar nicht so groß.

2) Kredite
Es geht die Angst um, der niedrige Ölpreis werde eine ganze Reihe von Unternehmen der Öl- und Gasbranche in die Pleite treiben. Da sich die Branche in beachtlichem Maße Geld geliehen hat, stehen diese Kredite nun auf der Kippe. Die Gläubiger dieser Firmen müssten dann Abschreibungen vornehmen.

Man kann also sagen, der Ölpreis ist Basis einer Vielzahl von Anleihen und Bankkrediten. Laut Moody's stehen bereits 74 Unternehmen die Schulden bis zum Hals. Das Anleihevolumen der Energiebranche - die Rede ist hier von Hochzinsanleihen oder Junk Bonds - beläuft sich auf 19% des Bloomberg High Yield Index, also gut 280 Mrd. Dollar. Bei Bankkrediten stehen laut BCA Research 190 Mrd. Dollar im Feuer, was 2% aller Bankkredite ausmacht. Es besteht also Ansteckungsgefahr für Bondmärkte und Banken.

Die sehr schwache Entwicklung der Bankaktien reflektiert die Sorge vor dieser Ansteckungsgefahr. Zudem werden Banken, die hohe Abschreibungen auf faule Öl- und Gaskredite vornehmen müssen, als erstes ihre Kreditvergabe runterfahren - woraufhin Pessimisten eine konjunkturelle Vollbremsung fürchten.

3) Investitionen
Wirtschaft lebt von Investitionen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, der Energiesektor habe die US-amerikanische Wirtschaft nach der Finanzkrise aus dem Dreck gezogen. Im Jahr 2014 ist laut Bloomberg im Energiesektor mehr investiert worden als in Finanzen, Telekommunikation, Minen, Pharma und Konsumgüter zusammen. Die 500 größten US-amerikanischen Unternehmen haben 2014 im Schnitt 1,5 Mrd. Dollar investiert. Der Energiesektor im Schnitt 7,5 Mrd. Dollar.

Diese Investitionen haben viele neue - und gut dotierte - Arbeitsplätze geschaffen und ihren Weg in den allgemeinen Wirtschaftskreislauf gefunden. Heute, bei einem Ölpreis von 30 Dollar pro Barrel, hat die Öl- und Gasbranche ihre Investitionen auf das überlebensnotwendige Existenzminimum heruntergefahren. Mit anderen Worten: Aus dem konjunkturellen Rückenwind der Vergangenheit wird der Gegenwind der Zukunft.

Fazit
Ok, wie schlimm ist es? In den vergangenen Jahren gab es eine stabile Ordnung, in der die Ölförderer dominierten. Bleibt der Ölpreis niedrig - und da spricht viel für - werden wir in den kommenden Jahren eine Ordnung bekommen, in der die Ölkonsumenten dominieren.

Dazwischen liegt eine Phase des Umbruchs. Umbruch bedeutet an den Märkten Unsicherheit, Neubewertung und Angst. Angst bedeutet fallende Kurse. Und für die Pessimisten fügen sich die hier skizzierten Argumente dankbar zu einem unheilvoll schlüssigen Bild.

Alles zur Öl-Sendung
Fluch des billigen Öls
Der Ölpreis ist die wichtigste Zahl der Welt. Sein Einbruch verschiebt das Fundament der globalen Wirtschaft. Er macht Sieger zu Verlierern und Verlierer zu Siegern. Dieser Umbruch verursacht Schmerzen.
Ölpreis
LupeDer Ölpreis ist kürzlich auf 27 Dollar gefallen. Das ist niedriger als zur schlimmsten Zeit der Finanzkrise. Der Endverbraucher freut sich. Doch er sollte sich nicht zu früh freuen, denn der Ölpreis ist immer auch ein Indikator für den Zustand der Weltwirtschaft.
Mediathek
Börsenkenner Dirk Müller nimmt wie üblich kein Blatt vor den Mund. Bei Markus Lanz erklärt er, was der Einbruch des Ölpreises für die Welt bedeutet (48:28-53:45).
Interaktiv
Amerikas Ölrevolution
Vor wenigen Jahren stand noch das Schreckensszenario von 200 Dollar für ein Barrel Öl im Raum. Davon spricht heute niemand mehr - Öl kostet 50 Dollar. Entscheidend hierfür sind die USA. Auf den folgenden Grafiken sehen Sie, was da genau passiert ist.
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Billiges Öl
Öl ist mehr als Treibstoff. Öl ist ein 3,4-Billionen-Dollar-Markt. Öl ist Macht, Seismograph und Fluch. Öl schafft Reichtum und vernichtet ihn. All diese Facetten bestimmen seinen Preis. Und jetzt ist Öl billig.
(makro, 13.03.2015)
Schwerpunkt
Öl & Gas