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Thomas Schüttes Installation "Ferienhaus T" sorgt zurzeit im Tiroler Bergdorf Mösern für Aufregung. Es ist als Nachdenk-Raum für 9/11 konzipiert.
"Ferienhaus T"
Thomas Schüttes Installation erregt ein Bergdorf
Eine Kunstinstallation scheint derzeit die heile Tiroler Touristen-Bergwelt der Gemeinde Mösern in Seefeld ins Wanken zu bringen: "Ferienhaus für Terroristen" heißt die begeh- und sogar bewohnbare Skulptur des Anstoßes. Der Entwurf stammt von Thomas Schütte, einem der Lieblingsschüler von Gerhard Richter und selbst derzeit einer der gefragtesten deutschen Bildhauer. Der 58-Jährige hat das "Ferienhaus für Terroristen" als Nachdenk-Raum für 9/11 konzipiert.
In Mösern, dem Tiroler Dorf mit der gewaltigen "Friedensglocke", die Friede und Freude im Alpenraum einläuten soll, schrillen die Alarmglocken. In der kleinen Gemeinde, in der die meisten Einwohner von Gästen leben, will ein polnischer Galerist ein "Ferienhaus für Terroristen" errichten. Bauherr Rafael Jablonka ist ein international agierender Galerist und die Gelassenheit in Person. Im Herbst 2011 begann er mit den Bauarbeiten auf felsigem Grund: Eine 100 Quadratmeter große, begehbare Skulptur nach einem Modell von Thomas Schütte soll hier entstehen.

Entwürfe für Ground Zero verärgerten Schütte
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Bauherr Rafael Jablonka ist ein international agierender Galerist.
Jablonka handelt weltweit mit Kunst. Er vertritt Kaliber wie Andy Warhol, Mike Kelley oder den japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki. "Schickimicki" ist nicht seine Sache, darum baut er auch nicht im mondänen Kitzbühel, sondern im beschaulichen Mösern. Thomas Schütte kommt immer wieder nach Tirol, um sich vom Baufortschritt zu überzeugen. 2002 hat er die ersten Modelle mit dem provokanten Titel "Ferienhaus für Terroristen" gebaut - unter dem Eindruck der Anschläge vom 11. September. Auslöser waren die Entwürfe für den Wiederaufbau auf Ground Zero. Die ausgestellten Projekte der geladenen Star-Architekten erregten Schüttes Zorn und veranlassten ihn zum radikalen Gegenentwurf.

Leben im schicken Glashaus, um Buße zu tun? Ist damit transparenter Strafvollzug gemeint? Schütte persifliert das strenge Diktat der klassischen Moderne und stellt immer wieder westliche Wertmaßstäbe in Frage. Seine Aussagen sind politisch, provokant und voller Ironie. Die Arbeiten des Schülers von Gerhard Richter sind weltweit zu sehen, ob im MoMA in New York, im Museo Reina Sofia in Madrid, oder wie derzeit in der Ausstellung "Frauen" in Turin. Seinen "Mann im Matsch", eine monumentale, im Morast versinkende Figur setzt Schütte - welcher Ort könnte besser passen - deutschen Bankern vor den Eingang.

Koketterie mit der Tradition
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Thomas Schüttes "Große Geister" in Wien
Modelle, Aquarelle, Bronzen - in klassischen Genres kokettiert der Vielseitige mit der Tradition, jedoch ohne jeden Nostalgie-Verdacht, denn vermeintlich hehre Bronzen kommen als Travestie daher. Seine "Großen Geister" bevölkerten 2011 die Wiener Innenstadt. Die Kolosse wirken wie gestrandete Außerirdische, allerdings unbewaffnet und ein bisschen desorientiert. Skulpturen wie diese werden um bis zu 4 Millionen Euro gehandelt. Da kann man sich schon echauffieren, wie kapitalistisch der Kunstmarkt ausgerichtet ist.

Seine Gartenhäuschen sind derzeit "in", denn für einige Sammler hat Schütte bereits seine gebastelten Sperrholzmodelle in begehbare Skulpturen verwandelt, wie das "One Man House" in Frankreich oder den "Tempel" auf Mallorca. Doch nur das Tiroler Haus ist wirklich winterfest. Aus den Glasscheiben des Modells sind wohnliche Vorhänge geworden, die den reduziert eingerichteten Raum in eine Bühne verwandeln. Wie schläft es sich in einem Kunstwerk? Das sei schon sehr theatralisch, man habe das Gefühl auf einer Bühne zu schlafen, meinen Künstler und Galerist. Den Titel hat Schütte inzwischen auf "Ferienhaus T" verkürzt, um des lieben Dorffriedens willen. Nach nur einem halben Jahr ist der fünfeckige Bau vollendet. Über die Kosten schweigt der Bauherr. Dass sie eher einem Kunstwerk entsprechen, als einem Zweckbau, macht eine Einordnung dann wohl doch einfacher. Es wird nicht öffentlich zugänglich sein, aber auf Anfrage darf dort Ferien machen, wer nach Mösern pilgert und das Werk von Thomas Schütte zu schätzen weiß.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Bildergalerie
"Ferienhaus T"
Thomas Schütte und seine Kunstinstallation