© Darjeeling, Homo Machina
"Homo Machina": ein Tag im Leben eines Menschen, vom Aufstehen bis zum romantischen Rendezvous am Abend.
"Homo Machina": ein Tag im Leben eines Menschen, vom Aufstehen bis zum romantischen Rendezvous am Abend.
Homo Machina
Die Körper-Fabrik des Fitz Kahn
Der menschliche Körper als riesengroße Fabrik, mit unendlichen vielen wuselnden Mitarbeitern. Das ist, kurz gesagt, die Idee des Spiels Homo Machina. Es orientiert sich am Werk des deutschen Arztes Fritz Kahn (1888-1968), dessen Leidenschaft die Wissenschaft der Anatomie war.
Man kann ihn getrost als Pionier moderner Infografiken bezeichnen. Seine Werke umfassen hunderte Illustrationen, die komplexe wissenschaftliche Konzepte in fantastische, teils surrealistische Bilder übertragen. Nun verlegt der französisch-deutscher Kultursender Arte ein Puzzle-Spiel, dass sich an Kahns Werk orientiert.

Die Geschichte vermittelt sich dabei mit feiner Hand im Hintergrund: Ein Tag im Leben eines Menschen, vom Aufstehen bis zum romantischen Rendezvous am Abend. Wir Spieler schauen wie in einen Querschnitt in ihn hinein. Unser Job: den menschlichen Arbeiter*innen dabei zu helfen, die komplexe Vorgänge des Körpers zu regeln. Da ist der Aufwach-Vorgang zu steuern, Kaffeegeruch zu analysieren, der Bewegungsapparat und der Stoffwechsel zu steuern. Es gibt auch ein paar zum Schmunzeln anregende Herausforderungen. Beispielsweise ist der verliebte Mensch beim Flirtversuch zu unterstützen. Das kann durchaus hektisch werden: so viele Schaltstellen im Körper müssen zeitgleich reguliert werden, die Augen und die Finger dafür über den Bildschirm fliegen.

Jede Menge Schalter- und Schiebe-Rätsel
Das klingt sehr nach Lernspiel, ist aber tatsächlich ungemein charmant umgesetzt. Es gibt keine Sprachausgabe außer diskreter Soundkulisse. Die Belegschaft, inklusive Führungsetage - die natürlich ganz oben sitzt - liefern witzige Dialoge per Schrifteinblendungen. Mal erwägt der Direktor, die Skrupel-Inspektoren zu entlassen und einfach krank zu machen. Oder seine Mitarbeiter müssen ihn diskret erinnern, was zu tun ist. Dazu sind jede Menge Schalter- und Schiebe-Rätsel zu lösen.

Arte verlegte erstmals 2013 ein Spiel und zwar das der Geschichte der Typografie gewidmete Type Rider. Homo Machina ist das sechste Spiel unter dem arte-Dach. Besonders gerne arbeitet der Sender dafür mit Spielestudios zusammen, deren Arbeiten Kunst- und Kultur fokussieren und die auf eine unverwechselbare Optik setzen. Das Spiel richtet sich eher an jüngere Spieler - erfahrene werden sich recht schnell durchpuzzeln. Aber auch die dürften an den wunderlich-surrealistischen Körper-Welten von Fritz Kahn Freude haben.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
live um 19.20 Uhr
Zur Person
© privat_nValentina Hirsch
Valentina Hirsch berichtet für 3sat seit vielen Leveln über Videospiel- & Netzkulturthemen. Spiele beschäftigen sie seit ungefähr Tetris und vielen pixeligen "Amiga 500"-Abenteuern.
Spieleinfo
"Homo Machina"
Entwickler: Darjeeling
Plattform: Mobile Game