Automatisierung auf dem Vormarsch: Roboter in der Automobilproduktion. © colourbox.de
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Automatisierung auf dem Vormarsch: Roboter in der Automobilproduktion.
Kollege Roboter
Schöne neue Arbeitswelt?
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
Von Carsten Meyer

Kürzlich hat das Königreich Saudi-Arabien einen humanoiden Roboter eingebürgert. "Sophia" war bis dato staatenlos, am ehesten noch chinesisch, entwickelt von Hanson Robotics aus Hongkong. Die Frage, inwieweit Sophia im wahabitischen Gottesstaat ohne männliche Begleitung agieren darf, ließ im Internet nicht lange auf sich warten.

Down under ist man auch nicht untätig. Der neuseeländische Unternehmer Nick Gerritsen hat jüngst den ersten Politiker mit künstlicher Intelligenz (AI) präsentiert. "Sam" kennt sich aus mit Bildungsfragen, Wohnung und Einwanderung. Die Neigung des technischen Fortschritts, verbreitete Defizite zu beheben, darf nie unterschätzt werden.

Jobs fallen weg
Dies gilt, selbstverständlich, primär abseits origineller Headlines. Das McKinsey Global Institute (MGI) hat sich gerade in einer Studie mit den Auswirkungen der Automatisierung auf die Arbeitswelt bis 2030 beschäftigt (siehe rechts "Studie"): Jobs werden wegfallen, neue Jobs werden entstehen und sehr viele Jobs werden sich ändern. In einem durchschnittlichen Szenario könnte 15% der Arbeit durch Automatisierung ersetzt werden, was weltweit umgerechnet 400 Mio. Vollzeitstellen entspricht.

Industrieländer seien dabei stärker betroffen als Entwicklungsländer, weil das hohe Lohnniveau einen starken Anreiz zur Automatisierung bietet. In Deutschland stünde im Durchschnittsszenario knapp 25% der Arbeit auf der Kippe. Heißt: Während global 3% der Arbeitnehmer (75 Mio.) konkret auf einen anderen Job umsteigen müssten, wären es in Deutschland bis 2030 rund 8% (3 Mio.). Vor allem aber: Die meisten Jobs werden sich erheblich verändern. Vor allem in der Industrie hält innovative Robotik Einzug.

 

Das Internet der Dinge
Das Internet der Dinge
Konkurrent und Helfer
Konkurrent und Helfer
Die Jobs der Zukunft
Die Jobs der Zukunft

 

Jobs verändern sich
Wie das in der Praxis aussieht, hat das Wirtschaftsmagazin makro im Badischen beobachtet. Das Familienunternehmen SEW Eurodrive montiert Getriebemotoren, seit 80 Jahren schon. Einen Teil der Produktion hat man völlig umgekrempelt. Industriemechaniker haben hier einen neuen Kollegen, den kollaborierenden Roboter, kurz Cobot. Der übernimmt die Arbeit am Band. Der Unterschied zu herkömmlichen Industrierobotern: Mensch und Roboter arbeiten Hand in Hand.

Die Cobots sind mit Sensoren ausgestattet, die auf Menschen reagieren. Sie sind flexibel, leicht zu programmieren, können unterschiedliche Aufgabe erledigen und mit anderen Geräten interagieren. Sie sind die Industrie 4.0. "Lebenslanges lernen ist angesagt", sagt Geschäftsführer Johann Soder. "Der Mitarbeiter der Zukunft muss bereit sein, sich immer wieder zu verändern, sich anzupassen an die Herausforderungen der neuen Zeit."

Das Internet der Dinge
Die meisten Mitarbeiter bei SEW überwachen heute die Produktion am Bildschirm - während die Maschinen den Ablauf selbstständig planen und steuern. Als nächstes folgt die Vernetzung mit Kunden und Lieferanten. Maschinen sollen bald eigenständig Nachschub bestellen - oder vorrätige Waren an Kunden melden. Mit der Vernetzung kommt das Internet der Dinge, die 4. industrielle Revolution (siehe Klappkasten unten).

In den letzten drei Jahren haben Automatisierung und Digitalisierung die Arbeit bei SEW bereits fundamental verändert. Produktionszeiten haben sich halbiert. Die Angst vieler Mitarbeiter, den Wettlauf Mensch gegen Maschine zu verlieren, ist gleichwohl real - hat sich hier jedoch nicht materialisiert. Das Unternehmen kann bei den Verkaufszahlen zulegen. Wachstum sichert Arbeitsplätze. Das sagt auch die MGI-Studie.

Die 4. industrielle Revolution


Kreative Zerstörung - Wer gewinnt, wer verliert?


Wo die Reise noch hingehen könnte, zeigen einige Beispiele: Der Laufroboter "Toro" lernt gerade, Kabelhalterungen am Rumpf eines Airbus anzubringen. 60.000 Stück sind in einem Flugzeug verbaut. Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt übt "David" den Umgang mit Dübel und Bohrmaschine. Hier ist Feinmotorik gefragt. Intelligente Algorithmen durchforsten komplexe juristische Verträge, filtern Schlüsselpassagen heraus. Dies wird den Beruf des Anwalts verändern.

"Intelligente Automatisierung"
Der Einsatz von Programmen in der Computertomographie hilft bei der Suche nach Tumoren. Die Software ist schnell, lernt stetig dazu und vergisst nie. Der Einsatz von virtual reality und augmented reality hilft Chirurgen bei der Operation und Studenten mit VR-Brille beim Üben - ohne sie direkt ans lebende Objekt heranlassen zu müssen. Seit kurzem reden wir mit digitalen Sprachassistenten wie Cortana (Microsoft) und Alexa (Amazon). Siri (Apple) kennt sogar die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens: "Alles spricht dafür, dass es Schokolade ist."

Gezündet werde die 4. industrielle Revolution vor allem durch zwei Faktoren, sagt Prof. Sabina Jeschke von der RWTH Aachen: Intelligenz und Vernetzung. "Es sind hochgradig miteinander vernetzte Systeme, die in Echtzeit Informationen austauschen."

Neue Jobs entstehen
Dies wiederum schafft neue Arbeitsplätze. Wenn das MGI mit seinem Durchschnittsszenario recht behält, könnten es bis 2030 weltweit 390 bis 590 Mio. sein, mehr als wegfallen. Als Treiber des Jobwachstums macht man die Sektoren Pflege, Gesundheit und Technologie aus, sowie Investitionen in Infrastruktur, Bau und Energie. Der wichtigste Treiber, mit mehr als 300 Mio. neuer Jobs, sei jedoch der wachsende Wohlstand, besonders in den Schwellenländern. Dies schaffe neue Märkte - auch für uns. Weshalb Deutschland zu den Profiteuren gehören werde.

Sollte die Politik den unvermeidlichen Umbruch der Arbeitswelt durch Automatisierung und Digitalisierung intelligent begleiten, kommen nach MGI-Berechnungen noch einmal 165 bis 300 Mio. neuer Jobs obendrauf.

Vielleicht könnte Nick Gerritsen, der findige Unternehmer aus Neuseeland, hier noch einmal nachhelfen.

Sendedaten
makro
Kollege Roboter
Freitag, 15. Dezember 2017, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr

Ein Film von Angela Scheele.

(Erstausstrahlung)
Blockchain
In der Matrix
Während der kometenhafte Anstieg der Kryptowährung Bitcoin jeder Börsenblase der Geschichte zur Ehre gereicht, zündet die zugrundeliegende Blockchain-Technologie eine Revolution der Wirtschaft - mit Auswirkungen auf, nun ja, alles.
(makro, 03.11.2017)
Archiv
Roboter auf dem Vormarsch
Pressen, schweißen und lackieren - In der Autoindustrie haben Roboter die Bandarbeiter längst ersetzt. In Zukunft könnten sie noch sehr viel mehr Menschen ihren Job streitig machen.
(makro, 23.10.2015)
Studie
Jobs lost, jobs gained: Worforce transitions in a time of automation
In our latest research on automation, we examine work that can be automated through 2030 and jobs that may be created in the same period. We draw from lessons from history and develop various scenarios for the future. While it is hard to predict how all this will play out, our research provides some insights into the likely workforce transitions that should be expected and their implications. (12/2017)
Schwerpunkt
IT & Hightech
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