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Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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© dpa Lupe
Unser Bildungssystem sei total ökonomisiert und leugne dadurch Kreativität und die natürliche Neugierde des Menschen, so Wagenhofer.
Schule in der Krise
Erwin Wagenhofers Beitrag zur Bildungsdebatte
98 Prozent aller Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach der Schule sind es noch zwei Prozent. Mit dieser provokanten These leistet der österreichische Filmemacher Erwin Wagenhofer in der Dokumentation "Alphabet" seinen Beitrag zur Bildungsdebatte.
Wagenhofer, der durch Filme wie "Wee Feed The World" und "Let's Make Money" bekannt wurde, hat sich gefragt, warum die Menschen in den Industrie-Nationen trotz Überfluss und Wohlstand nicht wirklich glücklich sind. Sein Film "Alphabet" setzt da an, wo seiner Meinung nach, das Übel beginnt: bei der Bildung. "Im Thema Bildung ist es so wie in allen anderen Bereichen des Lebens", erklärt er: "dass nur noch das angestrebt wird, was unmittelbar danach in einen wirtschaftlichen Nutzen zu verwandeln ist. Alle anderen Sinne haben keinerlei Bedeutung mehr. Das führt ganz sicher in den Abgrund. Sie brauchen nur in der Früh mit einer U-Bahn zu fahren und sehen, dass die Leute sich nicht mehr gut fühlen und frustriert sind."

© Pandora Filmverleih Lupe
In China herrscht Drill und harte Disziplin.
Sein Film beginnt in dem Land, das weltweit für Drill und harte Disziplin steht: China. Die Schüler dort schneiden beim Pisa-Test zwar sehr gut ab, doch ist Selbstmord bei Jugendlichen Todesursache Nummer eins. Erwin Wagenhofer legt den Finger in die Wunde. Prüfungsnormen, reines Abfragen von Wissen - all das macht weder schlau noch glücklich. Die wirklichen Probleme, die unserer Gesellschaft noch bevor stehen, werden standardisiert. So werden die Menschen keine Antwort finden.

Weg vom rein wirtschaftlichen Denken
Wagenhofer kommentiert in seinem Film nichts. Der Österreicher will nichts weniger als die radikale Umwälzung unserer Gesellschaft: weg vom rein wirtschaftlichen Denken hin zu mehr sozialem Miteinander. Das spielerische Lernen, die eigene Kreativität, kommt laut Wagenhofer zu kurz. Dafür steht im Film der 89-jährige Arno Stern: Er hat schon vor mehr als 60 Jahren bei Paris den sogenannten Malort gegründet, einen Ort, an dem Kinder und Erwachsene aufgefordert werden, ihre Fantasie zu nutzen. Im Film heißt es: "Das Spielen ist das, was alle Fähigkeiten beansprucht und alle Fähigkeiten entwickelt. Dadurch kommt man zu sich selbst. Etwas anderes braucht man nicht. Das sollte die Grundlage im Leben eines jeden Kindes sein: tanzen, musizieren, malen."

© Pandora Filmverleih Lupe
Das Ziel solte sein: Mehr Vertrauen in die Kinder haben.
"Alphabet" ist kein Film gegen Schule, das betont Erwin Wagenhofer immer wieder. Auch möchte er keine alternative Schulform propagieren. Mehr Vertrauen in die Kinder haben, sie nicht umformen, sondern ihre Stärken zur Entfaltung bringen - das sollte das Ziel sein, doch die Realität sieht anders aus. Gewinnmaximierung, Produktivität, sogar Rücksichtslosigkeit, werden den Jungen heute im Berufsleben abverlangt. Dazu heißt es im Film: "Machen wir uns nichts vor. Meine Kinder habe ich geplant wie meine Projekte. Anders funktioniert es nämlich nicht. Punkt. Mit 40. Wenn ich mir jetzt denke, du kriegst mit 35 das erste Kind, dann das zweite mit 37. Das ist eh schon spät. Dann bist du mit 40 sicher kein CEO."

Keine Kreativität mit standardisierten Leuten
"Die Verkürzung des Lebens auf die Ökonomie ist eine der schlimmsten Sachen", sagt Erwin Wagenhofer. "Das bringt uns komplett aus dem Lot." Auch die Wirtschaft habe längst erkannt, dass man mit "standardisierten Leuten, die nur eine Denke mitbringen", keine Kreativität möglich sei, um neue Produkte zu entwickeln. "Alphabet" fordert ein Umdenken. Statt der Ökonomisierung des Lebens gilt es, die wahren Kräfte des Lebens wiederzuentdecken. Nur so, sagt Wagenhofer, könnten wir uns zu einer wirklichen "Hochkultur" entwickeln, einer Welt, in der wirklich Wohlstand und Frieden gesichert werden. Und das fängt bei der Erziehung der Kinder an.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
"Alphabet"
DE 2013
(Dokumentation)
Regie: Erwin Wagenhofer
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