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Gemüse aus eigenem Anbau ist zwar gesund, wird aber immer weniger gegessen. Stattdessen gibt es Fertigprodukte, die vermeintlich billiger sind.
Das Geschäft mit der Armut
Lebensmittelkonzerne erobern Schwellen- und Entwicklungsländer
In den Märkten Europas und Nordamerikas verzeichnen die großen Lebensmittel-Konzerne kaum noch Wachstum. Unternehmen wie Nestlé und Unilever vertreiben deswegen zunehmend Markenprodukte in Minipackungen in Afrika oder Brasilien.
Weltweit gibt es laut Schätzungen der Konzerne etwa drei Milliarden Konsumenten mit geringem Einkommen - ein riesiges Verkaufspotential. Allerdings lassen sich an ärmere Familien nur kleine Packungsgrößen gut verkaufen. Denn diese Menschen leben förmlich von der Hand in den Mund. Sie können täglich nur das ausgeben, was sie gerade verdient haben. Deshalb reicht der Verdienst nur für den Kauf von Kleinstpackungen. Dabei sind diese anteilig viel teurer als große.

Convenience Food als Statussymbol
© Photo by Nestlé CC BY  Miniprodukte verhelfen zu Maxiprofit
Miniprodukte verhelfen zu Maxiprofit
Nestlé packt für die neuen Kunden Markenprodukte wie "Maggi", "Alete" oder "Nescafé" in kleinere Portionen, reichert sie je nach Land und Bedarf mit Extra-Nährstoffen an und bringt sie zu vermeintlich geringerem Preis quasi bis vor die Haustür. "Nestlé kommt zu Dir", heißt es in Brasilien. In den Favelas oder abgelegenen Stadtvierteln, wo Supermärkte zu Fuß schlecht zu erreichen sind, vertreiben freiberufliche Verkäuferinnen die Produkte. Und wer etwas auf sich hält, kauft so ein.

Auch Unilever setzt auf Billig- oder Miniversionen seiner Produkte. Mehr als die Hälfte seines Umsatzes macht der britisch-niederländische Konzern in Schwellenländern. In Lateinamerika konnte das Unternehmen im Jahr 2015 sogar zweistelliges Wachstum verzeichnen. Wie Nestlé passt auch Unilever seine Produkte jeweils an die nationaltypischen Vorlieben und das Kaufverhalten der jeweiligen Konsumenten an.

Scheinbare Wohltäter
Zur Firmenpolitik der beiden Konzerne gehört es auch, soziale Verantwortung scheinbar dort zu übernehmen, wo der Staat es nicht tut. Bei Schulkindern etwa oder ungelernten Frauen.

<b>Video:</b>"Verbesserung des Lebens" heißt eine Kampagne von Unilever in den Slums von Kibera. Eigentlich sollte sie Frauen in Arbeit bringen...
Video:"Verbesserung des Lebens" heißt eine Kampagne von Unilever in den Slums von Kibera. Eigentlich sollte sie Frauen in Arbeit bringen...
<b>Video:</b> "Nutrir", zu deutsch "Ernähren" heißt ein Programm der "Nestlé-Foundation an Schulen in Sao Paulo.  © Joachim Walther Süddeutsche TV
Video: "Nutrir", zu deutsch "Ernähren" heißt ein Programm der "Nestlé-Foundation an Schulen in Sao Paulo.

Fatale Folgen
In Brasilien hat sich durch das industrialisierte Essen die Kalorienaufnahme in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Mit fatalen Folgen, sagt Dr. Carlos Monteiro, Ernährungswissenschaftler bei der WHO: "Wir haben eine Epidemie, die Menschen leiden an Übergewicht und Diabetes. Das wird immense wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Konsequenzen für das Land haben. Und klar ist, dass das mit dem steigenden Konsum dieser Produkte zusammenhängt".

Sendedaten
Das Geschäft mit der Armut

Freitag, 23. Juni 2017,
21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr

Ein Film von Joachim Walther
Zielgruppen mit Potential
Von rund 200 Millionen Brasilianern sind etwa 42 Millionen arm. Für Nahrung haben die Armen hier täglich rund drei Euro pro Kopf zur Verfügung.

In den Entwicklungsländern ist es noch weit weniger. In Kenia mit seinen rund 45 Millionen Einwohnern gelten 19 Millionen als arm. Diese Menschen leben von weniger als zwei Euro am Tag.
Kenia
© Joachim Walther Süddeutsche TVVideoGesunde Ernährung ist Luxus
Im Slum von Kibera ernähren sich nur noch die wenigsten traditionell. Fertignahrung scheint billiger zu sein und schmeckt auch noch gut.
Brasilien
VideoObst statt Kekse
In den Favelas haben viele Frauen nicht gelernt, wie man gesundes Essen zubereitet. Eine Ernährungsberaterin soll Abhilfe schaffen und den Frauen die Rezepte ihrer Großmütter vermitteln.
Schwerpunkt
Agrar & Ernährung