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© Look twice by Demner Merlicek Bergmann Lupe
Siegerentwurf Look Twice!: "Auf den ersten Blick scheint vieles unverständlich."
Imagekampagne für den Islam
"Rebranding European Muslims" in Graz
Mit der Aktion "Rebranding European Muslims" will das Festival Steirischer Herbst 2012 in Graz das Image europäischer Muslime in unserer Gesellschaft positiv beeinflussen. Drei internationale Werbestrategien wurden in einer inszenierten Gala vorgestellt, das Publikum wählte den Siegerentwurf.
Eine Gala beim Avantgarde-Festival Steirischer Herbst ist ein Widerspruch in sich: Die israelische Truppe Public Movement hat sie überzeugend inszeniert. Die erste Irritation: Ein Muezzin ruft das Publikum zur Ordnung - und in den Saal. Dort folgt die zweite Irration: Männerschuhe auf der Stufe des Podiums und ein muslimisches Abendgebet auf der Bühne. "Ein Mittelschichtspublikum, das zu einer kulturellen Veranstaltung kommt, internationale Künstler und Muslime: Diese Mischung hier ist sehr speziell", sagt Dana Yahalomi von Public Movement. "Ich finde, wir machen damit bereits Politik." Eine Art von Politik, die viele politische Parteien vermissen lassen. Denn, wie in großen Teilen Europas versuchen auch in Graz Politiker am rechten Rand, mit antiislamischen Wahlkampagnen Stimmen zu gewinnen. Ein letzter Höhepunkt war der Link zu einem Computerspiel: "Moschee baba - lasst uns auf Moscheen schießen" - abrufbar über die Homepage der FPÖ.

Offener Umgang miteinander als Grundlage
© Wolfgang Silveri Lupe
Werbung für Rebranding European Muslims
In Graz leben rund 20.000 Muslime. Sie sind vielfach dort geboren und aufgewachsen. Für ein zukünftiges islamisches Kulturzentrum wurde kürzlich der Grundstein gelegt. Dort soll auch eine Moschee entstehen. Derzeit wird das gut besuchte Freitagsgebet noch in einem Zelt auf dem Grundstück abgehalten. Anerkennung und friedliches Miteinander: Ein offener Umgang miteinander ist die Grundlage dafür. "Der Ansatz für Mulitkulti ist gescheitert.": Hatte Angela Merkel doch nicht recht? Die islamische Gemeinde in Graz will diese Aussage nicht akzepetieren. Mit Begeisterung hat der Chor des islamischen Kulturzentrums die musikalische Untermalung der Gala übernommen.

Rebranding ist ein agressiver Begriff, der hier auf eine ganze Bevölkerungsgruppe angewandt wird. "Public Movement" hat diesen Slogan bewusst ausgewählt. "'Rebranding European Muslims' meint nicht, dass wir etwas zu einer Marke erklären, sondern wir wollen damit verschiedene Gemeinschaften neu darstellen", sagt Dana Yahalomi. Wir behaupten keineswegs, dass wir jetzt die für immer einzig gültige 'Marke' vorstellen, sondern vielmehr die Irrtümer, die in solchen Vorgängen passieren." Der Wiener Werbeprofi Mariusz Jan Demner will mit Irritationen die Aufmerksamkeit der Menschen wecken. Seine Botschaft auf Plakaten lautet: Look twice! - genau hinschauen und sich vielleicht selbst ertappen. Denn in unseren durch die lateinischen Buchstaben geprägten Köpfen sind arabische Schriftzeichen nicht nur positiv besetzt.

Mohammed für jeden
Der Name Mohammed ist nach Meinung von Guleed Mohammed aus Schweden eher schlecht beleumundet. Deshalb fordert er: Jeder möge sich Mohammed nennen und so das Bild ins positive wenden - eine ebenso naive wie undurchführbare Idee. "Die Diskussion, die jetzt gerade wieder um den Islam entbrannt - wenn wir an das Mohammed-Video denken - ist eine Diskussion, die ausschließlich auf Bildern aus dem Internet basiert. Daher wollen wir unsere Vorschläge auf dieses Medium beziehen und sie dort verbreiten", sagt Daniel van der Velden von der Amsterdamer Gruppe Metahaven.

Gute Idee, doch die dahinter steckende Strategie ist ebenso komplex wie unverständlich. Metahaven plant eine Art Viruskampagne, die via Pop-Ups ironische Kommentare zu aktuellen interkulturellen Problemen abgibt. Vielleicht ist der analoge Weg doch der bessere? So scheint jedenfalls das Publikum in Graz gedacht zu haben, denn gewonnen hat die Plakatkampagne: "Auf den ersten Blick scheint vieles unverständlich."

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr