© Bandai Namco
In Gestalt der kleinen Six im knallgelben Regenmantel müssen wir uns verschiedenen Alptraumszenarien stellen.
In Gestalt der kleinen Six im knallgelben Regenmantel müssen wir uns verschiedenen Alptraumszenarien stellen.
Alpträume im Puppenhaus
"Little Nightmares" - düster schöne Welten aus Schweden
Schweden liegt im Länder-Index der Lebenszufriedenheit fast immer weit vorne. Vielleicht muss man ganz zufrieden sein, um ein Spiel machen zu können, das "Little Nightmares" heißt. In diesem finden wir uns in düster-schönen Alptraumwelten wieder, die stellenweise an Regisseur Tim Burtons Filmsets erinnern. In Gestalt der kleinen Six, einem Mädchen in knallgelben Regenmantel, müssen wir uns verschiedenen Alptraumszenarien stellen.
"Spielplatz" ist dabei ein ebenso verstörendes wie reizvolles Puppenhaus. Dimensionen wirken verzerrt, Möbelstücke zu riesig. Wir starten ganz unten und müssen einen Weg bis ganz nach oben finden. Dabei müssen wir alptraumhaften Gestalten ausweichen, rennen, springen, klettern, rätseln, Fallen umgehen oder Schalter betätigen. Manchmal sind Lösungen offensichtlich, manchmal lässt sich länger grübeln. Unbarmherzig lässt uns das Spiel in letzterem Fall wieder und wieder die gleiche Sequenz durchleben, bis es endlich ein Aha-Erlebnis gibt. Wir stürzen und fallen, alptraumhaft-klassisch ins Bodenlose.

Mit List ans Ziel
Die kleine Six, einzige Protagonistin, ist lediglich mit einem Feuerzeug "bewaffnet" - gekämpft wird jedoch überhaupt nicht. Was immer uns feindlich gesinnt ist, müssen wir überlisten, umgehen oder ihm entkommen. Licht spielt hier viele Rollen: Im Sinne von Rätsellösungen ist Licht ins Dunkel zu bringen, müssen mit dem Feuerzeug Lampen entzündet werden oder man muss sich in den Schatten verstecken, um unbarmherzigen Lichtstrahlen aus dem Weg zu gehen.

"Little Nightmares" erinnert ein wenig an Pixars "Inside Out", das sich ebenfalls mit Kindheitsängsten beschäftigt - erzählt seine Geschichte aber nicht so eindeutig. Videospiele erzählen ohnehin anders, sind strukturell so angelegt, mehr (Spiel-) Raum für individuelles Erleben zu lassen. So muss man sich viel zusammenreimen, innerhalb des Spiels sind Kulisse und Sound die Stars. Es gibt keine aufwändigen Videosequenzen oder Sprecherstimmen. "Little Nightmares" ist stilsicher inszeniert und mag es mysteriös, belohnt aber mit einigen überraschenden Wendungen. Was Videospiele am besten können, ist den menschlichen Erkundungsdrang zu reizen und diese Stärke spielt Little Nightmares voll aus. Es verlangt allerdings auch ein Mindestmaß an Geduld und Frustresistenz: Fehltritte führen unweigerlich zum "Game over".

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
live um 19.20 Uhr
Zur Person
© privat_nValentina Hirsch
Valentina Hirsch berichtet für 3sat seit vielen Leveln über Videospiel- & Netzkulturthemen. Spiele beschäftigen sie seit ungefähr Tetris und vielen pixeligen "Amiga 500"-Abenteuern.
Spielinfo
"Little Nightmares"
Entwickler: Tarsier Studios (Schweden)
Plattform: Xbox One,
Playstation 4, PC