Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Archiv & Vorschau
Mai 2013
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
29
30
010203
04
05
0607080910
11
12
1314151617
18
19
2021222324
25
26
2728293031
01
02
Kulturzeit heute
24. Mai 2013
Moderatoren
Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
NavigationselementNavigationselement
Genie oder Geschäftsmann?
"Der frühe Dürer" in Nürnberg
Albrecht Dürer, der Zeichner der "Betenden Hände" und des "Hasen", der Maler erstaunlicher Selbstporträts wurde immer als erstes deutsches Künstlergenie auf Ego-Trip gehandelt. Stark beeinflusst von den großen Italienern seiner Zeit wie Leonardo oder Michelangelo, hat er seinen ganz eigenen Stil gefunden, so die bisherige Sicht. Jetzt zeigt Nürnberg "den frühen Dürer".
Das Ende einer dreijährigen Forschungsarbeit ist der Anfang einer großen Ausstellung mit 190 Exponaten von 51 Leihgebern aus zwölf Nationen, mit 20 Mitarbeitern im Projektteam. Dürer ist Deutschlands wohl bekanntester Künstler - ein Genie von Geburt, das alle Kunst aus seinem Inneren schöpft. Seine Selbstporträts sind Ausdruck künstlerischer Schöpferkraft. Oder waren es Musterbilder, um seine Fähigkeiten als Handwerker zu zeigen? Das fragt die Nürnberger Ausstellung "Der frühe Dürer".

Dürer war kein einsames Genie
Dürer kam nicht aus dem Nichts. Er hatte Vorbilder, wie den Meister Hans Pleydenwurf, der Lehrer seines Lehrers. "Drahtziehmühlen sind ein ganz wichtiges Element der fränkischen Landschaft", erklärt Daniel Hess, Projektleiter der Ausstellung. "Das sind Dinge, die Dürer isoliert. Und dann macht er sie in seinen Aquarellen und in den Gemälden zu eigenständigen Bildaufgaben." Eines seiner frühen Gemäde zeigt Dürers Mutter. Es befindet sich im Besitz des Nürnberger Museums. Bald wird sie dort Gesellschaft von ihrem Mann bekommen, sein Porträt reist aus Florenz an. Die Ausstellung wagt die These: Dürer war kein einsames Genie, sondern cleverer Geschäftsmann und genialer Handwerker.

Wie wurde Dürer zum ersten Markenkünstler mit dem vielleicht berühmtesten Logo der Welt? Sein Ruhm zu Lebzeiten beruhte nicht etwa auf seinen Gemälden. Die konnte sich kaum einer leisten. Die Drucke, die er einzeln oder in Büchern in alle Welt verbreitete, machten ihn früh zum Star. "Dürer sagt selbst, ein Künstler müsse innerlich gewaltig voller Bilder sein", so Hess. "Es geht auch darum, die traditionellen Stoffe in einer völlig neuen Bildsprache zu erzählen. Das ist einer der ganz großen Markterfolge, die Dürer dadurch erzielt. Jeder wollte ein Bild haben, denn so etwas hatte man noch nicht gesehen. Das ist das Erfolgsmodell von Dürer, weil er sich mit der Druckgrafik so viel Grundkapital ermöglicht, dass ihm das die Chance gibt, nachher, über Jahrzehnte hinweg, kunsttheoretische Studien zu betreiben."

Dürer unterm Mikroskop
Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Genau wie seine berühmten Zeitgenossen aus Italien möchte Dürer dem Geheimnis der idealen Darstellung auf die Spur kommen. "Bei Dürer ist es beispielsweise die Proportion des menschlichen Körpers", so Thomas Eser, Projektkoordinator der Ausstellung. "Er ist fest davon überzeugt, dass er durch Forschen die Regeln finden kann. So wie es Leonardo auch tat, vielleicht etwas universeller." Dem "Hasen" wollten Dürers Zeitgenossen ins Fell fassen, so lebensecht wirkte er damals. Wie hat er das alles gemacht? Das Team des Nürnberger Museums ist um die ganze Welt gereist und hat Dürers Werke wissenschaftlich untersucht. Dabei haben die Wissenschaftler zum Beispiel festgestellt, dass das Pergament seines Selbstbildnisses in Paris einmal fast komplett zerrissen war.

Das Weihnachtsmotiv schlechthin ist "Die Anbetung" - die Forscher untersuchten es in Florenz und lernten dabei vieles über Dürers Malweise. "Hier haben wir in der Unterzeichnung verschiedene Linien, die er dann nachträglich völlig verworfen hat", zeigt Oliver Mack, Kunsttechnologe des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. "Hier hat er einen stehenden Mann eingetragen und später noch mit einem springenden Hund ergänzt. Und in der Ausführung hat er gänzlich darauf verzichtet." Das Selbstbildnis aus dem Prado in Madrid offenbart ein weiteres Detail: Dürer malte Farbe mit dem Handballen auf das Bild, hinterließ also seinen Fingerabdruck. Symbolische Geste oder handwerklicher Trick?

"Ich bin da sehr zurückhaltend, was dieses moderne Verständnis vom Selbstbildnis angeht", sagt Hess, "dass man sich da mit dem eigenen Selbst und Ich auseinandersetzt. Ich denke, da ging es viel um Marktstrategien und darum, zu zeigen, was man kann." Das Selbstbildnis ist also kein Ausdruck eines Künstlersubjeks, das es wagt, erstmals nur sich selbst zu zeigen? Das Geheimnis von Dürers hypnotischem Blick ist technisch nicht zu entschlüsseln. Die Größe seiner Kunst liegt jenseits des Messbaren.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Ausstellung
"Der frühe Dürer"
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
24.05. bis 02.09.2012
Mediathek
Der Beitrag in der ZDF-Mediathek