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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Irans Präsident Hassan Rohani freut sich über das Interesse von Investoren an seinem Land. Mit diesem Interesse sind jedoch auch Ansprüche verknüpft. © ap Lupe
Irans Präsident Hassan Rohani freut sich über das Interesse von Investoren an seinem Land. Mit diesem Interesse sind jedoch auch Ansprüche verknüpft.
Iran hebt den Schleier
Wirtschaftliche Defizite kommen ans Licht
Irans Rückkehr auf die Weltbühne verläuft ernüchternd. Die Einnahmen aus dem Öl sind niedriger als erhofft, die Kosten für Kapital höher als befürchtet. Investoren zieren sich. Und dann ist da noch der Feind vor der Tür.
Es war ein Scheitern mit Anlauf. Die OPEC-Staaten und weitere Öl-Förderländer wie Russland haben sich bei ihrem mit Spannung erwarteten Treffen in Doha nicht auf eine Deckelung der Produktion einigen können. Nach fünfstündiger, teils heftiger Debatte erklärten die Teilnehmer die Vergeblichkeit des Vorhabens. Der Ölpreis ging auf Talfahrt.

Zwar waren sich fast alle Beteiligten einig, die beiden entscheidenden Player jedoch nicht. Der saudische Vize-Kronprinz Mohammed Bin Salman, die rechte Hand des Königs und oberster Aufseher des staatlichen Ölmonopolisten Saudi Aramco, hatte bereits im Vorfeld des Treffens verlauten lassen, man werde einer Produktionsdrosselung nur zustimmen, wenn alle mitmachten. Wirklich alle.

Der Feind regt sich
Ansonsten sei man jederzeit in der Lage, die Förderung um eine Mio. Barrel pro Tag auf 11,5 Mio. Barrel zu erhöhen und mit Sicht auf sechs bis neun Monate die Welt sogar mit 12,5 Mio. Barrel täglich zu überfluten. Die Ölmonarchie kämpft um Marktanteile. Gemünzt war die Bemerkung Richtung Erzfeind Iran, der im Vorfeld bereits verlautbaren ließ, sich an keinerlei Förderdrosselung zu beteiligen - weshalb der iranische Vertreter gar nicht nach Doha angereist war.

Iran verfolgt dabei die Strategie "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass." Das Land ist nach Aufhebung der internationalen Wirtschaftssanktionen im Zuge der Atom-Einigung mit dem Westen gerade dabei, seine Produktion wieder hochzufahren. Da zählt jeder Dollar.

Bange Banken
Mit den Öleinnahmen verspricht sich Iran dringend benötigte Devisen. Nach Jahren des sanktionsbedingten Investitionsstaus, fehlenden ausländischen Knowhows und zuletzt sogar dem Ausschluss vom internationalen Kapitalmarkt sitzt das Land in jeder Hinsicht auf dem Trockenen. Umso enttäuschter ist man, dass erst wenige Deals umgesetzt werden konnten - weil ausländische Banken Transaktionen meiden.

Auch drei Monate nach der weitgehenden Aufhebung westlicher Sanktionen halten sich Banken mit Geschäften noch immer zurück - aus Sorge vor US-Strafen. "Das ist ein Problem, dessen Lösung bedauerlicherweise noch einige Zeit benötigen wird", sagt der britische Iran-Handelsbeauftragte Norman Lamont. Die Banken seien extrem vorsichtig.

Im März hatte bereits der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erklärt, es gebe große Angst bei deutschen und europäischen Banken, bei Geschäften mit dem Iran Strafen in den USA zu riskieren. Der Bundesverband deutscher Banken hatte mitgeteilt, die deutschen Geldhäuser würden Iran-Geschäfte erst wieder aufnehmen, wenn es Klarheit darüber gebe, welche Transaktionen genau wieder erlaubt seien. Schließlich seien nicht alle Sanktionen aufgehoben worden.

Hohe Erwartungen
Doch nicht nur die Spätfolgen der Finanzsanktionen stören das Bild. Die Hindernisse haben tiefe Wurzeln. 35 Jahre islamische Revolution hinterlassen Spuren. Der theokratische Schleier, mit dem die Mullahs ihren Bürgern den wahren Glauben aufzwingen wollen, bedeutet auch 35 Jahre Abschottung. Viele Unternehmen stehen unter direkter Kontrolle der Geistlichkeit und ihrer weltlichen Handlanger, allen voran den Revolutionsgarden.

Als Folge kann es die iranische Wirtschaft heute hinsichtlich von Professionalität, Unternehmensführung, Knowhow und Zugang zum Kapitalmarkt nicht mit potentiellen internationalen Handelspartnern aufnehmen. Die Öl-Expertin Elham Hassanzadeh, deren Unternehmen iranische und ausländische Firmen bei Iran-Investitionen berät, sagt: "Um bei Joint Ventures mit westlichen Firmen auf Augenhöhe agieren zu können, muss Iran als erstes eine 'Investitions-Infrastruktur' aus unabhängigen Wirtschaftsprüfern, Anwälten, Beratern und Gerichten aufbauen, denen Ausländer vertrauen können." Dies erfordere Zeit und ein Bekenntnis zur Rechtsstaatlichkeit.

Tiefes Misstrauen
Zudem habe der Iran heute nicht einmal ein verlässliches Referenzsystem für Zins und Risiko, sagt Hassanzadeh. Viele ihrer iranischen Klienten nähmen an, dass sie nach den Sanktionen etwa zu den gleichen Risikoprämien Zugang zu internationalem Kapital für die Finanzierung von Öl- und Gasprojekten bekämen wie vor der Amtszeit Präsident Ahmadinedschads vor 15 Jahren. Damals lag der Risikoaufschlag bei 2 bis 4%. Iraner konnten sich also für Projekte zu einem internationalen Benchmark-Zins plus 2 bis 4% finanzieren. "Heute sind es über 10%", sagt sie.

Auch was die Qualität der Projekte angeht, zum Beispiel die Größe von Ölreserven, misstrauen ausländische Interessenten den offiziellen Angaben. Sie erwarten die Anwendung transparenter, international anerkannter Standards. Ökonomisch hat der Iran wenig Verhandlungsmasse. Die Weltbank sortiert seine Wirtschaftsleistung zwischen Österreich und Thailand ein. Westliche Firmen stehen in den Startlöchern und wollen mit iranischen Unternehmen ins Geschäft kommen. Aber sie wollen nicht die Katze im Sack kaufen.

Sendungstip
Iran - Große Erwartungen
Erst das Atomabkommen, dann die Aufhebung der Sanktionen und nun der Wahlerfolg der Gemäßigten. Iran verändert sich schrittweise in Richtung Reformen.
(Freitag, 22. April, 21.00 Uhr)
Irans Ölproduktion
LupeBis vor einigen Jahren gehörte der Iran zu den wichtigsten Ölförderländern der Welt. Die Fördermenge lag mit 4 Mio. Barrel pro Tag etwa gleichauf mit Irak und China. Nur Russland, Saudi-Arabien und die USA fördern mehr.

Doch wie in so vielen anderen Ölnationen auch dienten die Einnahmen der staatlichen Ölkonzerne den Regierungen vor allem zur Subventionierung des Haushalts. Die Reinvestitionen der Erträge in Förderanlagen, Pipelines und die Erschließung neuer Vorkommen waren zu gering, um die Produktion aufrechtzuerhalten.

So erklärt sich dar schleichende Rückgang der Fördermenge zwischen 2008 und 2012. Mit den Atom-Sanktionen brach der Öl-Export weg und der Iran förderte nur noch für den Eigenbedarf. Die Reinvestitionen in die Branche litten weiter. Daher ist es jetzt, nach dem Ende der Sanktionen, für den Iran unmöglich, seine Produktion schnell wieder auf 4 Mio. Barrel pro Tag hochzufahren.
Öl
Irans Rückkehr
Nach der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran nimmt dieser seine Ölexporte wieder auf. Das Hochfahren der Förderung wird allerdings viel schwieriger, als man in Teheran glaubt.
Ölförderung
Die Staaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) förderten im März 32,25 Millionen Barrel Öl pro Tag, 15.000 Barrel mehr als im Februar. Das Nicht-Opec-Mitglied Russland, das tief in der Rezession steckt, hat zu Jahresbeginn sogar mit täglich 10,88 Millionen Barrel so viel Öl gepumpt wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr. In Russland machen Energieverkäufe etwa die Hälfte der Staatseinnahmen aus. Manchen Förderländern, aber auch Firmen in der Branche, steht das Wasser bis zum Hals. Einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte zufolge droht etwa einem Drittel der in dem Sektor tätigen Firmen noch 2016 das Aus.