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Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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© Ruth Walz Lupe
Blut und Drama: "Die schönen Tage von Aranjuez" scheinen vorbei ...
Anti-Stück, Anti-Held
Neues von Peter Handke
Den Anfang der Wiener Festwochen 2012 macht Peter Handke, der sein neues Stück "Die schönen Tage von Aranjuez" im Akademietheater zeigen wird. Aber auch ein neuer Kino-Film ist dem streitbaren Autor gewidmet: Eine Dokumentation zeigt Handkes Heimatort Griffen, wo der berühmte Sohn nicht nur Freunde hat.
Viel geschieht nicht im Film "Griffen - Auf den Spuren von Peter Handke". Bäuerinnen sammeln Fallobst auf, Männer trinken Bier, hin und wieder fährt sogar noch ein altes Pferdefuhrwerk übers Land. Über Griffen gibt es wenig zu berichten - außer, dass hier Peter Handke geboren worden ist. "Er war ein Einzelgänger als Kind", erinnert sich eine Bewohnerin. "Er hat sich mit anderen nicht abgegeben." Zwei Jahre lang hat sich Theaterregisseur Bernd Liepold-Mosser mit der Kamera auf Handkes Spuren begeben. Es sprechen Nachbarn, Freunde und Gegner - bloß einer kommt kein einziges Mal zu Wort: der Dichter selbst.

Über Handke erfährt man im Film wenig
© skw Lupe
In Griffen hat man für Handke nicht immer viel übrig.
In Griffen lebt noch immer Handkes Bruder Arne. "Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander", sagt er. "Er kommt mich immer besuchen, weil ich kann ja nicht." Gelesen hat er vom Bruder nichts, "nicht ein Buch". Und Handkes Bruder ist keine Ausnahme: Kaum jemand in Griffen hat eines der Bücher gelesen. Eine Meinung zu Handkes Literatur hat dennoch jeder, und sei sie noch so krude. "Das, was er da zusammenschreibt", sagt ein Griffener - "'Wunschloses Unglück', 'Die Angst des Tormanns beim Elfmeter' - ich kann mich nicht erinnern, dass der je einem Fußball nachgelaufen wäre. Sicher nicht." Spätestens nach Sätzen wie diesen ist klar: Über Handke erfährt man wenig in dem Film. Man erfährt, was es heißt, am Land zu leben und anders als die anderen zu sein.

Viele verzeihen dem großen Sohn nicht, dass er das Dorf in seinem Roman "Wunschloses Unglück" als dumpfes, weltfremdes Nest beschreibt. Vor allem aber passt es vielen Griffenern nicht, dass sich Handke für die Kärntner Slowenen engagiert. "Im Grunde genommen ist er ein super Mensch", sagt ein Griffener im Film. "Nur kreiden sie ihm an, dass er auf die da unten so viel hält. Weißt eh, auf die untere Seite. Und die untere Seite ist über die Grenze hinunter."

"Die schönen Tage von Aranjuez"
© Ruth Walz Lupe
Dörte Lyssewski und Jens Harzer als Paar im Clinch
Auch wenn die meisten Griffener mit Handkes Büchern wenig anzufangen wissen: Die Wiener Festwochen scheinen von dem streitbaren Autor nicht genug bekommen zu können. Neben Liepold-Mossers Dokumentarfilm steht dieser Tage die Uraufführung von Handkes neuem Stück "Die schönen Tage von Aranjuez" auf dem Programm, inszeniert von Luc Bondy, der seit 45 Jahren mit Handke befreundet ist.

Die Überraschung ist auch diesmal gelungen: Handke hat das Anti-Stück schlechthin geschrieben. Zwei Stunden lang passiert auf der Bühne nicht viel mehr als dass ein Mann und eine Frau miteinander reden. Der Gesprächstoff freilich hat es in sich. Handke hat ein Stück über die Liebe geschrieben, freilich ein abgründiges. Denn aufs Glück folgt prompt die Ernüchterung. Am Ende des Abends steht die Einsamkeit. "Die schönen Tage von Aranjuez" sind Handkes bislang traurigstes Theaterstück geworden. Noch nie hat er seiner Utopie vom Glück eine derart gründliche Absage erteilt. Das Herzensblut fließt in Strömen. Ein Satz, der wohl auch für Handkes Beziehung zu seinem Heimatort gelten dürfte.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
© skwLupe"Griffen - Auf den Spuren von Peter Handke"
(Dokumentarfilm)
Regie: Bernd Liepold-Mosser
Vorstellung:
14.05.2012: Künstlerhaus-Kino, Wien
Theater
"Die schönen Tage von Aranjuez"Wiener Festwochen
Akademietheater
Weitere Vorstellungen.
15., 17., 23., 24., 26. und 27.05. sowie 01., 02., 05., 07.06.2012
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