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24. Mai 2013
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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© dapd Lupe
Um die Ehe von Niels und Maria steht es nicht zum Besten.
Schuld und Sühne
Matthias Glasners Film "Gnade"
Maria, Niels und ihr pubertierender Sohn wandern nach Norwegen an den nördlichen Polarkreis aus. Auf einer nächtlichen Fahrt durch die eisige Landschaft überfährt Maria "etwas", gerät in Panik und begeht Fahrerflucht. In Matthias Glasners Film hofft Maria auf "Gnade".
Eine Unachtsamkeit - und die Welt gerät aus den Fugen. Nichts ist mehr wie vorher. Eigentlich sollte es ein Neuanfang werden, eine zweite Chance: Auswandern nach Norwegen. Doch Probleme nimmt man überall hin mit. Um die Ehe von Niels und Maria steht es nicht zum Besten, sie existiert nur noch auf dem Papier. Maria macht endlos Überstunden als Krankenschwester in einem Hospiz und sieht kein Licht am Ende des Tunnels.

Die Schuld verdrängen
"Die Mutter ist der Gutmensch, arbeitet im Hospiz, hilft den Sterbenden", sagt Regisseur Matthias Glasner. "Sie drückt ein Auge zu, als ihr Mann sie betrügt, und heißt auch noch Maria. Diesem Menschen passiert dieser Unfall und dann sagt sie die tollen Sätze: 'Ich bin nicht dieser Mensch. Wenn ich das jetzt zugebe, dann werde ich immer der Mensch sein, der das getan hat. Ich bin nicht dieser Mensch.' Wie kann man so etwas sagen? Sie hat es ja getan. Aber sie versucht, es zu verdrängen, wie sie ihr ganzes Leben verdrängt."

Auch der Unfall wird verdrängt. Das Paar schweigt und geht nicht zur Polizei.Ihre Welt ist eiskalt und doch hoch emotional. In Matthias Glasners Film "Gnade" hat jedes Bild eine zweite Ebene. Gefühle kommen wieder in Bewegung und die Menschen sich näher. "Nicht alles läuft immer so, wie wir es uns in unserer Fantasie wünschen", sagt Jürgen Vogel, der Niels spielt. "Das Aufstehen ist manchmal wichtiger, als Angst davor zu haben, zu fallen. Es geht darum zu gucken, wie gehen wir mit all den Hindernissen, die uns im Leben passieren, um? Eine Beziehung bekommt dann Substanz, wenn sie es über gewisse Krisen hinweg geschafft hat."

Glück im Unglück?
© dapd Lupe
Regisseur Matthias Glasner mit Birgit Minichmayr und Jürgen Vogel
Gibt es Glück im Unglück? Darf das überhaupt sein, dass man trotz Schuld glücklich ist? Die Schuld schwebt über allem. Maria und Niels warten regelrecht darauf, dass sie für ihr Glück bestraft werden und dass sie Sühne leisten müssen. Wer kann einen begnadigen? "Das Gefühl von Angst ist ganz stark da", so Glasner. "Wenn man etwas getan hat wie die beiden, dann lebt man mit der Angst, dass man dafür bestraft werden wird. Dafür steht dann die Szene, wenn der Junge ihnen das vorführt: Er inszeniert einen Moment, wo er eventuell ertrunken ist." Der Sohn spürt, dass mit seinen Eltern etwas nicht stimmt.

Wie geht man mit Schuld um? Mathias Glasner sagt, man muss "sich erst einmal eingestehen, dass man ständig schuldig wird, jeden Tag. Wir stehen auf, machen irgendetwas falsch. Und wenn wir uns dann vergeben könnten, könnten wir vielleicht auch anderen vergeben. Was für eine Vorstellung! Da sehe ich Licht am Horizont, in einer gottlosen Welt, wenn wir als Menschen diese Kraft entwickeln würden. Insofern ist der Film eine Behauptung, eine Vision von etwas, das sehr schön wäre." Ein 16-jähriges Mädchen ist gestorben. Ist da Vergebung möglich? "Gnade" ist ein sensibel inszeniertes Psychodrama, hervorragend gespielt von Birgit Minichmeyr und Jürgen Vogel, unter extremen Bedingungen bei minus 40 Grad. Norwegen ist hier ein metaphysisches Land. Wer hier leben will, muss vergeben.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
© dapdLupe"Gnade"
DE / NO 2012
Regie: Matthias Glasner
Darsteller: Jürgen Vogel, Birgit Minichmayr, Henry Stange u.a.
Kinostarts:
DE: 18.10.2012
AT: 09.11.2012
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