Freitag 21.00 Uhr
Kalender
August 2016
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
01
02
03
0405
06
07
08
09
10
1112
13
14
15
16
17
1819
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
Vorschau
Sendung am 26. August
Smartphone & Co
Das Smartphone wandelt sich zum Alleskönner und verändert die Wirtschaft. Jetzt soll sich noch die Virtual Reality-Brille dazu gesellen. Wie stark profitieren davon zukünftig Unternehmen?
Navigationselement
Rückblick
Sendung vom 12. August
Philippinen - Die globalen Helden
Auf den Philippinen drängen jedes Jahr eine Million junge Menschen auf den Arbeitsmarkt und suchen eine Zukunft. makro-Redakteur Jürgen Natusch hat das Land bereist - und landet im Herz der Globalisierung.
Navigationselement
Beitrag ansehen: Amerikas Regenmacher © reuters Video
Arbeiter der Ölindustrie kämpfen gegen widrige Umstände. Viel mehr als die Kälte des nordamerikanischen Winters setzt ihnen der niedrige Ölpreis zu.
[>> Beitrag ansehen: Amerikas Regenmacher]

Die Fracking-Krise
Branche kämpft ums Überleben
Zahlreiche amerikanische Fracking-Firmen müssen bei 30 Dollar pro Barrel Öl Insolvenz anmelden und sorgen für Ansteckungsgefahr an den internationalen Finanzmärkten. Trotzdem ist die Branche zäher als gedacht.
Der niedrige Ölpreis macht US-amerikanischen Fracking-Firmen schwer zu schaffen. Obwohl Fracking heute im Schnitt nur noch 30 bis 40 Dollar pro Barrel kostet und bei günstigen Voraussetzungen sogar bei einem Preis von 20 bis 30 Dollar noch rentabel ist, können viele Unternehmen ihre Förderkosten bei einem Ölpreis von 30 Dollar nicht mehr decken. Mehr und mehr Öl- und Gasförderer in den USA rutschen daher in die Insolvenz.

Vor allem kleine Unternehmen mit geringen Rücklagen und Firmen mit hoher Verschuldung sind die ersten, die den Markt räumen müssen. In der Regel haben Ölförderer Kredite aufgenommen, um Förderlizenzen zu erwerben. Diese Lizenzen waren bis vor ein, zwei Jahren bei einem hohen Ölpreis noch sehr teuer, weil sich alle Interessenten um die Lizenzen balgten. Entsprechend hoch ist vielfach die Kreditbelastung.

Fördermenge sinkt trotz Insolvenzen kaum
Hierin liegt auch der Grund, weshalb die Unternehmen auf Biegen und Brechen ihre Kosten senken und weiter fördern: Sie müssen ihre Kredite bedienen. Sind sie erst einmal insolvent, gehen die Firmen häufig in den Besitz ihrer Kreditgeber über. Für die lohnt es sich wiederum, die Förderung nicht einzustellen, solange die direkten Förderkosten unter dem Ölpreis liegen.

Zudem müssen die Unternehmen nach Insolvenzanmeldung die teuren Kreditzinsen nicht mehr erwirtschaften und haben damit einen entscheidenden Kostenvorteil. Wenn die Produktionsstätten nach der Insolvenz doch brachliegen, werden sie meist von solventen Konkurrenten eingesammelt, die aufgrund von besserem Förderequipment oder einer effizienteren Kostenstruktur günstiger fördern können. Es sinkt also die Anzahl der Fracking-Firmen, aber nicht zwangsläufig die Fördermenge (siehe Infokasten "Förderanlagen und Fördermenge").

Risiko für Finanzmärkte
Bis vor kurzem, als der Ölpreis noch bei 100 Dollar notierte, haben Banken und Bond-Anleger den Ölförderfirmen bereitwillig Kapital zur Verfügung gestellt. Schließlich versprach der hohe Ölpreis einen ordentlichen Cashflow, aus dem sich Kredite und Anleihen locker hätten bedienen lassen. Im Nachhinein ein großer Fehler!

Lupe
Der Ölpreis ist kürzlich auf 27 Dollar gefallen. Das ist niedriger als zur schlimmsten Zeit der Finanzkrise. Der Endverbraucher freut sich. Doch er sollte sich nicht zu früh freuen, denn der Ölpreis ist immer auch ein Indikator für den Zustand der Weltwirtschaft.
Vor allem wegen dieser Fremdfinanzierung sind Pleiten der Fracking-Firmen ein Risikofaktor für den Finanzsektor. Getrieben von der Jagd nach Rendite in einer Welt niedriger Zinsen haben Anleger in die risikoreichen Anleihen (High Yield Bonds) investiert. Die Ölförderer stehen heute für 19% des Bloomberg High Yield Index und damit für ein Volumen von gut 280 Mrd. Dollar. Etwa 34 Mrd. davon sind laut US-Bankenaufsicht bereits verloren.

Durch die Pleite von Unternehmen - und sei es nur eine befürchtete Pleite - fallen deren Anleihen ins bodenlose und lassen Investoren mit Milliarden-Verlusten im Regen stehen. Bei Banken wiederum steht der Energiesektor laut BCA Research mit 190 Mrd. Dollar in der Kreide, was etwa 2% des gesamten Kreditvolumens beträgt. Banken bilden daher hohe Rückstellungen, um auf mögliche Kreditausfälle in der Fracking-Branche vorbereitet zu sein.

Loch im Steuersäckel
Neben dem Finanzmarkt sind die Vereinigten Staaten generell und einige US-Bundesstaaten im Besonderen von der Fracking-Krise betroffen. Allein im Ölförderstaat Texas verloren 50.000 Arbeiter der Öl- und Gasindustrie ihre meist gutdotierten Jobs. Ohne die Ölförderung, die einen wichtigen Anteil an der wirtschaftlichen Erholung der USA hatte, bleibt in den öffentlichen Kassen ein Loch zurück.

Alles zur Öl-Sendung
Fluch des billigen Öls
Der Ölpreis ist die wichtigste Zahl der Welt. Sein Einbruch verschiebt das Fundament der globalen Wirtschaft. Er macht Sieger zu Verlierern und Verlierer zu Siegern. Dieser Umbruch verursacht Schmerzen.
Öl pro Bohrung
© EIAMehr als die Hälfte der amerikanischen Ölproduktion wird heute per Fracking gefördert (shale oil). Eine Bohrung kostet wie schon vor einigen Jahren 7-10 Mio. USD. Die überraschende Widerstandsfähigkeit der Branche angesichts niedriger Ölpreise erklärt sich vor allem dadurch, dass die Ölausbeute pro Bohrung von Jahr zu Jahr steigt. Sie erreicht nach etwa einem Monat ihr Maximum und fällt dann ab. Nach 12 bis 24 Monaten ist Schluss und es muss aus einer neuen Quelle gefördert werden.
Förderanlagen und Fördermenge
LupeDie Zahl der Förderanlagen (Rig Count) ist seit Ende 2014 bereits um zwei Drittel zurückgegangen. Wer jetzt folgert, die Menge des geförderten Öls sei auch entsprechend gefallen, irrt. Sie ist stabil, weil aus jeder Bohrung heute viel mehr gefördert werden kann als zuvor. Solange ein Unternehmen die Mittel hat, eine erschöpfte Quelle durch eine neue zu ersetzen, bleibt es am Markt. Wenn nicht, geht es Pleite.
Fracking-Aktien im Keller
© vwd groupLupeNoch sind es vor allem die kleinen Unternehmen, die dem niedrigen Ölpreis nicht standhalten. Die Krise macht aber auch vor den Großen der Branche nicht Halt. Entscheidend ist die Qualität der Vorkommen. Beispielsweise stand die Aktie des Fracking-Riesen Chesapeake aus Oklahoma vor Jahresfrist noch bei 21 USD. Heute kostet sie 1,70 USD. Die Börse scheint dem Unternehmen also keine allzu großen Chancen einzuräumen. Bei einem weiterhin niedrigen Ölpreis wird es so noch vielen weiteren Firmen ergehen.