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Themen vom 27.07.2017Navigationselement
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© Rendezvouz Filmverleih Video
Shun Li soll alte Fischer in einem von der chinesischen Mafia gekauften Café am Hafen bedienen.
Mit der Kraft der Poesie
Der Film "Venezianische Freundschaft"
Es sind große Themen, die der kleine Film "Venezianische Freundschaft" ganz unaufdringlich und wie nebenbei verhandelt: Menschenhandel und Fremdenfeindlichkeit, Einsamkeit und Identitätssuche. Vor allem aber ist das Spielfilmdebüt des italienischen Dokumentarfilmers Andrea Segre eine wunderbar poetische Erzählung über die Macht der Freundschaft.
Shun Li (Zhao Tao) ist von der chinesischen Mafia nach Italien gebracht worden. Sie möchte ihrer Familie in China ein besseres Leben ermöglichen. Dafür arbeitet sie sieben Tage die Woche in einer Textilfabrik in der Nähe von Rom. Von einem auf den anderen Tag wird Shun Li von ihrem Chef in den Norden, in die Region Veneto geschickt, nach Chioggia, der kleinen Schwester Venedigs im Süden der Lagune. Dort soll sie in einer Bar arbeiten. Die Tatsache, dass sie kein Italienisch spricht, führt zu einigen Irritationen unter den lokalen Fischern, die sich dort treffen.

Metapher für große Umwälzung im Land
Einer von ihnen ist Bepi, der 30 Jahre zuvor aus Kroatien auf die andere Seite der Adria ausgewandert ist. Eine Situation, die Regisseur Andrea Segre selbst erlebt hat und ihn zu der Geschichte inspirierte: "Vor fünf oder sechs Jahren", erinnert er sich, "bin ich mit einigen befreundeten Fischern in die Bar gegangen, um ein Glas Wein zu trinken, aber hinter der Theke stand nicht mehr Maria, die Frau aus Chioggia, die dort schon immer gestanden hatte, sondern auf einmal war da eine Chinesin. Mir wurde klar, dass diese kleine Revolution in dieser kleinen Bar in diesem kleinen Ort eine Metapher für die große Umwälzung war, die das ganze Land betraf." Und er ergänzt: "Wir sind die Zeugen einer epochalen Veränderung in unserem Land. Italien hat sich im Laufe der letzten 15 bis 20 Jahren Jahre von einem Auswander- in ein Einwanderer-Land verwandelt."

Nicht alle Gäste reagieren verständnisvoll auf die Chinesin hinter der Theke. Guiseppe Battiston spielt den dumpfen Kleinkrimellen Devis, der die fremdenfeindlichen Parolen der Lega Nord nachbetet. Regisseur Andrea Segre bleibt mit seinem Film ganz nah an der sozialen Realität Norditaliens. "Ich wollte bei der Regie so dokumentarisch wie möglich bleiben", erklärt er. "Wir haben mit dem Team im Winter bei Hochwasser in der Lagune gelebt. Wir haben uns in dieser Bar einquartiert - nicht als eine irgendeine Location, sondern als ein Ort, der den Film in seiner sozialen, historischen und lokalen Dimension definiert."

Zarte Liebesgeschichte, raues Ambiente
Shun Li und den alten Fischer Bepi, der von allen nur "der Dichter" genannt wird, verbindet ihre gemeinsame Liebe zur Poesie. Zum Gedenken an einen klassischen chinesischen Dichter setzten sie schwimmende Kerzen aufs Wasser. Doch diese "Venezianische Freundschaft" zwischen zwei Menschen, die anders sind, ist ständig bedroht. In poetischen Bildern erzählt Andrea Segre eine zarte Liebesgeschichte in einer rauen Umgebung.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
"Venezianische Freundschaft"
("Io Sono Li")
IT/FR 2011
Regie: Andrea Segre
Darsteller: Zhao Tao, Rade Serbedzija, Marco Paolini, u.a.
Filmstarts:
DE: im Kino
AT: 26.12.2013