Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Kalender
August 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
31
01020304
05
06
0708091011
12
13
1415161718
19
20
2122232425
26
27
28
29
30
31
01
02
03
Moderation
Themen am 22.08.2017Navigationselement
© dpa Lupe
Multitalent Dario Fo hat auch ein umfangreiches malerisches Werk geschaffen.
Faszinierender Mensch, weiser Narr
Dario Fo als Maler in Frankfurt am Main
Er ist Dramatiker, Bühnenbildner, Nobelpreisträger für Literatur, Dozent, Schauspieler, Maler, Satiriker und Kritiker: Dario Fo. Jetzt zeigt Die Galerie in Frankfurt am Main erstmals in Deutschland sein malerisches Werk aus fast 70 Schaffensjahren. Zur Eröffnung kam Dario Fo persönlich nach Frankfurt und diskutierte an der Goethe-Universität mit Studenten über Demokratie und Finanzmärkte.
Er ist der Gigant des Grotesken, des absurden Polit-Theaters. Der Literaturnobelpreisträger Dario Fo schreibt, spielt und inszeniert mit seiner Frau Franca Rame in 60 gemeinsamen Jahren an gegen die absurden politischen Realitäten, gegen die Ungerechtigkeit. Er ist ein politischer Clown, der die Clowns des Politikbetriebs gnadenlos intelligent entblößt. Das Paar hat mit seiner Kunst viel erreicht in Sachen Emanzipation, sexueller Befreiung und Anti-Korruption. Ende Mai 2013 ist Franca Rame gestorben.

"Vor vielen Jahren hat sich Franca gewünscht, dass zu ihrem Begräbnis viele Frauen kommen, mit denen wir gemeinsam gekämpft haben, und sich rot anziehen", so Dario Fo. "Das haben sie tatsächlich getan. Der Platz war unendlich voll - bis zum Horizont. Ich konnte die Menge gar nicht überblicken. Es war ein Meer von Rot. Das brachte mich zum Weinen." Franca schwingt die ganze Zeit mit in Frankfurt. Anlass des Besuchs ist eine Ausstellungseröffnung. Denn - und das ist außerhalb Italiens kaum bekannt - der Dramatiker ist auch Maler. Fo hat Kunst studiert und malt schon seit 70 Jahren. "Als ich mit 19, 20 Jahren anfing Theater zu spielen und Stücke zu entwerfen, habe ich ein ganzes Jahr lang die Stücke aufgemalt und nicht geschrieben, bevor ich sie aufführte."

Nobelpreisträger zum Anfassen
Fos Malerei ist so eng mit seiner Theaterkunst, dem politischen Engagement, seinem Leben verwoben, dass der 87-Jährige bis heute nie ein Bild verkaufen wollte. Die persönliche Beziehung zum Frankfurter Galeristen Peter Femfert und seiner Frau ist der Grund dieser ersten Galerie-Ausstellung seiner Werke. Die Vernissage ist überfüllt. Viele wollen die Satiriker-Legende erleben. Und Fo diskutiert und erklärt dem Publikum seine Bilder - lebendig und voller Humor. Er ist ein Nobelpreisträger zum Anfassen. Ein Geschichtenerzähler, auch in seiner Malerei. Ob in Mythen, Bibelzitaten, oder sehr gekonnten Interpretationen - er würde sagen: Kopien berühmter Werke. Es sind die kleinen Leute, denen Fo eine Stimme gibt. Dreimal hat er es abgelehnt, italienischer Staatspräsident zu werden, weil er an der Basis bleiben will. Fo hat Beppe Grillo, den Berufskomiker und dessen Bewegung der "5 Sterne" im Wahlkampf unterstützt.

"Grillo versucht aufzuzeigen, was wirklich in Europa passiert", so Fo, "die Verantwortung der Banken, und der nationalen Tricksereien untereinander, die zu einer desaströsen Situation geführt haben. In Italien gibt es eine infame Technik im Steuerdiebstahl: Die einfachen Arbeiter zahlen bis aufs Blut, die Reichen und Mächtigen dagegen nichts. Die einzige Lösung ist der totale Zusammenbruch des Parteiensystems, um wieder eine zivile Demokratie aufbauen zu können." Italien habe den Narren erfunden, also könne auch ein Satiriker Politiker werden, so Dario Fo - ein großer Künstler, faszinierender Mensch, weiser Narr.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Ausstellung
"Dario Fo. Malerei 1945-2012"
Die Galerie, Frankfurt am Main
Bis 31.08.2013
mehr zum Thema