Mit der Unterbringung der psychisch Kranken in den ringförmig angelegten Zellen stellte das Gebäude zu seiner Zeit einen Meilenstein im medizinischen Fortschritt dar. Die große Sammlung von Leichenteilen, die er beherbergt, hat in den letzten Jahren eine neue medizinische Bedeutung als Spurenträger künftigen Wissens erhalten. Wenn man genau hinschaut, geht es nicht um Faszination und Ekel, dann wird jedes Präparat wieder zum Menschen. "Das wirklich Wichtige ist, dass der Bestand der Sammlung im Haus weiter gewährleistet wird", sagt der Historiker und Künstler Alfred Stohl. "Es ist eine eigenartige Mischung aus einem Ort, wo man sich wirklich weiterbilden kann, und einem Kunstwerk, wo die magisch aufgeladene Geometrie möglicherweise weiter wirksam ist." "Hier ist der Ort, an dem sich der Tod freut, dem Leben zu helfen", steht über einem Torbogen am Eingang. Wer den Narrenturm wieder verlässt, hat sich mit der eigenen Vergänglichkeit beschäftigt. Das geht auch ohne Show, Schock und Überwältigung. In einer Gesellschaft, die sich schleichend in einer Abstumpfungskultur eingerichtet hat, ist das ein Schatz.