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Moderation
Video-Porträt
Cécile Schortmann
Bei Cécile Schortmann lässt gute Kunst alle Sinne vibrieren. Aber auch tolle Musik berührt unsere Moderato-
rin. Und wenn ihr der Beruf zu stressig wird, entspannt sie sich bei Yoga.
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© Aduen Darriba, Anouk Wipprecht, Photo: Robert Lunak Video
Das "Smoke Dress" von Aduen Darriba zeigt, was Textilien in Zukunft können.
Der Stoff der Zukunft
Die Ausstellung "Technosensual" in Wien
Welchen Stellenwert Kleidung in der Gesellschaft von morgen haben wird, darüber denken nicht nur Modedesigner nach, sondern immer häufiger auch Ingenieure und Künstler. Welche neue Technologien die Stoffe von morgen revolutionieren und wie sich das moderne Nomadentum auf die Mode auswirkt, das zeigt die Ausstellung "Technosensual" im Quartier21 in Wien.
Sie leuchtet, tropft, pulsiert, raucht und blitzt - mit seiner Kleidung wird der Mensch der Zukunft intensiver verbunden sein als heute. Die Mode wird den Körper nicht nur verhüllen, sie wird ihn erweitern, seine Reaktionen nach außen tragen und aktiv auf die Umwelt reagieren. Was uns Science-Fiction-Filme seit der Erfindung des Genres vormachen, damit beschäftigen sich nun auch die Couturiers. 2006 erstaunte der türkische Stardesigner Hussein Chalayan das Publikum seiner Pariser Prêt-à-Porter-Schau. Jedes Modell - vom viktorianischen Abendkleid bis zum Sixties-Look - transfomierte sich mittels computergesteuerter Motoren und Drähte, die sich durch die Kleider zogen - ein Hohelied auf die Technik und ein Kommentar zur Schnelllebigkeit der Mode.

Mehr als nur Showeffekt auf dem Laufsteg
Für die niederländische Modedesignerin und gelernte Elektrotechnikerin Anouk Wipprecht, Kuratorin der Ausstellung Technosensual, ist High-Tech-Mode mehr als nur Showeffekt auf dem Laufsteg. Und das, obwohl sie mit einem Bühnenoutfit aus LED-Lampen und Strasssteinen für die Black-Eyed-Peas-Sängerin Fergie international auf sich aufmerksam machte. Und beim Eurovision Song Contest in Baku hat sie mit ihrem Know-How den Trackshitters zumindest ein Glanzlicht aus LED-Leuchten aufgesetzt. Was Wipprecht viel mehr interessiert, ist die Beziehung des Menschen zu seiner Kleidung. Für die Schau hat sie die spannendsten Positionen aus den Bereichen der Mode und der Kunst zusammengestellt.

"In der Gesellschaft von heute sind die Menschen in ihrer persönlichen Blase gefangen", so Wipprecht. "Wenn man sieht, wie tragbare Elektronikgeräte verwendet werden, merkt man schon heute, dass die Menschen immer weniger ihre Gefühle ausdrücken. Im Gegensatz dazu arbeiten viele der ausgetellten Künstler an Kleidung, die Gefühle transportieren kann." Und so laden viele Exponate der Ausstellung zur Interaktion ein, wackeln kokett mit der Hüfte, wenn man sich ihnen nähert oder ändern den Grad ihrer Durchsichtigkeit. Von Wipprecht selbst stammt das Modell "Pseudomorphs", ein System aus Pumpen, Ventilen, Schläuchen und einer Neun-Volt-Batterie leitet Farbe in den Stoff, der das Kleid zu einem Unikat macht. Noch steht die Technik im Vordergrund, aber die Idee von Kleidung, die auf Wunsch die Farbe wechselt, klingt verführerisch.

Visionäre Körperhüllen
Paparazzi-Fotografen haben es in Zukunft auch nicht mehr so leicht, denn wenn sie blitzen, dann blitzt die Kleidung im selben Moment zurück. Ein Entwurf von Ricardo O'Nascimento ist eine Anspielung auf die Hass-Liebe zwischen Stars und Fotografen. Das tolle Outfit lockt und bockt zugleich. Viele der visionären Körperhüllen, stecken in ihrer Technologie noch in den Kinderschuhen. Nicht alles ist schon so ausgereift wie das 3D-Printverfahren, mit dem der Schuh von morgen entsteht. Im Quartier 21 arbeiten derzeit zwei Artists in Residence an einer sehr anziehenden Skulptur.

Mit einer Mischung aus Öl und Eisenpartikeln, die durch den Einfluss von Magneten dreidimensional wird, arbeitet der serbische Künstler Bogomir Doringer. Die Substanz rinnt über die magnetische Skultpur seines niederländischen Kollegen Rein Vollenga. Für Doringer, der als Kind den Krieg im damaligen Jugoslawien miterlebt hat, ist die Arbeit eine Anspielung auf den Einsatz von Uranmunition im Balkankrieg. "Die Menschen erkrankten an Krebs", so Doringer. "Aber weder Nato-Soldaten, noch die Bevölkerung wurden über die Gefahren informiert. Ich habe mir überlegt, in welcher Form man das Eisen im Blut der Soldaten darstellen kann. Das flüssige Öl, das gleichzeitig so plastisch wirkt, symbolisiert die Berichterstattung in den Medien. Sie kann wahr sein, aber auch falsch."

Lady Gaga und der Slime
Mit Fiktion und Wirklichkeit spielt der niederländische Produktdesigner Bart Hess. Statt mit aufwändigen, digitalen Effekten arbeitet er mit einer modifizierten Form des guten alten "Slime", einem Spielzeug-Klassiker, entwickelt in den 1970er Jahren. Damit umhüllt er Körper wie den von Lady Gaga für ihr Album "Born This Way" und gibt ihnen eine alienartige flüssige Oberfläche. Für sein Video "Mutants" benutzte er eine Folie, die die umliegenden Lichtquellen reflektiert. "Es ist ein totaler Gegensatz", sagt Hess. "In meinen Arbeiten bedecke ich Körper, also sieht man auch nicht den Ausdruck in den Gesichtern. Dennoch drückt der Körper in seiner Gesamtheit etwas aus und das ist mir wichtig."

Musikalisch drückt sich der Anzug der niederländischen Modedesignerin Maartje Dijkstra und des deutschen Musikers Beorn Lebenstedt aus. Die Reißverschlüsse sind gleichzeitig Spannungsregeler, mit denen sich ein digitales Mischpult ansteuern lässt. "Man spricht heute über die modernen Nomaden", sagt Anouk Wipprecht. "Man denkt nach, wie Menschen in Raumfahrzeugen unterwegs sein werden, was man in kleinen Wohnboxen alles unterbringen kann. Der private Raum wird immer kleiner und die Frage stellt sich, wie man sich das Gefühl des Privaten wieder zurückholen kann. Das ist ein Thema in der Zukunft und auch in vielen der ausgestellten Arbeiten: Mit welchen Abwehrmechanismen kann man sich den privaten Raum erhalten."

Mit dem Bodyspeaker von Karina van Heck kann man zum Beispiel Körpergeräusche aufnehmen und zu seinem persönlichen Soundtrack mischen. Wird die Mode der Zukunft verhindern, dass wir emotional vereinsamen, wird sie unsere menschlichen Defizite ausgleichen und vielleicht sogar die Welt retten? Wir werden es sehen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Ausstellung
"Technosensual: Where Fashion Meets Technology"
Quartier21, Wien
bis 02.09.2012