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© Polyfilm Lupe
Mit Mitte Dreißig auf der Couch mit Pantoffeln: der Film "Nägel mit Köpfen"
Am Wendepunkt
Eine Doku über die Thirty-Somethings
Wer heute 35 Jahre alt ist, dem stehen meist noch alle Wege offen - Familie, Ehe oder Singleleben? Karriere oder Aussteiger-Dasein? Gerade diese Richtungslosigkeit wird für viele zum Problem. Viele österreichische Autoren wie Peter Truschner oder Doris Knecht schreiben über die Sinnkrise im 35. Jahr. Auch ein Filmemacher aus Salzburg begibt sich auf Identitätssuche der Mittdreißiger. Der Dokumentarfilmer Marko Doringer hat für "Nägel mit Köpfen" zwei Jahre lang Paare mit der Kamera begleitet.
In seinem neuen Dokumentarfilm macht Doringer "Nägel mit Köpfen" und nennt ihn auch gleich so. Wer mit Mitte 30 noch immer nicht weiß, was er vom Leben will, sollte langsam darüber nachdenken, bevor es zu spät ist. Familiengründung, Karriere oder doch besser ein völliger Neustart, am anderen Ende der Welt? Regisseur, Produzent und notorischer Zweifler Doringer steht nach seiner erfolgreichen Filmautobiografie "Mein Halbes Leben" wieder selbst vor der Kamera Rede und Antwort. "Bei mir war es so, als ich 30 war, war eine feste Bindung bei mir gar kein Thema", so Doringer. "Aber das ist vielleicht auch etwas, das durchs steigende Alter kommt, dass man sich dann doch nach einer gewissen Beständigkeit sehnt. Vielleicht auch, weil sich in unserer Welt ständig so viel ändert."

© Polyfilm Lupe
Marko Doringer ist selbst Mittdreißiger.
Doringers filmische Suche nach dem richtigen Leben führt ihn auch zu drei weiteren Paaren, die am Wendepunkt ihres Lebens stehen. Er zeigt ihr Dilemma zwischen der Sehnsucht nach einem Fixpunkt in dieser schnelllebigen Zeit und der Angst davor, Freiheiten aufgeben zu müssen. Nicht die Midlife, sondern die Mittdreißiger-Crisis boomt. Filme, Romane und auch das Feuilleton beschäftigen sich mit den Wünschen, Sorgen und Ängsten der Thirty-Somethings, die sich am vermeintlich endgültigen Ende ihrer Jugend befinden. Aber wer sind diese Thirty-Somethings, die gerade so heftig thematisiert werden?

Das Beste aus dem Leben herausholen
"Es ist ein sehr enges Milieu von jungen Erfolgreichen, gut Gebildeten, mit offenbar keinem ärmlichen Hintergrund - die Bobo-Generation wie wir sie in Wien nennen, und in Berlin sind es die Prenzlauer-Berg-Leute", sagt Doris Knecht, eine der derzeit gefragtesten Kolumnistinnen Österreichs. Treffend und gewitzt, aber nie bösartig kommentiert sie Alltagsgeschehen und Lifestyle-Lügen. Ihren kürzlich erschienenen Roman "Besser" lässt sie im Milieu der städtischen Bildungsbürger spielen - unter Menschen, die alles haben und alles erreichen können. Aber ist alles vielleicht zu viel? "Wir sind in eine Welt hineingeboren worden", so Knecht, "wo man sich das erarbeiten konnte, wo der Druck groß ist, dass jeder das Beste für sich findet und das Beste aus sich macht. Wenn man daran scheitert, ist es hart. Teilweise tut man so, als könne und müsse jeder glücklich werden. Wahrscheinlich ist es für viele auch möglich, aber es herrscht wirklich ein großer Zwang."

Wollte die Vorgänger-"Generation-X" noch freiwillig aus ökonomischen Zwängen ausbrechen, bewegt sich heute die "Generation Praktikum" zwangsweise am Rande des Präkariats. Doch wo fängt eine Generation an und wo hört sie auf? Der Abstand wächst. Seit zwei Jahrzehnten bekommt man in der westlichen Welt immer später Kinder. Die Zeit des "Erwachsenwerdens" dauerte noch nie so lange und war noch nie so schwer. "Jede Generation hat ihre Themen", sagt Doringer, "aber ich glaube nicht, dass wir eine spezielle Generation sind, die alles neu macht, sondern es ist eine kontinuierliche Fortführung von gesellschaftlichen Entwicklungen." Die kleinen Krisen des Alltags in "Nägel mit Köpfen" sind vertraut, schnell fühlt man sich mit den Protagonisten verbunden. Doringer gelingt ein authentisches Porträt der Thirty-Somethings und ihren Schwierigkeiten damit, neue Lebensmodelle zu entwerfen.


Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
© PolyfilmLupe"Nägel mit Köpfen"
(Dokumentation)
AT/DE 2013
Regie: Marko Doringer
in österreichischen Kinos